Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com
Es ist wieder Sommer in Montreal. Zeit für einen Spaziergang. Zum ersten Mal seit eineinhalb Monaten konnte ich der Stadt meines Herzens wieder einen Besuch abstatten: Flanieren über die Rue St-Denis, people-watching in der Avenue-Mont-Royal, pausieren im Carré St-Louis. Hach! Und dann dieses Wetter! Um die Fotos zu vergrößern, einfach auf die Vorschaubilder klicken.
Caterina Valente ist tot. Wieder eine Legende weniger. Die Unterhaltungskünstlerin ist in ihrem Haus am Luganer See im Alter von 93 Jahren verstorben. Meine Begegnung mit einer ungewöhnlichen Frau.
Es muss 1968 gewesen sein, ich war Lokalredakteur bei der Waiblinger Kreiszeitung. Mein damaliger Chefredakteur Richard Retter schaffte es immer wieder, uns Nachwuchs-Journalisten mit besonders angenehmen Terminen zu motivieren. Richard wusste: Wer immer nur über Kreistags-, Gemeinderats- und Feuerwehrhauptversammlungen berichtet, braucht gelegentlich ein Bonbon, um wieder Spaß an seinem Job zu haben.
Mal war es eine Pressereise nach Tunesien, um dort Hotels zu testen, die gerade aus dem Boden gestampft wurden, mal eine Porsche-Testfahrt vor den Toren Stuttgarts. Besonders beliebt waren Promi–Interviews.
Ein Tag im Herbst brachte so einen Spaß-Termin. Caterina Valente war, aus welchem Grund weiß ich nicht mehr, in Stuttgart gewesen und von dort auf dem Weg nach Rom. Die Plattenfirma hatte für mich ein Interview in der Lounge des Stuttgarter Flughafens Echterdingen organisiert. Doch es kam mal wieder anders als geplant.
Strömender Regen setzte ein, Signora Valente wollte gleich in den Flieger statt vorher noch in die Lounge. Dort erwartete sie den Reporter im Erste-Klasse-Abteil zum Interview.
Nur: Wie sollte ich vom Flughafen-Terminal aus ins Flugzeug kommen? „Laufetse oifach do rieber und ganget dann die Trepp‘ hoch“. So oder so ähnlich muss die Anweisung des Flughafen-Bediensteten geklungen haben: Einfach über den Tarmac laufen und dann die Treppe in den Flieger hoch.
Ich war patschnass, daran kann ich mich noch erinnern, als ich Caterina Valente sah. Die Erste Klasse war fast leer, Caterina Valente saß allein in einer Zweierreihe. Hinter ihr saß eine Begleitperson. Ich vermute, es war ihr Manager.
Es wurde ein erfrischendes, freundliches, aber eigentlich belangloses Gespräch mit dieser ungewöhnlichen Frau, die damals ein Superstar war.
Sie sprach Deutsch und Englisch, warf gelegentlich Brocken auf Spanisch und Französisch ein – das alles im Erste-Klasse-Abteil eines Flugzeugs. Ich war bis dahin noch nie geflogen, hatte noch nie einen Flieger von innen gesehen. Für einen Moment durfte sich der Lokalreporter der Waiblinger Kreiszeitung der großen, weiten Welt der Reichen und Berühmten zugehörig fühlen.
Ich glaube nicht, dass mein Interview mit Caterina Valente einen hohen journalistischen Mehrwert hatte. Dafür war ich viel zu geblendet von der Prominenz dieser Frau – „starstruck“ würde man heute sagen.
So ganz ungewöhnlich war es damals übrigens nicht, Prominente in Fliegern, Autos und Zügen zu interviewen. Die Entourage von Willy Brandt bat mich einmal, den Herrn Bundeskanzler doch bitte im Speisewagen seines Sonderzuges zu interviewen und nicht im Hotel, wie ursprünglich vereinbart.
Mit dem damaligen Bundesverteidigungsminister Georg Leber bin ich zu Beginn meiner Kanadazeit in einer Bundeswehrmaschine von Winnipeg zum Truppenübungsplatz Camp Shilo (Manitoba) geflogen. Das Interview fand bei Kaffee und Mettwurstbrötchen am Frühstückstisch statt.
Boris Becker musste sich auf Geheiß seines Managers Ion Tiriac widerwillig im Font einer Limousine auf dem mitternächtlichen Weg vom Tennisplatz ins Hotel von mir interviewen lassen. Ein Interview mit Formel-Ens-Legende Michael Schumacher fand im Wohnmobil statt.
Sicherheitsfragen waren damals eher zweitrangig. Dafür gab es den berühmten Kontakt auf Augenhöhe, den Journalisten so schätzen und heute manchmal vermissen.
Jedes Mal am 11. September bekomme ich Gänsehaut. Das geht jetzt schon seit 23 Jahren so. Ich erinnere mich dann, wie ich mit der Bahn von Montreal nach New York City fuhr, um fast zwei Wochen über eine verwundete Stadt zu berichten. Aus gegebenem Anlass finden Sie heute noch einmal die gesammelten Reportagen, die ich damals für WDR.de geschrieben habe.
„SWF3 – Das Phänomen“ hatte ich ja bereits vor einigen Tagen vorgestellt. Dass der Journalist Gregor Glöckner jetzt auch mich in seiner Podcast-Serie zu Wort kommen lässt, ehrt mich. Zusammen mit Radiogrößen wie Peter Stockinger, Anke Engelke, Elke Heidenreich und Frank Plasberg interviewt zu werden, macht mich stolz und dankbar, diese Zeit erlebt haben zu dürfen.
Ein Vierteljahrhundert als Kanada-Korrespondent in einen 44-minütigen Podcast zu packen, ist eine Herausforderung der besonderen Art – für den Interviewer, aber auch für den Interviewten.
Was hätte ich noch alles erzählen können! Wen hätte ich alles noch erwähnen müssen!
Und dann diese Versprecher, Verhaspler und Zahlendreher (Mauerbau 1989 – echt jetzt?) Aber es ist wie es ist. Ein spannendes Stück Radio ist trotzdem daraus geworden – auch dank der einfühlsamen Moderation durch Gregor Glöckner, dem es mit „SWF3 – Das Phänomen“ gelungen ist, ein Dokument der Zeitgeschichte zu schaffen.
2001: Als Korrespondent bei 9/11 in New York – nicht für SWF3, sondern für WDR.de. Es war Stefan Molls Idee, einen eigenen Online-Reporter ins Katastrophengebiet zu entsenden. Eine der vielen Reportagen aus New York führte mich zu David Letterman. Er ging als erster nach den Anschlägen wieder auf Sendung.Für die Berichterstattung über 9/11 gab es den New Media Award. Mit dem Preisgeld konnte 2002 ein Praktikum bei CNN.com in Atlanta/USA finanziert werden – damals die größte Online-Redaktion der Welt.Heimstudio in Hudson, ca. 2005Heimstudio in Montreal: Wenig Technik, viel Spaß.Mit Frank Plasberg auf MallorcaLeutkirch, Talk im Bock. mit dem früheren SWF3-Moderator und verstorbenen Freund Bernd Dassel.
2.9 Kilometer – so viel bin ich heute gelaufen. Eigentlich kaum der Rede wert für jemanden, der noch als Siebzigjähriger in 41 Tagen fast 900 Kilometer den Jakobsweg gewandert ist. Aber früher war früher und jetzt ist jetzt. Jetzt, das sind gerade mal 5 Wochen nach einer schweren OP, die mir viel Kraft geraubt, aber auch viel Hoffnung gegeben hat. 2.9 Kilometer sind ein Rekord für mich.
Genau genommen führte mich mein kleiner Camino vorhin gerade mal von einer Brücke zur nächsten: Von der Fußgängerbrücke, die von uns aus zum „Atwater Market“ geht, bis zur „Pont des Seigneurs“ am Lachine Kanal entlang, immer Richtung Stadtmitte.
Es war ein heißer Spätsommertag – eigentlich zu heiß für so einen Gewaltmarsch. Aber wie meistens im Leben: Et hätt noch immer jot jejange, wie meine links-, rechts- und mittelrheinischen Freunde sagen würden.
Noch sind die OP-Wunden nicht ganz verheilt und auch die Energie ist erst bei gefühlten 70 Prozent. Aber was will man mehr, knapp fünf Wochen, nachdem sie dir die Milz ganz und die Bauchspeicheldrüse zu zwei Dritteln entfernt haben?
Eine Riesenhilfe bei dem heutigen Marathon war mir mein neuer Rollator. Stöcke waren gestern, sie haben mir jahrelang gute Dienste erwiesen. Aber bei fortschreitender Polyneuropathie haben sie irgendwann ausgedient.