
Viel gibt es zu diesem Satz oben nicht zu sagen. Nur: Es hört nicht auf mit der Kritik am deutschen Impfsystem. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht höre, wie schrecklich, wie langsam, wie unprofessionell das alles in Deutschland vonstatten gehe.
Dabei sind inzwischen mindestens so viele meiner deutschen Freunde geimpft wie KanadierInnen, mit denen ich regelmäßig in Kontakt bin.
Doch seltsam: Keiner meiner kanadischen Freunde beklagt sich. Im Gegenteil: Die meisten von ihnen sind aus dem Häuschen, weil sie schon dran sind.
Wir übrigens auch.
Ich emfpinde große Dankbarkeit dafür, dass wir schon so früh geimpft wurden. Damit hatten wir hier nicht gerechnet. Zumal die Prognose noch vor nicht allzu langer Zeit geheißen hatte: Ein, zwei Jahre – vielleicht auch drei – müsst ihr schon warten, bis ein Imfpstoff entwickelt sein wird.
Jetzt ist er da, nach weniger als einem Jahr – nicht nur einer, sondern fast ein halbes Dutzend – doch von einem Wunder spricht keiner mehr. Dafür von einem „Desaster“, einer „Katastrophe“, einer „Peinlichkeit“, von einem unerhörten „Hinterherhinken“.
Schon klar: Es tut weh, wenn man von den Briten überholt wird, wo diese Schurken doch eben erst Europa den Mittelfinger gezeigt haben. Oder wenn die Amis ihre „America First“-Politik unter einem Joe Biden nahtlos dort fortsetzen, wo der Präsidentendarsteller Trump aufgehört hatte.
Aber warum denn gleich so böse, so unwirsch, so ungeduldig? Und irgendwo auch so unfair?
Geduld ist eine Tugend, die wir in Zeiten wie diesen neu definieren müssen. Vielleicht sollten wir gleich mit dem Warten auf den Impfstoff damit anfangen.
Wunder dauern eben manchmal ein bisschen länger.
Das Wort zum Sonntag sprach heute ihr sehr ergebenster Blogger Herbert