
Jubel für drei Männer und eine Frau: Gerade haben sie eine Million Kilometer bis zur Rückseite des Mondes zurückgelegt. Im freien Fall wurden sie mit 40.000 Stundenkilometern durch ein 7000 Grad heisses Hitzeschild geschleudert. Zum Abschluss dann die bilderbuchreife Wasserung im Pazifik – ein Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt.
Fast zeitgleich lässt sich ein Präsidentendarsteller in Washington dafür beklatschen, dass wieder ein paar Schiffe durch die Strasse von Hormus fahren können – etwas, das noch bis vor sechs Wochen selbstverständlich war.
Der Wahnsinn im Nahen Osten geht auf das Konto der USA. Das Wunder im Weltall auch. Wie geht das?
Das geht, weil Amerika nicht gleich Amerika ist.
Da sind diese blitzgescheiten Astronauten mit einer Fitness im Kopf und im Körper, von denen mancher Egomane im schlecht sitzenden blauen Anzug nicht einmal träumen kann. Diese drei Männer und eine Frau wirken bei all ihrer Genialität auch dann noch geerdet, als sie unseren Planeten längst hinter sich gelassen haben.
Vieles von dem, was die Artemis-II-Mission verkörpert, dürfte den Wüterich im Weissen Haus noch vollends zur Weißglut bringen.
Eine Frau (!) im Astronautenanzug. Ein Afroamerikaner (!!) im NASA-Raumschiff. Und dann, schlimmer geht nimmer, schwebt da auch noch irgendwo ein Kanadier (!!!) durch die Kapsel – schwerelos und mit einer Eleganz, die Pepsi schlürfende Fastfood-Freaks in aller Welt vor Neid erblassen lässt.
Geradezu grotesk wirkt das News-Ticker-Laufband unter dem TV-Bild der Astronauten, wonach Trump dem Iran mit der „Auslöschung der Zivilisation“ droht, während sich 300.000 Kilometer von Washington entfernt vier Menschen schwerelos in die Arme fallen, weil sie nach getaner Arbeit in der Kapsel ein bisschen Spass haben wollten.
Und während die halbe Welt den Astronauten Reis Wiseman, Victor Glover, Jeremy Hansen und der Astronautin Christina Koch nach der geglückten Wasserung der Artemis-II im Pazifik kluge Glückwünsche hinterher schickt, nennt ein gescheiterter Immobilienmogul, der durch Trash-TV einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte, dieses geniale Quartett „eine talentierte Mannschaft“ – so, als hätten sie es gerade in die nächste Runde des Dschungelcamps geschafft. Und dann, natürlich in Großbuchstaben: „NEXT STEP, MARS!“
Endlich mal eine gute Idee. Wie wärs mit der Abschussrampe im Weissen Haus, gleich neben dem Ballasaal?
Zu diesem Thema möchte ich Ihnen heute den wunderbaren Essay „Splitscreen Amerika“ von Marc Pitzke empfehlen. Bei SPIEGEL Online leider nur hinter der Bezahlschranke zu lesen.











