Meine neuen Handball-Kumpels

„Sport ist Mord“, soll Winston Churchill gesagt haben. Ob das Zitat stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Ich finde Sport jedenfalls mordsmäßig gut. Besonders dann, wenn er in sitzender Position genossen werden kann, also vor dem Fernseher, um ein abgewandeltes Zitat meines Freundes Stefan zu verwenden.

Zurzeit gibt’s jede Menge Sport auf die Augen: Tennis, Ski, Handball. Ob Australian Open, Riesenslalom in Kitzbühel oder Europameisterschaft der Handballer – ich bin dabei: sitzend vor dem Fernseher, der bei mir auch gerne ein Laptop sein darf. Kabel-TV haben wir seit Jahren nicht mehr. Bei uns wird gestreamt. Mit oder ohne VPN, je nachdem, welcher Sender welchen Sport aus welchem Land anbietet.

Nicht immer war ich so sportbegeistert wie heute. Aber man wächst im Alter an seinen Aufgaben. Eine davon heißt: Unterhaltung um jeden Preis. Irgendwie muss die arbeitsfreie Rentnerzeit ja gefüllt werden.

Am meisten fasziniert mich Handball. Vielleicht liegt es daran, dass dort ziemlich alles erlaubt ist, was in anderen Ballsportarten verboten ist. Der Ball darf geworfen, gefangen, geprellt werden. Dem Gegner darf man sich sogar mit dem Oberkörper entgegenstellen – Freiheit ganz nach meinem Geschmack. Nur Ziehen, Stoßen, Umklammern und Angriffe von hinten sind verboten.

Wenn am Sonntag Deutschland gegen Dänemark im Endspiel steht, werde ich mit Andi Wolff, Juri Knorr und Julian Köster fiebern, als wären sie meine besten Buddies. Sind ja auch irgendwie Leute wie du und ich. Nur flinker, geschickter und manche von ihnen sogar noch größer als ich. Allesamt Jungs, mit denen man gerne einen trinken gehen möchte und bei jedem Bier „Adler, flieg!“ ruft.

Beim Tennis haben sie keinen Schlachtruf. Da wird höchstens gestöhnt und geächzt und hinterher mit Millionen um sich geworfen. Als sich Djokovic nach dem Sieg gegen Jannik Sinner übers Stadion-Mikrofon beschwerte, dass er fürs Erreichen des Halbfinales nicht an den Ticketpreisen beteiligt wird, war mein erster Gedanke: Recht hat er, der Novak! Schließlich kriegen die Leute in den Rängen ja dank seines Talents auch richtig was geboten.

Als der Reporter in mir dann nach Preisgeldern recherchierte, war’s vorbei mit der Solidarität. 190 Millionen Dollar hat der Serbe bislang schon kassiert. Fürs Halbfinale gestern gab’s noch einmal 1,25 Millionen obendrauf.

Dann schon lieber Handball mit Andi, Juri und Julian. Die wohnen in Magdeburg und Mannheim und nicht in Monaco. Die spielen zwar auch nicht um Gottes Lohn. Aber dass sie sich über zu wenig Kohle beklagt hätten, wäre mir neu. Bei der Qualität der Pommes im Mannschafts-Hotel sei allerdings noch Luft nach oben, sagte einer der Jungs im Interview und zwinkerte dabei in die Kamera.

Gefällt mir. Adler, flieg!


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2 Gedanken zu „Meine neuen Handball-Kumpels

  1. Sehr charmante Einstellung zum Sport … schätze, dass wir beide in einer guten Stunde Handball schauen, Du in Montreal, ich vor den Toren Münchens. Ich werde umgeben sein von vielen Verwandten, die fast alle selbst Handball spielten, in verschiedenen Ligen. Bessere Fans und Kommentatoren gibt es kaum ;-)

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  2. Thanks for an interesting post – at least to me. I played handball with friends in college and again while stationed in Georgia in the Army. It’s so many years ago – more than 60 for those college games – that I had almost forgotten it until today.

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