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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Kunst am Bauernhaus

Manche Bauherren feiern Richtfest. Cassian feierte auf seiner Farm jetzt „Barn Quilt Lifting“. „Barn Quilts“ sind dekorative Holztafeln, die mit Motiven von traditionellen Stoffdecken bemalt sind. Diese Tafeln werden in Teilen Kanadas und der USA meist an Holzscheunen angebracht.

Cassians „Barn Quilt“ war eine Koproduktion von Mutter und Sohn. Mutter malt, der Sohn werkelt. Und Vater darf über dieses Familien-Gesamtkunstwerk sogar noch eine Bloghausgeschichte schreiben.

Die bunten geometrischen Designs auf den Quadratmeter-großen Tafeln erinnern an traditionelle Quilt-Muster, wie sie von Amish People vorwiegend in Pennsylvanien, Ohio und Ontario für Decken und Wandbehänge handgefertigt werden.

Barn Quilts haben nicht nur ästhetische, sondern auch kulturelle und spirituelle Bedeutung. Je nach Muster – spitz, rund, quadratisch, länglich oder sogar dreidimensional – liefern die Landwirte den Quilt-Designern bereits bei der Bestellung des Kunstwerks bestimmte Vorgaben: Glück, Fruchtbarkeit, Reichtum, Schutz vor Feuer, Diebstahl, Sturm und Wind.

Die Arbeitsteilung war klar: Cassian hatte sich das Design gewünscht, Lore sollte es auf einen Quadratmeter Holz übertragen. So ist ein Kunstwerk entstanden, das all die oben angeführten Tugenden symbolisieren und den Menschen Glück bringen soll, die in Cassians mehr als 200 Jahre alten Hof aus- und eingehen.

Seit gestern hängt der Quilt zwar nicht an der Scheune, sondern aus architektonisch-ästhetischen Gründen über den hölzernen Garagentoren und strahlt Besuchern schon von weitem entgegen.

Die Bewegung der Barn Quilts begann schon zu Zeiten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zwischen 1775 und 1783. Damals wurden die Kunstwerke aufgehängt, um Soldaten zu signalisieren: Hier gibt’s zu essen und zu trinken und wenn nötig auch ein friedliches Nachtlager.

Nach dem „Revolutionary War“ gerieten die bemalten Holztafeln lange Zeit in Vergessenheit. Vereinzelt sah man die Schilder zwar auch in den darauffolgenden Jahrhunderten noch hier und dort. Richtig populär sind sie aber erst wieder in den letzten 25 Jahren geworden, als auch Nicht-Bauern die Schönheit der Kunst-Quadrate zu schätzen wussten und an ihren Häusern befestigten. Cassian fand eines davon in einer Farm in Vermont – und war fasziniert.

So populär sind die Scheunentafeln im Laufe der letzten Jahre geworden, dass in manchen Teilen der USA „Barn Quilt Trails“ ins Leben gerufen wurden. Das sind von Liebhabern organisierte „Kunstpfade“, bei denen Gleichgesinnte die unterschiedlichen Quilts bestaunen können.

Der Gedanke daran, dass Busladungen von Menschen demnächst auf seinem Gehöft einfallen könnten, bereitet unserem Sohn im Moment noch kein Unbehagen.

Richtfest mit Mutter und Sohn.
„Barn Quilts“ aus der Google-Suche: Farbige Symbolik mit spirituellem Hintergrund.

Mein Freund Josef, der Buchautor

Josef Schunder bei seinem Besuch im Mai auf dem Mont Royal.

Über Bücher von Freunden zu schreiben, ist eine heikle Sache. Gibt es zu viel des Lobes, wirkt so eine Rezension schnell unglaubwürdig. Kritisiert man das Werk des Kumpels zu sehr, könnte man dem Autor womöglich schaden. Versuchen wir’s also mit der guten, alten Mitte.

Josef und ich kennen uns seit mehr als 45 Jahren. In der Redaktion Ulm der „Schwäbischen Zeitung“ hatten wir uns damals als Kollegen schätzen gelernt.

Als uns Josef im Mai überraschend in Montreal besuchte und wir über meinen neuen Roman sprachen, erwähnte er eher beiläufig, dass auch er ein Buch geschrieben habe. Gelesen habe ich dieses Buch erst jetzt.

Das Buch „Rommel – ein gelernter Demokrat“ über den langjährigen Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel ist weit mehr als eine Biografie über den Sohn des legendären „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel. Es ist ein Dokument der Zeitgeschichte, auch ein Erklärstueck über die „Rote Armee Fraktion“, die vor allem in Süddeutschland ihre blutigen Spuren hinterlassen hat.

Die Rommel-Biografie: Erhältlich als Printausgabe und eBook-Version

Ich gestehe: Das Buch über Manfred Rommel, das jetzt in der 2. aktualisierten Auflage erschienen ist, habe ich zunächst eher zögernd in die Hand genommen. Als jemand, der seit 40 Jahren im Ausland lebt, war es nicht meine erste Wahl, mehr als 300 Seiten über einen Oberbürgermeister zu lesen, den ich persönlich nicht kannte und der in einer Stadt wirkte, in der ich nie gelebt habe.

Auch als Sohn des berühmten „Wüstenfuchses“ interessierte mich Manfred Rommel nicht sonderlich. Aber wenn der Autor ein langjähriger Freund und Kollege ist, drückt man schon mal ein Auge zu und liest Dinge, die nicht an oberster Stelle der To-Do-Liste stehen.

Und jetzt? Bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben. Autorität und Tiefe, mit der Josef Schunder das Leben von Manfred Rommel erkundet, sind beeindruckend.

Die Seiten sind vollgepackt mit fesselnden Facetten von Manfred Rommels Leben, sowohl als Sohn eines bedeutenden Militärführers als auch als eigenständige Persönlichkeit. Die Erzählung ist flüssig geschrieben und gespickt mit zahlreichen Schmankerln, was es dem Leser leicht macht, sich quasi spielerisch mit Geschichte und Geschichten zu befassen.

So viel Lokalkolorit bietet dieses Buch, dass man beim Lesen auch als NIcht-Stuttgarter am liebsten am Kachelofen sitzen und der guten, alten Zeit nachhängen möchte. Dass diese Zeit zwar alt, aber nicht immer gut gewesen ist, lässt Schunder in seinem Text genau so wenig aus dem Visier wie die Tatsache, dass ein Buch, in dem der „Wüstenfuchs“ eine große Rolle spielt, immer mit einem „Gschmäckle“ behaftet ist.

Dass es Josef Schunder gelungen ist, diesem „Gschmäckle“ den Stachel zu nehmen und gleich gar nicht den Verdacht aufkommen lässt, dass er sich ideologisch gleich macht mit dem oft zu glorifizierend dargestellten Generalfeldmarschall Erwin Rommel, ist ein weiterer Grund, warum ich dieses Buch wärmstens empfehle.

Als eBook ist die 2. aktualisierte Auflage bereits erhältlich. Die Druckausgabe wird voraussichtlich zu Weihnachten auf dem Markt sein.

Eine Liebeserklärung

Der Hafen von Portocolom an der Ostküste Mallorcas
Quellen: Mallorca Magazin und Mallorca Zeitung

Mallorca brummt. Direktflüge, nicht nur aus fast allen europäischen Ländern sondern neuerdings auch aus den USA, lassen die Insel überschwappen. Auch Gespräche mit chinesischen Airlines hat es wohl schon gegeben. Steigende Preise scheinen der Lieblingsinsel der Deutschen nichts anzutun. Die Massen kommen wie nie zuvor.

Längst haben auch internationale Superstars die Schönheit Mallorcas erkannt. Wer etwas auf sich hält, kauft sich dort eine Immobilie oder lässt sich zumindest zeitweise dort nieder. Michael Douglas besitzt schon seit Jahren eine Finca in der Nähe von Deia. Boris Becker musste seine wieder verkaufen. Aber es kommen neue Promis.

Die Pop-Päpstin Taylor Swift soll sich auf Mallorca nach einem Häuschen mit Vorgarten umgesehen haben. Sie hat die Wahl. Die zurzeit wohl größte Showgröße der Welt ist frischgebackene Milliardärin.

Nachdem Amber Heard einen Prozess gegen Johny Depp verloren hatte, flüchtete sie mit ihrer kleinen Tochter nach Mallorca. Auch Oliver Kahn lässt sich nach seinem Rauswurf beim FC Bayern im Südwesten der Insel gerade eine Villa bauen.

Irgendwas muss es haben, dieses Mittelmeer-Inselchen, das Massen und Stars gleichermaßen anzieht.

Neulich fragte ein Redakteur des „Mallorca Magazin“ bei mir an, ob ich eine Gastkolumne für sein bei Residenten und Touristen gleichermaßen beliebtes Blatt schreiben könne. Es wurde eine Liebeserklärung daraus. Hier ist sie:

>> Hier << geht’s zu den gebündelten Blogposts, die ich im Laufe der Jahre über Mallorca geschrieben habe

Sieben Tage in einem Blog #12

Was sich die Woche über so alles an Fotos in meinem iPhone ansammelt, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. In unregelmäßigen Abständen stelle ich deshalb völlig unsortiert Texte und Bilder ein. Hier sind einige davon.

Der St-Lorenz-Strom bei LaSalle. Aufgenommen am vorigen Montag.
Sieben Grad Celsius? Die Surfer im St.-Lorenz-Strom scheint es nicht zu stören.
Ein Tag nach Halloween ist dieses Foto entstanden. Wo? Am Blvd. St. Laurent natürlich.
Unbeschrankter Bahnübergang mitten in der Touristenmeile am Alten Hafen.
Letzte Herbststrahlen am Alten Hafen.
Hä??? Gesehen auf der Rue Notre-Dame im Stadtteil St. Henri.
Es weihnachtet sehr an der Christ Church Cathedral.
Hoch, höher am höchsten: Downtown Montreal am vorigen Mittwoch.
Mitten in der Stadt: Christ Church Cathedral, eine anglikanische Kirche.
Frisch? Schon. aber noch kein Schnee weit und breit.
Der erste Schnee des Winters fällt am 9. November 2023. Es warten harte Zeiten auf den eBiker.
Die „Harry deWolf“ im Hafen von Montreal. Wer mehr über dieses Marineschiff wissen möchte: https://www.seaforces.org/marint/Canadian-Navy/Patrol-Vessel/AOPV-430-HMCS-Harry-DeWolf.htm
Café Mollo im Stadtteil Verdun: Laut „La Presse“ (bestätigt von Dr. Marc!) gibt es hier die besten Croissants in Montreal. Großer Vorteil: Mein „Baby“ habe ich immer im Auge.
Street Art im Stadtteil Pointe St. Charles.
Die besten Rouladen gibt’s immer noch bei Lore. (Sorry, Gudrun)
Bring them home!“, skandierten diese Mütter bei ihrem Protestmarsch durch die Montrealer Innenstadt. Gemeint waren natürlich die Geiseln der Hamas.

Nichts hören, nichts sehen …

Am liebsten den Kopf in den Sand stecken. Nichts hören, nichts sehen, nichts spüren. Geht es Ihnen auch manchmal so angesichts der aktuellen Nachrichtenlage? Ukraine. Israel, Hamas, Trump, AfD. Doch vor dem Leid davonzulaufen kann es auf Dauer auch nicht sein.

Als Reporter war ich ein Leben lang der „Blaulichtjäger“, der jedem Krankenwagen, jedem Polizeifahrzeug und jedem Feuerwehrauto hinterhergerannt ist. Der erst dann das Licht ausmachte, wenn auch die letzten, wirklich die allerletzten Spätnachrichten gelaufen waren.

Heute gehöre ich zu den Blaulichtjägern im Ruhestand und würde am liebsten die Augen verschließen vor dem Leid da draußen, das uns täglich in mund- und augengerechten Häppchen serviert wird.

Aber sich ganz von den Nachrichten abzuwenden, bedeutet ja auch, sich von den Geschichten hinter den Menschen zu distanzieren – von individuellen Schicksalen, heldenhaften Taten und inspirierenden Überlebensgeschichten.

Wie schön wäre es, einen Weg zu finden, sich zu informieren, ohne die emotionale Gesundheit zu vernachlässigen! Und dabei gleichzeitig Mitgefühl für die Menschen in schwierigen Situationen zu bewahren.

Ich glaube, ich habe diese Mitte gefunden. Es hat lange gedauert, bis es mir als Newsjunkie gelungen ist, Nachrichten nur noch in homöopathischen Dosen zu konsumieren.

Um nicht wieder dem Quickie-Journalismus zu verfallen, bin ich so gut wie nicht mehr in den sozialen Medien unterwegs. Das ist schon mal ein guter Anfang. Segmentiertes Lesen, Sehen und Hören hilft.

Früher habe ich Nachrichten gebinged wie Netflix-Serien. Inzwischen konzentriere ich mich auf zwei, drei seriöse Anbieter von hochwertigen journalistischen Inhalten. Dabei geht es mir gut, und meine Umwelt scheint mich auch nicht als den Deppen aus dem kanadischen Busch wahrzunehmen, der sich dem großen Ganzen da draußen total verschließt.

Einfach mal ausprobieren. Sie werden’s überleben.