
“Du lässt echt gar nichts aus”, sagt die Frau an meiner Seite und sitzt geduldig neben mir, während eine Nurse mit dem schönen Namen Laura uns den Gebrauch der Insulinspritze erklärt. Die gehört von jetzt an zum Morgenritual.
Dabei hätte ich mir so sehr gewünscht, dass wenigstens dieser Kelch an mir vorübergeht. Aber der Zuckergott hat anders entschieden.
Dass ich Diabetiker sein würde, war keine Überraschung. Wer nur noch ein Viertel seiner Bauchspeicheldrüse und keine Milz mehr hat, muss seinen Glukosehaushalt irgendwie anders kompensieren. Die verbliebene Pankreas schafft das auf natürliche Weise jedenfalls nicht mehr.
Man will ja mitreden können. Also frage ich die Endokrinologin: “Habe ich nun Diabetes Typ 1, 2, A, B, C, X oder Y?” – “Weder noch”, sagt die Ärztin. Mediziner nennen die Art von Diabetes, die nach einer Pankreas-OP auftritt, “pankreoprive Diabetes” oder auch “sekundäre Diabetes nach Pankreatektomie”.
Dieser Zungenbrecher kann tödlich sein. Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt Blutgefäße und Nerven und kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung und schlecht heilenden Wunden führen. Oder, wie im Falle meines Vaters, zur Amputation.
Also wird von jetzt an gespritzt, was das Zeug hält. Das ist lästig, aber wenigstens nicht schmerzhaft. Wichtig ist, dass der Patient die Dosierung im Blick behält. Dabei hilft ihm der Sensor, den er am Arm trägt. Einfacher wird das Leben dadurch nicht.
Spritzen allein reicht allerdings nicht – und auch die zusätzliche Tabletteneinnahme gegen Diabetes ist nur dann wirksam, wenn der Patient selbst mithilft: durch zuckerarme Ernährung und Disziplin beim Trinken. Alkohol ist ohnehin tabu – und das schon seit mehr als einem Jahr.
Also heißt es von jetzt an Piks statt Pils. Man will ja noch ein bisschen leben dürfen.
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Alles Gute! Ich halte ganz fest die Daumen. 🤞🤞🤞
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Auch von mir alles Gute!
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Alles Gute!
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