Trauben, Kaffee und Karotten

Während der böse Mensch in Washington uns auch diese Woche wieder geärgert hat, versuchen wir hier, so gut es geht, Haltung zu bewahren. Da Bilder bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, verzichten wir auf allzu viel Geschwafel und führen uns einfach ein paar Fotos zu Gemüte, die sich in den vergangenen Tagen auf dem iPhone angesammelt haben.

Menschen, die am Stock gehen. Trauben, die an (Reb-)Stöcken hängen und später zusammen mit Joghurt im Teller landen. Kaffee und Karotten. Stadt und Land, Bahn und Schiff – an Abwechslung hat es diese Woche jedenfalls nicht gefehlt.

Der Ureinwohner wartete geduldig am Wurststand, entschied sich dann aber – vermutlich angesichts der neun Dollar für einen Hotdog – doch noch anders. Ein Blick in eine der zahlreichen „Back Alleys“, wie die oft wild bewachsenen und bepflanzten Hintergassen in Montreal heißen.

Pflanzen gab es heute umsonst auf der Avenue Mont-Royal. Jedes Jahr gegen Ende des Sommers werden Blumen, Kräuter und Gemüse aus den städtischen Beeten geräumt, die eigens für die Benutzer der Fußgängerzone angelegt wurden. Wer früh genug kommt, darf sich bedienen.

Den Bagel gab’s bei der kanadischsten aller Kaffeehausketten, Tim Hortons. Starbucks kann uns gestohlen bleiben, solange Trump und Co. ihre Sperenzchen treiben.

Beim Asiaten kehren wir dagegen immer wieder gerne ein. Vor allem, wenn an einem herrlichen Spätsommertag wie heute die Terrasse noch einmal zum Verweilen einlädt.

Und nein, die zuckersüße Poppy hatte es nicht auf die sauren Zitronen abgesehen. Das Motiv war einfach zu schön, um nicht auf den Auslöser zu drücken.

Schönes Wochenende!

Abschied von Cassians Farm – aber nur für ein paar Tage.

Himmelherrgott – schon Herbst?

Noch ist es nicht ganz so weit – aber ganz verschämt schaut er schon mal um die Ecke, der Herr Herbst. Erst tut er so, als hätte er sich nur verlaufen, dann lässt er hier und da auch schon ein gelbes Blatt fallen.

Schön ist er ja, der Herr Herbst. Das Licht wird weicher, die Farben werden intensiver und plötzlich wird ein hundsgewöhnlicher Spaziergang auf der Farm zu einem ziemlich gut gemachten Naturfilm.

Wenn da nur nicht dieser kleine Haken wäre: Hinter den schönsten Herbstfarben lauert der Winter. Ein langer, kalter kanadischer Winter.

Also schnell noch ein paar Fotos in die Galerie gestellt. Aber immer schön langsam, Herr Herbst. Wir haben es nicht eilig mit ihrem grimmigen Vater. Old Man Winter kann warten.

Wieder einmal Schwein gehabt

„Pigapalooza“ heißt das Grillfest, das Cassian jetzt schon zum zweiten Mal auf seiner Farm veranstaltet hat. Piga … was? Ja, genau: Pigapalooza – wie Lollapalooza, nur mit jeder Menge Schwein.

Lollapalooza, das weltbekannte alternative Musikfestival, wurde vor 35 Jahren in Chicago gegründet, um Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam ihre Liebe zur Musik feierten.

Bei Pigapalooza wird alles gefeiert: Freundschaft, Essen, Trinken. Und – dank Peter Scott an der Gitarre – auch Livemusik. Aber hauptsächlich gab es Schwein, genauer: Spanferkel vom Grill.

Die Vorzeichen standen diesmal nicht gut. Die Pont Champlain, eine der wichtigsten Verbindungsbrücken von Montreal in den Süden der Provinz Quebec, war beidseitig gesperrt. Der Verkehr kam teilweise zum Erliegen, so dass auch der Grillmeister erst mit eineinhalb Stunden Verspätung loslegen konnte.

Und dann das Wetter: Wochenlang blauer Himmel, ausgerechnet heute Regen in Strömen – zum Glück nur kurz. Danach knallte die Sonne wieder auf die Festgemeinde. Als die gut 50 Gäste nach Hause aufbrachen, weinte der Himmel erneut. Man konnte es Petrus heute einfach nicht rechtmachen.

Die Gästeliste umfasste Cassians Kunden, Kommilitonen aus Uni-Zeiten, Kollegen, Freunde aus Kindheitstagen und Nachbarn. Ein paar liebe Freunde von uns gesellten sich auch dazu.

Neu im Pigapalooza-Lineup: Babys! Drei von ihnen krochen über Stock und Stein, ein viertes eindeutig im Anmarsch.

Und Poppy? Die verhielt sich, wie man es bei einer Einladung dieser Klasse von einer jungen Dame verlangen kann: weitgehend diskret zurückhaltend. Meistens.

Mit Ippi und dem Bus auf Tour

On the Road in Marokko: Christian Dassel bei den Tbourida-Frauen von Kenitra. © WDR

Ippi war wieder unterwegs. Ippi heißt eigentlich Christian Dassel und ist deutschen Fernsehzuschauern seit vielen Jahren als Reporter und Filmemacher bekannt. Einmal im Jahr steigt er in seinen VW-Bus – immer auf der Suche nach guten Geschichten.

Die beste Geschichte von allen: Ippi und ich sind seit gut 50 Jahren befreundet – und fast genauso lange bin ich ein großer Fan von ihm. Schon als Kind im Allgäu war er ein begnadeter Storyteller. Als Erwachsener hat er sein Talent zum Beruf gemacht.

Mit einem VW-Bully, der fast so viele Jahre auf dem Buckel hat wie Christian, geht es immer den guten Geschichten nach. Durch den Balkan, nach Schottland, Italien und Frankreich, durch die Baltikum-Staaten und wochenlang quer durch die USA.

Diesen Sommer waren Andalusien und Marokko an der Reihe – und Ippi läuft als Geschichtenerzähler auch dieses Mal wieder zu großer Form auf.

Zusammen mit seinem Team berichtet er über den Knochenjob der Gerber von Fès, schaut bei den reitenden Tbourida-Frauen von Kenitra vorbei und sagt den Berber-Affen von Ifrane Hallo.

Die einfühlsame Art, mit der Christian seine Geschichten erzählt, ist skurril, herzerwärmend, manchmal aufwühlend, aber immer unterhaltsam. Mit der oft schrägen Dramaturgie seines Storytellings bringt Ippi frischen Wind in das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Sein Gespür für Menschen und gute Geschichten entwickelte Ippi Dassel schon früh. Auch Christians Vater Bernd war ein begnadeter Erzähler – als Journalist, Moderator und Fernsehmacher.

Vor allem aber war er mein Freund. In seiner Wahlheimat Leutkirch rief er den „Talk im Bock“ ins Leben – eine öffentliche Veranstaltung im „Bock-Turm“ mit hochkarätigen Gästen, vom Ex-Bundespräsidenten Joachim Gauck bis zum ehemaligen „Linken“-Vorsitzenden Gregor Gysi. Vor ziemlich genau zehn Jahren ist Bernd Dassel gestorben.

Stolz konnte „Börnie“ Dassel schon immer auf Ippi sein – und nicht nur auf ihn. Christians Bruder Markus ist ein erfolgreicher Kameramann geworden, Schwester Anna eine Rundfunkmoderatorin mit Stimme und Herz. Viele Jahre war sie bei „Radio Liechtenstein“ zu hören.

Die „Bustour“-Filme von Christian Dassel laufen zurzeit in der Aktuellen Stunde des WDR. Einfach mal googeln. An Ippis Geschichten führt kein Weg vorbei.

Vom Premierminister zum Fanboy

Schlagzeile (übersetzt) im „Journal de Montréal“ Personenschutz auf Kosten des Steuerzahlers.

Ich bin ein großer Fan von Justin Trudeau. War ich schon immer und bin es auch heute noch. Als kanadischer Premierminister hat er zwar, wie die meisten Politiker, nicht alles richtig gemacht. Aber nach dem angestaubt-konservativen Stephen Harper hat der Liberale Trudeau frischen Wind in ein Land gebracht, das mir seit fast 50 Jahren Heimat ist.

Als Partner und Fanboy Number One seiner Freundin turtelt Justin Trudeau inzwischen mit Katy Perry um die Welt. Nur kein Neid! Ich finde, er kann mit seiner Freizeit machen, was er will. Doch die Aufregung unter manchen Kanadiern ist groß.

Nicht etwa, weil es ihnen missfällt, dass Justin Trudeau ein Video aus einem Montrealer Laden für Haushaltszubehör verbreitet, in dem er zur Musik seines Rapper-Sohnes „Xav“ eine Saugglocke zur Klo-Reinigung schwingt. So etwas mögen Kanadier eher.

Auch das Foto, das ihn auf einer Yacht zeigt, wie er seiner Liebsten fürsorglich Sonnencreme auf die Brust schmiert, kommt in den sozialen Netzwerken offenbar ganz gut an. Hat ja auch was, so ein bisschen Voyeurismus.

Was viele Kanadier allerdings nicht mögen – und da sind sie ein bisschen wie wir Schwaben – ist, wenn Geld für etwas ausgegeben wird, für das sie keinen unmittelbaren Gegenwert bekommen. Zum Beispiel, wenn Justin die Rockkonzerte seiner Freundin Katy Perry besucht und dabei ständig von kanadischen „Mounties“ begleitet wird, die ihn beschützen. Es ist von vielen Überstunden an allen Ecken der Welt die Rede.

Auf Personenschutz haben ehemalige Spitzenpolitiker in Kanada ein Recht. Dafür werden jährlich Beträge im zweistelligen Millionenbereich bereitgestellt  – egal, ob der Politiker noch im Amt ist oder, wie Justin, als Jetsetter durch die Welt tingelt.

Ist ja nicht so, dass Kanada als eine der zehn größten Volkswirtschaften der Welt am Hungertuch nagt.

Ob Justin Trudeau als Ex-Premier tatsächlich noch Gefahr läuft, von einem Irren attackiert zu werden, weiß keiner. Aber man will auf Nummer sicher gehen. Und das ist gut so.

Meine Meinung: Ein Mann, der acht Jahre lang sein Leben und seine Familie der Politik geopfert und dabei sein Land – mein Land – vor Unheil bewahrt hat, verdient es, auch im Ruhestand noch beschützt zu werden.

Fällt mir gerade ein: Was macht eigentlich Olaf Scholz so?