
Es gibt Dinge im Leben, die muss man nicht haben. Montreals neuestes Einkaufszentrum gehört dazu. Als würden in der Stadt meines Herzens seit Covid nicht ohnehin schon genug Läden leerstehen, wurde jetzt das teuerste und größte Shopping-Center der Provinz Québec eröffnet. Die Bilanz nach einem Nachmittag im “Royalmount”: Luxuriös langweilig.
Wer gerne bei Gucci shoppt oder sein Geld lieber bei Versace oder Tiffany’s liegen lässt, wird hier glücklich. Wer allerdings ein Paar Jeans oder einen Duschvorhang sucht, sollte sich den Besuch der “Royalmount Mega Mall” sparen.
Dabei haben sich die Betreiber wirklich Mühe gegeben. Neben edlen Läden, Bars und Restaurants gibt es einen Allwetter-Park von der Größe eines Fußballfeldes – komplett mit Springbrunnen und Spielplatz.
Wer die 500 Meter lange Strecke von der Metrostation „De la Savane“ zurücklegen möchte, kann dies bequem in einem vollklimatisierten, überdachten Tunnel tun, der direkt ins Herz des Luxustempels führt.
Die Dimensionen sind beeindruckend: 170 Geschäfte, 60 Cafés und Restaurants, eine Eislaufbahn, fünf Kinosäle und eine riesige Spielhalle verschlangen mehr als 7 Milliarden Dollar.
Und trotzdem: So richtig scheint das Konzept nicht bei den Montrealern anzukommen. Mehrere Monate nach der Eröffnung herrschte an diesem Montagnachmittag in den edel gefliesten Hallen gähnende Leere.
Bisher ist nur knapp mehr als die Hälfte der Geschäfte geöffnet. Entsprechend trist wirkt ein Spaziergang durch die Mall. Selten haben mich mehr gelangweilte VerkäuferInen freundlicher angestrahlt, als heute Nachmittag beim Vorbeischlendern an den Boutiquen.
Das “Royalmount”-Projekt ist nicht unumstritten. Während Montreal seit Jahren mit einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum kämpft, entstehen rund um die Luxus-Mall nun auch noch hochpreisige Apartments und Hotels.
Passend dazu: Nur einen Steinwurf vom Einkaufszentrum entfernt befindet sich der größte Anbieter von Luxusautos in der Region. Rolls-Royce, Maserati und Bentley gibt es dort alles unter einem Dach.
Gekauft habe ich heute Nachmittag genau: nichts. Das heißt doch: Einen Cappuccino mit einer Apfeltasche. Schmeckte königlich und war preisgünstiger als im Café bei mir um die Ecke.














Entdecke mehr von BLOGHAUSGESCHICHTEN
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Viele Menschen sind begeistert von den Fünf Höfen. Mein Ding ist so was leider nicht, aber ich mag generell keine Einkaufszentren. ;-)
LikeGefällt 2 Personen
Wenn ich in München bin, dann gehe ich eigentlich ganz gern immer 1x durch die fünf Höfe!🙁🙂
LikeGefällt 2 Personen
Der Cappuccino sieht gut aus 😊 Ich frage mich seit Jahren wie sich die ganzen Malls in den USA und Kanada rechnen. Da ist es ja oft einfach nur leer.
In Deutschland sieht man das aber inzwischen auch immer mehr, vor allem nach Corona haben in den (zugegeben im Vergleich kleinen) Malls immer mehr Geschäfte geschlossen und dementsprechend kommen auch weniger Menschen.
LikeGefällt 1 Person
Hilfe! So ein Luxus- Einkaufszentrum gibt es hier in München auch. Nennt sich Fünf Höfe und zählt für mich zu den langweiligsten Orten der Stadt. – Immer höher, luxuriöser, exklusiver + das wird uns eines Tages aber so was von auf die Füße fallen…
LikeGefällt 1 Person