
JAKOBSWEG, Tag 1 – 22 Kilometer von Pamplona nach Uterga
In dem Dörfchen Uterga, irgendwo im Nordwesten Spaniens, neigt sich der Tag zu Ende. Die „Albergue Camino del Perdón“ darf sich über zwei überglückliche, satte Wanderer freuen, die sich schon kurz vor 20 Uhr zur Nachtruhe in dieser gemütlichen Herberge begeben haben.
Wir haben den ersten Tag unserer Pilgerreise geschafft – und wir sind es auch.
Gut 22 Kilometer waren es heute, von etwas außerhalb von Pamplona, wo wir die letzte Nacht vor Beginn unserer Camino-Wanderung verbracht hatten, bis hierher. Es war ein besonderer Abend gestern, der vermutlich letzte für viele Wochen in einem „richtigen“ Hotel.
Lores Geburtstag haben wir noch bei einem opulenten Mahl im „Café Iruña“ gefeiert. Richtig: Ernest Hemingway verfolgt uns – oder besser: wir verfolgen ihn.
Im Café Iruña an einem der schönsten Plätze Pamplonas hat er damals angeblich viele feuchtfröhliche Feste gefeiert, als der alte Macho unter anderem wegen seiner Leidenschaft für den Stierkampf immer wieder den Nordwesten Spaniens besuchte.
Erst vor wenigen Wochen noch hatten wir Hemingway in Havanna hochleben lassen. Dorthin zogen ihn dem Vernehmen nach nicht etwa nur alte Männer und das Meer, sondern vor allem schöne Kubanerinnen und zweifellos auch die Daquiris, die man im „Floridita“ für den Meister des Worts mixte.
Aber zurück zum Camino. Was soll ich sagen? Wir sind überwältigt von dem, was wir heute erlebt, gesehen und genossen haben. Ein Wetter wie im Frühsommer, kombiniert mit der satten Vegetation des spanischen Frühlings – eine Kombination, die schwer zu toppen ist.
Schon der Beginn unserer Wanderung stand unter einem ganz besonders guten Stern.
Ein syrischer Flüchtling war es, der uns auf den richtigen Weg brachte. Ohne diesen freundlichen Fremden hätten wir möglicherweise noch Stunden nach dem Ausgangspunkt des Caminos gesucht.
Kaum hatten wir dann die Stadtgrenzen von Pamplona hinter uns gelassen, tat sich uns eine wahrhaft begnadete Landschaft auf. Bergpanoramen in jeder Himmelsrichtung. Ganz weit im Nordosten sogar noch schneebedeckte Gipfel, in den Tälern dann hingehauchte Natur wie gemalt, so weit das Auge reicht.
Schließlich der nicht ganz einfache Abstieg vom Bergkamm ins nächste Tal.
Die erste Blase ließ nicht lange auf sich warten. Kein großes Ding. Was kann schon passieren, wenn die beste Pflegerin zwischen Madrid und Montréal mitwandert?
Und, ja: Genau durch jenen Windpark sind wir marschiert, den wir vorgestern noch auf dem Flug von Lissabon nach Bilbao von der Luft aus bestaunt hatten.
Das Leben ist eine Wundertüte – und wir haben das sagenhafte Glück, uns jeden Tag aufs Neue überraschen lassen zu dürfen.
Gute Nacht, liebe Bloggemeinde. Die Finger machen vom Tippen ins iPhone schlapp. Die Beine sind es ohnehin schon.
Morgen früh geht’s weiter, immer der Nase lang, schnurstracks Richtung Santiago de Compostela.
Bis dahin sind es ja nicht einmal mehr 800 Kilometer.

















