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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Sieben Tage in einem Blog #3

Was sich die Woche über so alles an Videos und Fotos in meinem iPhone ansammelt, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. In unregelmäßigen Abständen werde ich deshalb völlig unsortiert Texte und Bilder einstellen. Bei meinen täglichen Touren mit dem eBike begegne ich Menschen und Tieren, aber auch Geschichten. Hier sind einige davon:

Jacques-Cartier-Brücke. Seltene Perspektive, weil vom Osten der Stadt kommend.
Oratoire St. Joseph. An der Pilgerstätte wird zurzeit heftig gebaut.
Street Art mit Leonard Cohen. Gesehen an der Rue Napoléon.
Olympiastadion im Osten von Montreal.
Jean-Talon-Markt – einer der schönsten der Stadt.
Erdbeer-Saison in der Markthalle.
Montreal von der Fähre nach Pointe-aux-Trembles aus gesehen.
Beaver Lake Park auf dem Mount Royal.
„Dieses Foto müsste man rahmen“, sagte Lore beim Anblick dieses Bildes, das mein Freund Chris in Varennes gemacht hat. 20 Meter vom Bänkchen zum Abfalleimer ganz ohne Stöcke – eine inzwischen seltene Leistung.
Ausflugsschiff auf dem St-Lorenz-Strom. Fotografiert von der 104 Meter hohen Jacques-Cartier-Brücke.
Frachter im Hafen, weit im Osten von Montreal.
Alt-Quebecer Baustil im Stadtteil Lachine.
Kommentar? Kein Kommentar!
Die 1,4 Km lange Mercier-Brücke führt von Lasalle unter anderem in das Indigenen-Reservat der Mohawk.
Jacques-Cartier-Brücke.
Malzfabrik „Canada Maltage“
Blick in die Innenstadt von Griffintown aus.
Mit der Fähre ging es wieder einmal nach Pointe-aux-Trembles und weiter nach Varennes.
Wartende Motorboote an der Schleuse „St. Gabriel“
Das angeblich beste Baguette gibt es im fernen Osten von Montreal in einer Bäckerei ohne Firmenschild.
Zum Fahrradhändler nach Laval ging es zunächst 20 Stationen mit der Metro, anschließend noch 14 Kilometer mit dem eBike zur Werkstatt.
TamTam: Sonntäglicher Hippie-Treff am Fusse des Mount Royal
Seiltänzer im Parc Jeanne Mance.
Keine Woche ohne Surfer: Diesmal auf dem St. Lorenz-Strom bei LaSalle.

Merci, Valérie!

Ich liebe unsere Oberbürgermeisterin. Sie heißt Valérie Plante und macht mir jeden Tag das Leben ein kleines bisschen leichter. Madame Plante (49) leitet seit 2017 die Geschicke von Montreal und hat sich vor allem durch eines einen Namen gemacht: Sie hat ein Herz für Radfahrer. Und für Rentner.

Wer über 65 ist und in Montreal die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, zahlt keinen Cent. 70 Kilometer kreuz und quer durch die Vier-Millionen-Stadt? Kein Problem. Die Montrealer Metro ist zuverlässig, sicher und sauber. In den meisten der 68 U-Bahnhöfen führen Aufzüge vom Straßenniveau direkt zu den Bahnsteigen.

Das ist nicht nur behindertengerecht, sondern auch ein toller Service für uns Radfahrer. Und erst recht für gehbehinderte Radler wie mich.

Der erste Waggon ist stets für Rollstuhlfahrer und Radler ausgelegt. Gibt’s dort keinen Platz mehr, dürfen auch die restlichen Waggons benutzt werden. Fahrradhalter sind dafür verantwortlich, dass die Räder nicht rutschen – bei einem schweren eBike kann das eine sportliche Herausforderung werden.

Aber man hilft sich gegenseitig und schnappt sich schon mal die Lenkstange des Nachbarn, wenn das Rad zu kippen droht.

Valérie Plante hat uns nicht nur die kostenlose Rad-Bus-U-Bahn-Kombi beschert, sondern auch eines der bestausgebauten Radfahrnetze des Kontinents. Kein Stadtteil, der nicht erschlossen wäre, kaum eine Nebenstraße, die nicht über einen Fahrradweg verfügt. Selbst in Industriegebieten gibt es noch geteerte Fahrradwege.

STARKE FRAU: Oberbürgermeisterin Valérie Plante

Fast 3500 Kilometer Radwege stehen uns im Großraum Montreal zur Verfügung, 700 davon das ganze Jahr über. Die „bike paths“ im Winter eis- und schneefrei zu halten, ist eine logistische Meisterleistung. Tausende der Radfahrer, die auch bei minus 25 Grad noch in die Pedale treten, danken es der Stadt.

Fast 10000 Fahrräder, darunter 2400 eBikes, warten an 800 Verleih-Stationen auf Nutzer. Das Montrealer „BIXI“-System gilt von der Auslastung her als eines der erfolgreichsten der Welt.

Nicht jeder ist glücklich mit der Fahrrad-Politik von Valérie Plante. Viele Autofahrer stöhnen, weil der ständig wachsende Ausbau der Radwege oft auf Kosten von Parkplätzen geht. Aber Madame Plante und ihre Partei „Projet Montréal“ machen unbeirrt weiter.

Dass wir mit „Projet Montréal“-Stadtrat Craig Sauvé in unserem Viertel einen tatkräftigen Befürworter der Fahrrad-Idee haben, soll auch nicht unerwähnt bleiben. Merci, Craig!

In den kommenden fünf Jahren sollen weitere 230 Kilometer Radwege gebaut werden, die als „sicher“ eingestuft werden. Das heißt, sie sind nicht nur durch Straßen-Markierungen als Radwege gekennzeichnet, sondern durch Begrenzungszäune auch physisch vom Autoverkehr getrennt.

Auch dafür schon jetzt: Danke, Valérie!

3500 Kilometer Radweg stehen Montrealern zur Verfügung.
Auch auf den städtischen Fähren geht es rund. Auf dem St-Lorenz-Strom geht es in die Vorstädte.
Radelnd über die neue Champlain-Brücke.
Auf der Aussichtsplattform des „Mont Royal“.
800 Bixi-Verleihstationen. Diese hier an der Rue Crescent mit Leonard Cohen im Hintergrund.
Radler in Uniform. Die Montrealer Fahrrad-Polizei
Radfahrer in Montreal führen alles andere als ein Schattendasein.
Fahrrad-Fun in der Unterführung
Vergissmeinnicht mit zwei Rädern Fotos: © Bopp

Wildsau: Die Königin der Löwen

Okay. Der Löwe war eine Wildsau und das Leben kann weitergehen. Irgendwie tut mir das Wildschwein ja leid, denn selten zuvor fiel die Hierarchie im Tierreich so brutal zu Ungunsten des Schweins aus. Deshalb würde ich die Wildsau heute gerne zur „Königin der Löwen“ ausrufen.

Kommt es nur mir so vor, als sei ich in diesen Tagen von Löwen umgeben, die keine sind?

In meiner Mailbox wimmelt es von Fotos, Witzen und Memes zu diesem Thema. Mit einer nie dagewesenen Infamie beteiligen sich auch Facebook, Instagram und andere sogenannten sozialen Medien an der Hatz auf die arme Sau.

Wildschweinmähne. Wie unsozial!

Selbst das Lösungswort des heutigen „Wördle„-Spiels heißt – Achtung, Spoiler! – jedenfalls nicht Wildschwein, weil es ja auch nur fünf Buchstaben sein dürfen.

Ich finde: Der weiteren Diskreditierung des Wildschweins muss endlich Einhalt geboten werden!

Früher nannte man das Sauregurkenzeit. Als Volontär in Waiblingen sollte ich tagelang einen ausgebüchsten Braunbär aufspüren. Den gab es natürlich nicht. Wie sich herausstellte, hatte ihn ein Wanderzirkus für PR-Zwecke erfunden.

Aber so eine richtige Löwin ist natürlich noch eine Spur härter als ein Bär. Oder ein Wildschwein.

Ich finde, wir sollten uns ein bisschen locker machen und uns glücklich schätzen, dass wir noch mitfiebern, ja, uns noch freuen können an so einem Löwenherz. Oder eben an einer Wildsau.

In diesem Sinne: Schönen Sommer allerseits!

Copyright: Euronews

Sieben Tage in einem Blog #2

Montreal vom St.-Lorenz-Strom aus gesehen.
Die neue Champlain-Brücke vom Ufer des St.-Lorenz-Stroms aus fotografiert
Pause von der Sause: Mein eBike ist zum ständigen Begleiter geworden.
Frachter auf dem St.-Lorenz-Strom – gesehen von der Fähre aus, die in die Vorstädte führt.
Gemütlichkeit auf dem Lande: Das Café St. Laurent in Boucherville.
Ankunft in Varennes. Das Dorf liegt ca. 40 Kilometer östlich von Montreal am Ufer des St.-Lorenz-Stroms.
Umsteigen in Varennes. 45 Minuten Fährvergnügen für $ 5.50 – schwer zu toppen.
Pärchen auf dem Fährchen nach Boucherville.
Frachthafen im Osten von Montreal. Im Hintergrund das Olympiastadion.
Québec: Ländlich-sittlich in Varennes.
Unter Touris: Künstler-Gasse in der Altstadt.
Einfach mal chillen: Unten am Alten Hafen.
Feuerwehr-Einsatz auf der Rue de la Commune: Auf einer ca. 1 Meter breiten und 100 Meter langen Ölspur waren vor meinen Augen zwei Radler und eine Joggerin gestürzt, bzw. ausgerutscht. Ein 911-Notruf brachte Hilfe: Innerhalb weniger Minuten war die Ölspür beseitigt. Ich liebe „les pompiers“!
Noch schneller als bei der Feuerwehr geht es nur auf der Formel-Eins-Strecke auf der Île Notre-Dame zu. Den ganzen Sommer über steht die komplette Rennstrecke Radlern zur Verfügung. Da düst das eBike schon mal mit 40 Sachen den Schneckenradlern davon.
Ganz schön schnell: Hafeneinfahrt von Montreal im Zeitraffer.
Krachmacher: Aber fürs Auge geben sie einiges her. Im Hintergrund die Jacques-Cartier-Brücke.
Das Montrealer Casino: Ursprunglich der französische Pavillon während EXPO 67.
Kanadagänse in Kanada? Mehr Klischee geht nicht. Trotzdem schön.

Tapas: Der Deckel zum Wein

Tapas und Vino gehören in Spanien zusammen wie in Süddeutschland Bier und Brezeln oder Weißwürste und Senf. Aber was genau sind eigentlich Tapas? Diese Frage höre ich nach dem Erscheinen meines Romans „Tapas, Vino, Valentina“ jetzt immer öfter.

Das Wort Tapas stammt von „Tapa“, also Deckel. Vor allem auf dem Land, so heißt es, hätten die Bauern ihr Weinglas als Schutz vor den Fliegen mit einem Stück Brot zugedeckt. Irgendwann sei dann eine Scheibe Schinken auf das Brot gelegt worden, ein paar Oliven, auch ein wenig Käse. Und schon sei ein köstlicher kleiner Snack daraus geworden. Tapas waren geboren.

Um Tapas ranken sich viele Legenden. Als König Alfonso der Zehnte von Spanien von einer schweren Krankheit heimgesucht worden sei, habe ihm sein Leibarzt kleine Portionen an Essen empfohlen, dazu jeweils einen Schluck Wein.

Nach seiner Genesung habe der König im 12. Jahrhundert das Dekret erlassen, dass in spanischen Bars und Gasthäusern künftig kein Wein mehr ohne kleine Speisen ausgeschenkt werden dürfe. Ob der Herrscher von Kastilien und León deshalb auch „Alfonso der Weise“ hieß, ist nicht überliefert.

Als wir noch unsere Winter auf Mallorca verbrachten, standen häufig Tapas auf dem Tisch. Nicht nur in den Bars, die wir frequentierten, sondern auch daheim. Dabei sind der Zusammenstellung von Speisen keine Grenzen gesetzt.

Schon auf meiner Tramper-Reise durch Spanien, als ich mit 15 glaubte, die erste Liebe meines Lebens erobern zu müssen, habe ich mich oft tagelang von Tapas ernährt. Oft wurden sie als kostenlose Beilage gereicht, wenn ich irgendwo eine Cola bestellte.

Daran hat sich in vielen Lokalen bis heute nichts geändert. Während unserer Wanderung auf dem Jakobsweg brachte der Kellner zum Wein häufig kleine Brotschnitten mit Schinken, Käse, Fisch, Ei oder Gemüse – köstlich und ganz umsonst.

Und natürlich wurde die „Bar Bosch“ in Palma de Mallorca zu meinem ganz privaten Tapas-Tempel. Zu jeder Tages- und Nachtzeit servierten die Kellner frische Brötchen mit köstlichen Tapas zum Getränk meiner Wahl, was meistens ein Rosado war, gerne aber auch mal ein Tonic.

Kein Wunder also, dass Johannes und Konrad in meinem Roman ständig Tapas vor sich stehen haben. Und natürlich Vino.

Und was hat das Ganze mit Valentina zu tun?

Des Rätsels Lösung findet sich im Buch. Das gibt’s online oder in der Buchhandlung Ihres Herzens.

Alle Fotos © CANVA
TAPAS bei meinem Peter in Balkonien.