Sommerfreuden mit „Snowbirds“

Stadt und Land. Poppy und Pool. Blumen und Regenbogen. Dazu persischer „Love Cake“ in einem neuen Café, das bei uns um die Ecke eröffnet hat. Auf der Farm gab es ein Fest mit Fisch und Freunden. Zwei Rikscha-Fahrer begegnen sich auf der Avenue du Mont-Royal. Der Sommer ist nun endlich auch in Québec eingezogen. Daran können selbst die coolen „Snowbirds“ nichts ändern. Die Kunstflugstaffel der Canadian Air Force stattete dem Himmel über Montreal neulich einen Kurzbesuch ab.

Bilder zum Vergrößern anklicken funktioniert meistens

Québec: Es bleibt kompliziert

Québec, Kanada, die Welt: Gräben aufreißen, wo Zusammenhalt gefragt ist. Foto: Bopp

Gestern war der Québecer Nationalfeiertag. Grund genug, einmal auf die Lage von La nation québécoise zu schauen. Einer der Hauptgründe, warum ich mich vor über 40 Jahren für Montreal entschieden habe, war der französische Charakter dieser Stadt. Ich komme aus dem Südwesten Deutschlands, wo Frankreich, Österreich und die Schweiz gleich um die Ecke liegen. Die Vorstellung, in einer Provinz zu leben, in der Französisch den Ton angibt, hatte was.

Mit den Jahren habe ich allerdings gelernt, dass Sprache in Québec weit mehr ist als ein Mittel zur Verständigung. Sie ist politisch derart aufgeladen, dass mir die Freude am Französischsprechen manchmal regelrecht verleidet wird.

Natürlich stehe ich voll und ganz hinter dem Gedanken, dass Französisch in Québec gesprochen, gepflegt und gefördert werden muss. Das schreibt schon die Geschichte dieser „Belle Province“ vor. Was ich bis heute nicht verstehe, ist, warum die Stärkung des Französischen so oft auf Kosten des Englischen geht.

Ich lebe gerne in Québec und liebe vieles hier: seine Sprache, seine Kultur, seine Menschen, sein joie de vivre und – selbstverständlich – seine Küche. Was ich nicht mag, ist der Versuch, Sprache als politisches Werkzeug einzusetzen und damit den fast 1,5 Millionen englischsprachigen Québecern das Gefühl zu geben, weniger dazuzugehören.

Meine Muttersprache ist Deutsch. Ich spreche fließend Englisch und kann mich problemlos auf Französisch unterhalten. Gerade weil ich weder anglophon noch frankophon aufgewachsen bin, glaube ich, dieses Thema mit einer gewissen Distanz betrachten zu können.

Und aus dieser Perspektive läuft hier definitiv etwas schief.

In meinen Augen sollte die Regierung die Menschen dafür gewinnen, Französisch zu sprechen – nicht sie dafür bestrafen oder ausgrenzen, dass sie Englisch sprechen. Sprachinspektoren loszuschicken, die nachmessen, ob die französische Beschriftung eines Ladens groß genug ist, oder Restaurantbesitzer zu zwingen, ihren Namen zu ändern, weil er angeblich „zu englisch“ klingt, halte ich für den falschen Weg.

Ein aktuelles Beispiel, dass hier etwas verkehrt läuft, ist die Entscheidung, während des laufenden Québecer Wahlkampfs keine englischsprachige TV-Debatte der Parteichefs zu veranstalten. Es sendet das falsche Signal und vertieft den Graben zwischen den beiden Sprachgemeinschaften, anstatt Brücken zu bauen.

Und neue Gräben braucht in Zeiten wie diesen niemand.

Happy Birthday, lieber Bernie!

Wenn zwei der besten Freunde, die ich je hatte, Bernd hießen, dann ist das vielleicht Zufall. Wenn sie aber beide so früh sterben mussten, dann ist das einfach gemein. Bernd Dassel, „dein gewaltiger Kumpel aus dem Allgäu“, wie er sich am Telefon gerne meldete, starb mit 70. Bernd Laengin, der mich 1973 nach Winnipeg geholt hatte, musste schon mit 67 gehen. Heute wäre Bernd Laengin 85 geworden. Aus gegebenem Anlass hier noch einmal ein Blogpost, den ich „Bernie“ zu seinem 80. Geburtstag gewidmet hatte.

Dass ich diesen Blogpost irgendwo in Kanada schreibe und nicht in Ummendorf, Waiblingen oder Ulm, habe ich vor allem einem Menschen zu verdanken: Bernd Laengin. Er, damals noch Chefredakteur der größten deutschsprachigen Auslandszeitung in Winnipeg/Manitoba, war der Mann, der mich als Reporter nach Kanada geholt hatte. Heute wäre er 80 geworden.

Wie viele der Besten, musste auch er viel zu früh gehen. Bernd war gerade mal 67, als der Krebs ihn hinraffte.

Bernd war anders als alle anderen Journalisten, die ich bis dato kannte. Frei im Kopf, ein Weltmann nicht vom Auftreten her sondern, weil er halt so war, wie er war. Ein Karlsruher Bub’ den es schon früh in die Welt hinauszog.

Er lebte in Afrika und recherchierte in Asien. War Dutzendfach in Südamerika und Australien. Er kannte die Welt und interessierte sich vor allem für die Menschen, die sie bewohnen.

Ich kenne Keinen, außer vielleicht meinen Piloten-Freund Jörg, der so viel in der Welt herumgekommen ist wie Bernd. Auch einen Großteil meines Storytelling habe ich meinem Freund Bernie zu verdanken. Er konnte Geschichten erzählen wie kein anderer.

Und ich kenne niemanden, der so bodenständig geblieben ist. Und keinen, der so viele Bücher geschrieben hat wie er.

Ohne jemals Bestsellerautor zu werden, ließ er es sich nicht nehmen, Dutzende von ihnen herauszubringen. Viele seiner Sachbücher über ethnische und religiöse Minderheiten.gehören heute zu den Standardwerken von Universitäts-Bibliotheken in aller Welt.

Was Bernd jedoch mehr als alles andere auszeichnete, war seine grenzenlose Loyalität. Unsere Diskussionen, mögen auch noch so die Fetzen geflogen sein, hatten für ihn nie Spreng-Potenzial. Unsere Streitgespräche spielten sich auf einer Meta-Ebene ab, die unsere Freundschaft nie in Gefahr brachte.

Trotz seiner Sprachgewalt war Bernd nie ein Gefürchteter. Aber er war furchtlos im Wortsinne. Und er war geduldig, wenn es darauf ankam.

Ich erinnere mich an eine gemeinsame Wanderung in Manitoba. Irgendwo im Busch stand links eine ausgewachsene Bärenmutter. Auf der rechten Seite, in einer Lichtung, verharrte ein Bärenbaby. Sich als Mensch zwischen eine Bärenfamlie zu begeben, kann tödlich sein.

Also warteten wir. Und warteten. Und warteten …

Als bereits Schwärme von Moskitos unsere Leiber zum Fressen gern hatten, bequemte sich die Bärenmutter endlich, ihr Kleines abzuholen und unter ihre Fittiche zu nehmen.

Bernd und ich atmeten auf. Verschwitzt und gepflastert mit Mückenstichen setzten wir unsere Wanderung fort.

Es gäbe Dutzende von Geschichten dieser Art zu erzählen. Doch heute gilt der Blogpost nicht dem Storyteller, sondern dem, der ihm zu diesen Geschichten verholfen hat.

Was für ein Glück, dass die Beziehung zu Bernds Familie auch nach seinem Tod weiterleben konnte, wenngleich in anderer Besetzung. Mit seiner Witwe Christa und der Familie der gemeinsamen Tochter Marion in Vancouver verbindet uns noch heute eine tiefe Freundschaft.

Happy Birthday, Bernie!

Ab heute nur noch Dr. Bopp

Gestatten: Bopp. Doktor. Bopp. Dr. Bernath (l) bei der Urkundenverleihung.

Es hat lange gedauert, aber seit heute bin ich Dr. Bopp. Verliehen wurde mir der lang ersehnte Titel von der Comica Academia Quebecensia (CAQ), im Freundeskreis auch schlicht als „Doktorenrunde“ bekannt.

Die Doktorenrunde setzt sich aus vier veritablen Dottores zusammen:

• Dr. Vicente Echavé Cabrera, Chirurg aus Havanna, heute Montreal
• Dr. Robert Branch, Hausarzt aus New Brunswick, heute Sherbrooke
• Dr. Marc Paquet, Kinderkardiologe aus Montreal, heute Ottawa
• Dr. Peter Bernath, Germanist, früher Berlin, heute Sherbrooke

Und jetzt eben neu in der Runde: Dr. Herbert Bopp, Blogger, früher Ummendorf, heute Montreal.

Assistiert wurde die Verleihungszeremonie von Cho Thanda, früher Myanmar, heute Montreal. (Ehrendoktor folgt bestimmt auch irgendwann).

Die Doktorenrunde ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus drei Medizinern und einem Philologen. Gegründet wurde sie vor mehr als einem Jahrzehnt mit dem hehren Ziel, in der kanadischen Diaspora die deutsche Sprache zu pflegen.

Gepflegt wurde die Sprache allerdings hauptsächlich vom Gründer der Runde, meinem Freund Peter. Die anderen Dottores widmeten sich mit bemerkenswerter Ausdauer eher der Pflege von Freundschaften, Speisen und Getränken.

Weil in der Doktorenrunde hin und wieder auch von meinem Blog die Rede war, an dem man seine Deutschkenntnisse vortrefflich testen kann, hatte man vermutlich mit dem Blogger irgendwann Mitleid und lud ihn zur Doktorenrunde ein. Schließlich war er der Einzige, der bislang ohne zwei ehrfurchtgebietende Buchstaben vor dem Namen durchs Leben gehen musste. Damit ist seit heute Mittag Schluss.

Für die feierliche Zeremonie in der eleganten Residenz von Dr. Vicente Echavé Cabrera und Cho Thanda in der Montrealer Altstadt hatte Zeremonienmeister Dr. Bernath eigens die notwendigen Roben samt Doktorhüten beim Kostümverleih organisiert. Er ist auch der Verfasser der launigen Ernennungsurkunde, die vermutlich keiner akademischen Prüfungskommission standhalten würde.

Das mehrgängige chinesische Menü wurde liebevoll von Cho Thanda serviert. Mango gab es nicht etwa zur Nachspeise. So heißt der Hund des Hauses.

Die Welt ist inzwischen ein ziemlich ernster Ort geworden. Umso wichtiger ist es, dass der Spaßfaktor im Leben nicht ganz verloren geht. Wenn also eine Handvoll Rentner nichts Besseres zu tun hat, als erfundene Titel zu verleihen, freut man sich über eine solche Ehrung in Zeiten wie diesen umso mehr.

Noch einmal zum Mitschreiben: Die vier Doktoren sind echt. Mein Titel ist fake. Nicht, dass am Ende noch die Titelpolizei vor der Tür steht und die Urkunde beschlagnahmt.

Immerhin habe ich jetzt offiziell, wenn auch nur ehrenhalber, den akademischen Gipfel erreicht, ohne jemals eine Dissertation geschrieben zu haben.

Das muss man mit meiner Ummendorfer Halbbildung auch erst einmal schaffen.

Hier wimmelt es nur so von Titeln. Von links nach rechts: Dr. Peter Bernath, Dr. Herbert Bopp, Dr. Robert Branch, Dr. Echavé Cabrera und Dr. Marc Paquet.
Noch kein Doktortitel, dafür umso fleißiger: Die Gastgeberin Cho Thanda.
Wer’s nicht glaubt – hier ist die Urkunde. Man beachte die Namen der Unterzeichner

Kolibris: Akrobaten der Lüfte

Kleiner Kerl ganz groß: Dieses Video habe ich auf Cassians Farm südlich von Montreal aufgenommen. Die Aufnahme ist in Zeitlupe. Kaum größer als ein Daumen, schwebt dieser Kolibri scheinbar mühelos in der Luft..

Kolibris sind die kleinsten Vögel der Welt. Sie schlagen ihre Flügel bis zu 80-mal pro Sekunde und können dadurch auf der Stelle schweben, rückwärts fliegen und blitzschnell die Richtung wechseln. Trotz ihres geringen Gewichts legen manche Arten jedes Jahr Tausende von Kilometern zurück.