
Reden wir übers Klima. Ausnahmsweise mal nicht über das politische Klima. Was will man an einem Tag wie diesem schon sagen, an dem mit der Vereidigung eines Präsidenten-Darstellers die Weltordnung den Bach runtergeht? Die Eiszeit beginnt. Ein guter Anlass, mal wieder über das Wetter in Kanada zu reden.
Kanada ist ein kaltes Land, das hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber wie kalt ist es eigentlich hier?
Schwer zu sagen, denn Kanada ist auch ein großes Land. Zwischen Vancouver an der Pazifikküste und Halifax am Atlantik liegen sechs Zeitzonen und 6200 Kilometer. Entsprechend weit auseinander liegen auch die unterschiedlichen Klimaregionen.
Ich kann mich an einen Winter erinnern, als ich Montreal bei einem halben Meter Neuschnee verlassen und ein paar Flugstunden später in Vancouver blühende Tulpenfelder angetroffen habe.
Besonders extrem waren die Jahreszeiten in Manitoba, wo ich insgesamt fünf Jahre gelebt habe. Die Sommer glühend heiß, mit Schwärmen von Stechmücken. Die Winter gnadenlos kalt.
Wenn selbst das Kühlwasser im Auto gefriert und das Öl so zäh ist, dass der Motor beim Startversuch nur noch „plopp“ macht, hilft nur noch Stehenlassen und den Weg zu Fuß fortsetzen. An einen Abschleppwagen ist an Tagen wie diesen nicht zu denken. Den haben zehntausend andere vor dir auch schon bestellt.
Mehr als einmal habe ich in Winnipeg erlebt, dass selbst der öffentliche Nahverkehr teilweise zum Erliegen kam, weil selbst Busse im Tiefschnee stecken blieben. Und natürlich mussten an Tagen wie diesen auch viele Taxis den Betrieb einstellen. Bei arktischen Temperaturen unter minus 40 Grad Celsius ist ein Weiterkommen selbst für die kälteerprobten Kanadier schwer.
Mein erstes eigenes Auto nach meiner Ankunft in Winnipeg im Dezember 1973 war ein lindgrüner Achtzyinder der Marke „Pontiac“. Ich hatte ihn einer alten Dame für 250 Dollar abgekauft. Er sah aus wie neu. Die Besitzerin hatte sich von dem Wagen getrennt, weil ihr Mann gerade gestorben war und sie selbst keinen Führerschein besaß.
Das Auto fuhr fantastisch, auch im Winter. Aber es gab keine Heizung. Die hatte beim Vorbesitzer irgendwann den Geist aufgegeben. Offenbar war der Mann nicht bereit gewesen, sie zu reparieren. Also blieb der Wagen den Winter über in der Garage, was auch den exzellenten Zustand des Autos erklärte.
Nur: Ich brauchte das Auto nicht nur im Sommer, sondern gerade im Winter. Für eine Reparatur fehlte mir so kurz nach meiner Ankunft in Kanada das Geld. Also bibberte ich mich, in Decken und Pelze eingewickelt, monatelang durch Manitoba.
Irgendwann hörte auch hier der Winter auf. Dann zog fast nahtlos der Sommer ins Land – und man hatte die Eiszeit schon schnell erfolgreich verdrängt.
Warum ich die Geschichte ausgerechnet heute erzähle? Weil ich mir eben den Wetterbericht von Manitoba aus dem Netz geholt habe, einfach so.
Und siehe da: Die in Kanada übliche „feels like“-Temperatur in Winnipeg beträgt heute bis zu minus 45 Grad Celsius. Das sind auf dem Thermometer zwar nur echte minus 34 Grad. Aber glauben Sie mir, das tut weh.
Einem ideologisch verpeilten Trump kommen die arktischen Temperaturen durchaus entgegen, denn er glaubt ja nicht an den Klimawandel. Von „global warming“ kann man bei den heutigen Temperaturen nun wirklich nicht reden.
Aber der Mann aus Florida fröstelt gerne. Vielleicht sollte er es sich doch nochmal überlegen, ob er sich Kanada einverleiben möchte. Damit es ihm nicht zu frisch wird, hat er die heutige Vereidigung noch schnell vom Außenbereich ins warme Kapitol verlegt.
Zieht euch warm an, Freunde! Nicht nur wegen der Temperaturen in Washington und Winnipeg.
Wettervorhersage für Winnipeg/Manitoba am Montag, 20. Januar 2025:
