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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Der Herr der tausend Blumen

Paul Mérineau: Ein Leben für die Blumen.

Irgendwo zwischen St-Bernard-de-Lacolle und dem Dorf Hemmingford – dort, wo sich möglicherweise wirklich Fuchs und Hase gute Nacht sagen – versteckt sich in einer Waldlichtung ein schlichtes weißes Holzhaus. Davor breitet sich eine Blumenwiese aus, so prall und leuchtend, dass sie manchen Autofahrer kurz innehalten lässt. Oder, wie in meinem Fall, den eBiker.

Lore und Cassian kannten ihn schon von einer früheren Begegnung. Heute habe auch ich den Mann kennengelernt, der diese Wiese seit vielen Jahren hegt und pflegt und Menschen dazu bringt, kurz aus ihrem Alltag auszusteigen.

Der Hüter der tausend Blumen heißt Paul Mérineau. Er ist 75 Jahre alt, trägt einen langen weißen Bart, graues Haar und ein kariertes Hemd. Er hat eine sanfte Stimme, hinter seiner runden Brille liegen freundliche, wache Augen.

Man könnte sich Paul auch in einer Hütte in den Bergen vorstellen, wie er am Kamin sitzt, Geschichten erzählt oder seinem Enkelkind das Schnitzen beibringt. Aber er steht da, wo er am liebsten steht: Vor seiner Blumenwiese neben seinem weissen Holzhaus.

Der Blogger und der Blumenfreund: Paul Mérineau.

Geschichten erzählt Paul tatsächlich – aber am liebsten spricht er über seine Blumen. Sie sind sein Schatz, sein Werk, seine Freude.

Ich kam heute zufällig an seinem Haus vorbei, hielt an, um mir die Blumenpracht aus der Nähe anzusehen. Und wie das so ist, wenn sich zwei Menschen sympathisch sind, kamen wir ins Plappern.

Paul ist Frankokanadier und gelernter Landwirt, hat aber einen Großteil seines Berufslebens als Direktor eines Bestattungsinstituts in Montréal verbracht – übrigens nur rund 200 Meter von unserer Stadtwohnung entfernt.

Es gibt noch mehr Parallelen: Pauls erste Frau stammt aus Hudson, jenem Ort, in dem auch wir 25 Jahre gelebt haben. Seine heutige Partnerin kommt aus der Bronx in New York City – ihretwegen ist Paul von Montreal aufs Land gezogen. Die US-Grenze verläuft nur ein paar Kilometer südlich seines Hauses. Für sie fühle sich das hier fast wie Heimat an, sagt Paul.

Eine Zeitlang lebte Paul auf dem Mohawk-Territorium Kanesatake, das 1990 durch den sogenannten Oka-Konflikt internationale Aufmerksamkeit bekam. Damals protestierten Mitglieder der Mohawk-Community gegen die Erweiterung eines Golfplatzes auf ihrem angestammten Land. Paul, selbst kein Ureinwohner, fand sich plötzlich mitten in den Verhandlungen zwischen der Polizei, den Mohawk und schließlich dem kanadischen Militär wieder.

So tragisch dieses Ereignis war, wir streiften das Thema an diesem herrlichen Sommertag nur am Rand. Stattdessen sprachen wir über Kanada, Amerika, Trump, Familie, Kinder, Ahnenforschung – und, natürlich, über Autos.

Doch vor allem ging es heute um Blumen. Schöner könnte eine erste Begegnung kaum sein.

Die obigen Fotos stammen von heute.
Die unteren drei Fotos zeigen Pauls Wiese im Juni. Die Fotos stammen von seiner Facebook-Seite.

Urlaub daheim: Nachhaltig schön

Urlaub daheim kann ja so schön sein. Du packst ein Sandwich ein, füllst deine Thermostasse mit Kaffee, schwingst dich aufs Fahrrad und lässt dir den Wind bei 30 Grad ins Gesicht blasen. Du frühstückst im Park, entdeckst eine alte Lagerhalle in der Altstadt, die dich an deinen letzten Besuch in Kuba erinnert, und beobachtest Menschen, die es eiliger haben als du. Am Abend sitzt du auf der kleinen Plaza bei der Markthalle, dort, wo im Sommer eine schwimmende Bar festgemacht hat, und freust dich, dass du in einer Stadt wohnst, in der du in wenigen Stunden Dinge erleben kannst, für die andere um die halbe Welt reisen. Die schönsten Fundstücke meiner kleinen Auszeit finden Sie hier:

Sieben Tage Sommer in Montréal

Bei strahlend blauem Himmel, wenn also die Sonne lacht, ist es kein Hexenwerk, die Stadt meines Herzens im besten Licht erstrahlen zu lassen. Auch diese Woche sind wieder einige Fotos entstanden, die ich für Sie eingefangen habe: Auf dem Plateau Montréal, einem pulsierenden Viertel im Herzen der Stadt. In St. Henri, wo wir nun schon seit 15 Jahren zu Hause sind. Und natürlich durfte auch Le Vieux Port in der Altstadt nicht fehlen – dorthin hat es mich erst heute früh wieder gezogen. Klicken Sie sich durch und genießen Sie mit mir ein Stück Sommer in Montréal.

Der Brunnen, der dich findet

„Cours Charlevoix“ in St. Henri: Plätschern wie in Palma.
Plaça de la Reina“ in Palma: Zischen wie in Montreal.

Manche Dinge muss man nicht suchen. Sie finden dich. Der Brunnen an der Plaça de la Reina in Palma de Mallorca zum Beispiel. Fünf Winter lang war er unser vertrauter Begleiter vor der Ferienwohnung.

Er sprudelte uns in den Schlaf und weckte uns zischend am Morgen. Er übertönte Buslärm, Touristengekreische und Autohupen. Dieser Brunnen im Kreisverkehr wurde zu unserem Schalldämpfer, Wasserspender, Freund.

Auch hier in Montreal können wir uns glücklich schätzen, so einen Freund zu haben. Er st ziemlich genau so groß wie unser spanischer Freund, trägt aber keinen klangvollen Namen wie „Font de la Plaça de la Reina“ und ist nicht mit 1400 bunten Kacheln geschmückt, die nachts angestrahlt werden. Er heißt einfach „The Fountain“ oder auch „La Fontaine“.

Unser Springbrunnen liegt auch nicht in einem Kreisverkehr, sondern mitten in der kleinen Grünanlage, die zu unserer Wohnanlage „Cours Charlevoix“ gehört und tut, was so ein Brunnen eben tut. Auch er zischt uns in den Schlaf und schickt morgens eine Fontäne in den Montrealer Himmel, um freundlich nicht HOLA zu sagen, sondern HELLO oder BONJOUR. 

Wenn es heiß ist, benetzt er die Luft in seinem Dunstkreis und sorgt so für eine willkommene Abkühlung. Wenn es dunkel wird, leuchtet seine Fontäne hellweiß in den Nachthimmel. Hin und wieder bespritzen sich Kinder und lachen dabei laut und fröhlich.

Wenn sich Blätter und Stadtschmutz im Wasser sammeln, wird er von fleißigen Händen gereinigt. Manchmal baden Spatzen darin, gelegentlich verirrt sich sogar eine Möwe vom nahen Sankt-Lorenz-Strom.

Und wenn man ganz still ist, kann man hören, wie er einem leise zuflüstert: Es muss nicht immer Palma sein. Montreal ist auch schön. Hier bist du zu Hause.

„Cours Charlevoix“ bei Nacht: Ein bisschen Palma – ohne Touristen.
Plaça de la Reina bei Nacht: Plätschern bis der Morgen kommt. Fotos Bopp

Kunterbunt ins Wochenende

Neues aus dem digitalen Gemischtwarenladen: Ein Rundgang durch den Garten – mit Nestbau, blühenden Blumen und bedrohlichen Wolken. Ein Besuch bei Freunden in Sherbrooke, mit Tapas und tollen Gesprächen. Stillleben mit eBike und Landmaschine. Selbst Fahrradpolizisten machen bei der Bullenhitze Pause. Und zum Schluss noch eine Reiseempfehlung für unsere ehemals geliebten USA.