
Der 15. Juli 1967 war der schwärzeste Tag in meinem Leben. Meine Mutter war 57, als sie ein Verkehrsunfall in den Bayerischen Alpen aus dem Leben riss. Ich war 18. Zurück blieben mein Vater und wir vier Kinder. Dass auch mein Vater Jahre später an den Folgen eines Autounfalls gestorben ist, gehört zu den Schicksalsschlägen, für die es keine Erklärung gibt.
Nein, der Tod ist nicht mein Freund. Und ich sehe ihn auch nicht als die natürliche Abfolge unseres Daseins. Für mich sind Todesfälle noch immer grausame Einschnitte in das Leben: in mein Leben, vor allem aber in das Leben der Menschen, die unmittelbar davon betroffen sind.
Freunde, Bekannte – von zu vielen mussten wir in letzter Zeit Abschied nehmen.
Als mein Bruder Eberhard vor etwas mehr als einem Jahr starb, war mir der Tod so nahe wie seit den beiden tödlichen Verkehrsunfällen meiner Eltern nicht mehr. „Er wurde von seinem Leiden erlöst“, hört man immer dann, wenn einem sonst die Worte fehlen.
„Jetzt verschwinden sie alle“, sagte mein Vater manchmal, wenn im Dorf wieder jemand gestorben war und er sich die schwarze Krawatte für die Beerdigung band.
Als Kind konnte ich diesen kruden Spruch nie richtig einordnen. Wer abhaut, kommt doch irgendwann auch wieder, reimte ich mir zusammen. Wie beim Versteckerles-Spielen. Nein, kommt er nicht. Heute weiß ich, was mein Vater meinte: Sterben, ohne Abschied zu nehmen.
Sie alle haben sich nicht verabschiedet – und ich vermisse sie sehr: meine Mutter, den Vater, den Bruder. Aber auch meine Freunde Börnie und Bernie, den Michi, die Edith, die beiden Günt(h)er, die Gudrun, den Richard, die Gerheide, den Scott, den Phil, den Bob, die Elke, den Norbert, den Hans, die Elsa, den Andreas, die Tante Anna, die Tante Elfriede, die Marga und viele, viele andere.
An Tagen wie diesen freue ich mich ganz besonders, dass ich noch immer von so vielen liebenden Menschen umgeben bin.
Von allen, die noch nicht verschwunden sind.




























