Durch Mandelblüten ans Meer

img_2833Wer im Februar nach Mallorca kommt, erlebt eine Sinnesorgie, die jeden deutschen (und erst recht kanadischen) Frühling in den Schatten stellt. Es ist die Zeit der Mandelblüte. Die bisher schönste Mandelblüten-Wanderung hat uns heute von Andratx nach Port Andratx bis ans Meer geführt.

Die Idee für diesen ausgedehnten Spaziergang im südwestlichen Zipfel Mallorcas hatte uns eine Dame gegeben, die sich im Mallorca Forum „STR-Omi“ nennt. Ihr möchte ich diesen Blogpost widmen.

Von Palma aus ging es mit dem 102er-Überlandbus nach Andratx. Schon die knapp einstündige Fahrt war optisches Verwöhnprogramm pur. Meer und Blumenwiesen, blühende Mandelbäume und Zitrusplantagen, hin und wieder eine Schafherde auf sattgrünem Grund – der Große Regisseur muss einen guten Tag gehabt haben, als er diesen Teil der Erde schuf.

Endstation war für uns das Städtchen Andratx. Nach einem kurzen Suchspiel durch die hübschen Gassen und Sträßchen führten uns STR-Omis Notizen schnurstracks auf den Cami de Morella, einen streckenweise engen, aber gut begehbaren Weg.

Es müssen die Bauern der Gegend gewesen sein, die diesen Pfad durch fruchtbare Wiesen und Felder einmal für sich gepflügt hatten. Heute dient der Cami neben Wanderern auch Finca-Besitzern, um zu ihren Gehöften zu kommen.

Die üppige Pracht der blühenden Mandelbäume verschlägt einem den Atem. Weiße und rosarote Blüten wechseln sich ab. Dazu kommen kleine Bauerngehöfte und Stallungen. Und immer säumen die südlichen Ausläufer der Tramuntana-Gebirgskette diese begnadete Landschaft – so, als wollten sie sie festhalten, denn zum Teilen ist sie viel zu schön.

Schafe, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Pferde und in der Luft Greifvögel mit beeindruckender Flügelspannweite – das alles bekommt der Wanderer bei sommerlichen Temperaturen an einem wolkenlosen Tag geboten.

Nach gut zwei Stunden dann der erste Blick auf den Hafen von Port Andratx. Das erste, das dem Besucher auffällt, ist die durch Protzvillen und Reihenhausanlagen versaute Berglandschaft.

Nach der Operettenkulisse, die wir eben noch genießen durften, fühlt es sich jetzt plötzlich an wie Zahnschmerzen. Wer auch immer die Baugenehmigungen für diese Zersiedelung einer eigentlich traumhaften Landschaft erteilt haben mag, gehört mit Mallorca-Verbot auf Lebenszeit bestraft.

Nach dem von Baulärm untermalten Schock-Empfang lohnt sich dann aber doch ein Spaziergang entlang der Uferpromenade von Port Andratx. Versöhnt wird der Besucher zusätzlich durch den Anblick von hübschen Fischerbooten.

Doch selbst die Farbenpracht der zum Trocknen ausgelegten Netze verblasst gegen das, was der Cami de Morella uns heute zu bieten hatte.