Nach sieben Tagen daheim

Kunst am Patienten: Thank-you Juliette, Mackenzie and Henry ❤️

Ja, nein, vielleicht – so ging das gestern den ganzen Tag. Der Koffer war gepackt, das „Thank-you“-Kärtchen für das wunderbare Krankenhauspersonal geschrieben. Und plötzlich hieß es: Hiergeblieben! Die Blutwerte waren wieder suboptimal. Am Ende der Achterbahn kam dann aber doch noch die Entlassung aus dem Jewish General Hospital. Der Kampf gegen die Folgen einer schweren Operation hat fürs Erste ein Happy End.

Jetzt kommt das Verwöhnprogramm. Die Umstellung dauert noch. Eben erst bemerkte Lore das Plastikbändchen an meinem Arm. All-inclusive im Krankenhaus war gestern.

Der Morgen danach fühlt sich gut an. Vier Stunden am Stück geschlafen habe ich seit meiner OP vor einer Woche nur während der eigentlichen Narkose. Kein Blutdruckmessen mehr um Mitternacht, keine Schmerztablette morgens um vier und zwischendurch kein Verbandswechsel.

Bändchen am Händchen: All inclusive war gestern.

Mein Freund Dr. Marc erzählte mir in diesem Zusammenhang von einem running gag, der während seiner Ausbildung zum Kinderkardiologen die Runde machte: „Weckt die Krankenschwester den Patienten um 23 Uhr aus dem Tiefschlaf mit den Worten: Hier ist Ihre Schlaftablette!“

So intensiv die unmittelbare Nachversorgung im Krankenhaus war, so sehr ist man nach der Entlassung dann doch auf sich gestellt. Was ist, wenn Komplikationen auftreten? Wie war das nochmal mit der Sonde mit dem Wundsekret? Bei welcher Menge wird es kritisch, bei welcher Färbung ist Vorsicht angesagt?

Jetzt sind gute Nerven gefragt.

Lore ließ sich von „Nurse Cindy“ einen Crashkurs im Verbandwechseln geben. Unaufgeregt und mit der Unbeschwertheit der Jugend wurde die fröhliche Schwesternschülerin nicht müde, „Nurse Lore“ 45 Minuten lang die Tricks eines keimsicheren Wundverbands beizubringen.

Nurse Lore, Nurse Cindy beim Verbandswechsel.

Auch in Kanada gibt es so etwas wie postoperative Betreuung durch kommunale Einrichtungen. Aber die Logistik ist schwierig, und besonders das Personal in der Provinz Quebec ist ohnehin völlig überlastet. Jeder Dritte hier hat keinen Hausarzt. Da kommen die Leitungen zu den bis zur Erschöpfung arbeitenden Pflegediensten leicht ins Glühen. Jede Do-it-yourself-Entlastung ist deshalb willkommen.

Bis zum ersten Arzttermin dauert es eine Woche. Bis dahin hilft nur eins: Daumen drücken!

Danke allen für ihre aufmunternden Mails, Messages, Playlists- und Hörbuch-Empfehlungen. Eine von ihnen brachte mich fast an meine Grenzen.

Ein Freund hatte mir ein Audiobook mit dem Titel „Becks letzter Sommer“ als aufbauende Krankenhauskost ans Herz bzw. ans Ohr gelegt. Kleines Problem: Das Hörbuch löste bei mir so heftige Lacher aus, dass ich mir zeitweilig ernsthaft Sorgen um meine Wunde machte.

Gut gemacht, Frank!


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3 Gedanken zu „Nach sieben Tagen daheim

  1. „💜Pampering period🫶“ has been added to my „Thesaurus of „HeartForward“ words.

    If Lore needs support, don’t hesitate to call me.

    Keeping you in my🙏 with 🤞

    💜Liane🫶

    Gefällt 1 Person

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