Mein Freund Michi ist tot

Michael Lehner (1948 – 2024)

Du steckst im Rushhour-Verkehr in der Münchener Innenstadt, entdeckst auf einer Kirchturmspitze ein Storchennest und sagst eher beiläufig zum Fahrer: „Jetzt ein richtig gutes Fernglas, das wär’s.“ Der Kerl am Steuer, der dir sein München zeigt, fährt wortlos in eine Parkbucht, steigt aus und kommt fünf Minuten später mit einem richtig guten Fernglas zurück: „Ist deins.“ So war er, mein Freund Michi. Jetzt ist Michael Lehner im Alter von 76 Jahren gestorben.

Michael als eine Type zu bezeichnen, wäre untertrieben. Er war DIE Type schlechthin. Ein Bayer durch und durch, aber stets mit der nötigen Distanz zum Schicki-Micki-München, für das er nur Verachtung übrig hatte.

Sein München, das war der Viktualienmarkt, den man besuchte, nicht weil man dort gesehen werden wollte, sondern weil es dort noch eine Leberkäs-Semmel gab, die so schmeckte, wie sie schmecken muss: herzhaft wie die Luft, die von den Bergen her weht, zünftig wie ein Lodenmantel, Kalorien hin oder her. Michaels München, das waren die Biergärten im Sommer und die Brauhäuser im Winter. Hauptsache, es gab was zu trinken – und zu essen sowieso.

Kennengelernt haben wir uns in den späten 60er-Jahren bei der Waiblinger Kreiszeitung. Schon als junger Journalist war Michael aus jenem Edelholz geschnitzt, aus dem gute Schreiber entstehen. Er konnte mit gespitzter Feder einen noch so banalen Satz zum Klingen bringen, indem er ihn, statt mit einem simplen Adjektiv zu versehen, mit einer einzigen Wortperle zu einem sprachlichen Gesamtkunstwerk formte.

Wer mit Michael diskutieren wollte, brauchte Zeit. Michael nahm sich die Zeit, immer, immer wieder und überall. Als ich ihn einmal auf dem Redaktions-WC dabei ertappte, wie er während einer seiner zahlreichen Diäten heimlich eine Dosenleberwurst mit dem Suppenlöffel verzehrte, erklärte er mir sichtlich angewidert die Nachteile einer reduzierten Kalorienaufnahme und wie viel wichtiger es doch sei, dass auch Kopf und Seele glücklich seien und nicht nur der Körper.

Ich kenne keinen Menschen, der bei so vielen Abspeck-Versuchen so wenig Gewicht verloren hat wie Michael. Michi und sein fülliger Körper, der immer nach gutem Essen und Trinken verlangte – das war ein Kapitel für sich.

Eigentlich hasste er Flugreisen und überhaupt vieles, was sich außerhalb des Dunstkreises seiner bayerischen Heimat abspielte. Und doch schaffte er es immer wieder, uns in Kanada zu besuchen – anfangs noch in Manitoba, später auch in Montreal. Zu meinem Fünfzigsten hielt er eine Rede, die den Saal zum Vibrieren brachte. Michael Lehners Wortgewalt war legendär, sein brachialer Bass sowieso. Ein raumfüllendes Mannsbild.

Ein brillanter Journalist war er, das auf jeden Fall. Jahrzehntelang war er Münchener Korrespondent der „Schwäbischen Zeitung“. Aber er war auch ein gewiefter Geschäftemacher, Einkäufer, Erfinder, Verkäufer und Marketing-Mensch.

Unvergessen, wie die Garage in Trudering zum Leidwesen seiner Familie aus allen Nähten platzte, weil der Hausherr irgendwo wieder einen Container Zahnbürsten, Kondome oder Krückenklammern preisgünstig erstanden hatte.

Ach ja, die Krückenklammern. Das waren kleine Haken aus Draht, die sich leicht an jeder Krücke befestigen ließen. Wohl zu oft hatte Michael beobachtet, wie mühsam es für Menschen sein muss, wenn an den Tisch oder an die Wand gelehnte Krücken zu Boden fallen. Die Krückenklammer war die Lösung, und den Slogan gab’s aus Michaels Textküche gratis dazu: „Nie mehr nach den Krücken bücken!“

Das Alter meinte es nicht gut mit meinem Freund. Er hatte einen Nierentumor und kaputte Herzklappen obendrein. Die letzten Mails schrieben wir uns aus dem Krankenhaus – er in Bayern, ich in Montreal.

Ich: „Wir denken ganz fest an dich, lieber Michi. Wir müssen uns noch ganz lange erhalten bleiben.“

Er: „Das sehe ich auch so, mein Freund. 100 werden ist halt auch nicht vergnügungssteuerpflichtig, schon gar nicht in diesen Zeiten. Lass uns einfach gelassen sein und zufrieden, wenn ab und zu was Schönes für uns kommt. Euer Michi.“

Das war’s. Viel Schönes kam danach wohl nicht mehr. Aber bei Michi weiß man es nie. Vielleicht konnte er ja seinem eigenen Sterben noch etwas Schönes abgewinnen.

Ich vermiss’ dich, Michi. Wie die Sau! Und nicht nur beim Nach-den-Krücken-Bücken.

Ist Wegschauen die Lösung?

© Lennart Gäbel

Mit Trump ist es ein bisschen wie mit einem Verkehrsunfall. Als Zeuge wird man, ob man will oder nicht, zum Gaffer. Zwar ist die Wahl Trumps kein Betriebsunfall der Geschichte, sondern das Ergebnis der eigentlich brillanten Strategie eines Egomanen. Aber das Bild vom fahrenden Zug, der ungebremst gegen die Wand fährt, bleibt. Reaktionen aus meinem Freundeskreis:

Er sei im Moment einfach nicht in der Lage, auch nur eine Silbe über Trump zu hören, schreibt der Neffe aus Wien. Und überhaupt sei „die Welt, wie wir sie kennen“, am Ende.

Der kulturbeflissene Kumpel aus Mallorca flüchtet sich angesichts des Wahlschocks in Szenarien, die Parallelen zwischen Napoleon und Trump enthalten. Nicht wegschauen, heißt seine Devise, sondern das Unheil analysieren.

Und der Freund aus Sherbrooke, einer der Ältesten und Klügsten, fühlt sich „erschlagen, erschossen und so tief enttäuscht wie seit Jahren nicht“.

Dass meine Freunde auf die Wahlen in den USA so empört reagieren, war vorauszusehen. Ich umgebe mich schließlich nicht mit Trumpisten, genauso wenig wie ich ein AfD-Mitglied in meinem Freundeskreis akzeptieren würde.

„Gewiss“, räumt der Herr Doktor aus Sherbrooke ein, „haben sich seit dem Neandertaler die menschlichen Werte zusehends verschlechtert. Dass aber mehr als 70 Millionen Blödköppe und -köppinnen so scheuklappig, so schwerhörig und ohne irgendeine, wenn auch nur bescheidene moralische Urteilskraft an die Urnen treten konnten, das übersteigt völlig mein Fassungsvermögen“, resümiert mein kluger Kumpel, der, wenn es um die USA geht, schon immer zu Abstrichen bereit war.

Die Schulfreundin aus Ummendorf, die heute in Las Vegas lebt, zeigt sich „fassungslos“ und befürchtet noch einmal vier Jahre Chaos: „Weiße, Schwarze, Latinos und asiatische Männer wollten also keine Frau an der Staatsspitze, zurück zum Machismo!“ Auswandern komme für sie nicht in Frage, schreibt die oberschwäbische Exilantin, die mit einem Amerikaner verheiratet ist. „Mir würde einfach die Kraft dazu fehlen.“

Aber was tun gegen die Verzweiflung? Heißt die neue Glücksformel Eskapismus? Bewahrt uns einzig und allein das schreiende Davonlaufen vor Schäden an Geist und Seele?

Jeder hat seine eigene Methode im Umgang mit unabänderlichen Situationen. Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr mit der Besessenheit des Politik-Junkies in politische Gedankengänge einzusteigen wie zu Zeiten vor Trump. Selektives Lesen hilft. Ob selektives Denken – sprich: Ausblenden – überhaupt möglich ist, wird sich zeigen.

Mir tut es leid für die Millionen von Amerikanern, die klug, anständig und völlig unschuldig an diesem Wahldesaster sind. Sie werden mit der Bürde leben müssen, die nächsten vier Jahre einen Präsidentendarsteller im Weißen Haus zu haben, den sie nicht gewählt haben.

Kamala Harris war sicher nicht die optimale Besetzung für eine Kandidatin. Aber sie war das Beste, das in so kurzer Zeit für so einen Job zu rekrutieren war. Ihre gestrige Rede hat mich wieder mit ihr versöhnt. Sie ist all das, was Trump nicht ist: klug, empathisch, anständig und zukunftsorientiert. Aber der Zug ist gegen die Wand gerast. Die Schadensbegrenzung ist uns aus der Hand genommen worden.

Vielleicht fällt der Blick auf diesen Schlamassel leichter, wenn man weiß, dass man mit seinem Zorn und seiner Enttäuschung nicht allein ist. Millionen Amerikaner mögen einen korrupten Lügner zum Präsidenten gewählt haben, aber bei Milliarden in aller Welt stimmt der moralische Kompass noch immer.

Sie gehören bestimmt auch dazu. Das ist doch schon mal was.

Was Sie noch nicht über Kamala Harris und Donald Trump wussten

Kamala Harris, Donald Trump: Dinge: Morgen geht es ums Ganze. – Screenshot Copyright BBC

Sie sagen, es gibt nichts, das Sie nicht schon über die beiden Präsidentschaftskandidaten wissen? Dann fragen Sie mal ChatGPT. Die einfache Frage: „Erzähl mir etwas, das ich noch nicht über Donald Trump und Kamala Harris wusste“ brachte jede Menge Fakten. Einige davon gehören inzwischen zum Allgemeinwissen, andere sind – jedenfalls für mich – neu. Weiß die Künstliche Intelligenz wirklich mehr als Sie? Entscheiden Sie selbst.

KAMALA HARRIS

Kamala Harris liebt das Kochen: Harris ist eine begeisterte Köchin und teilt oft Rezepte und Kochtipps. Besonders gern kocht sie indische und jamaikanische Gerichte, die ihre kulturellen Wurzeln widerspiegeln. Ihre Mutter stammte aus Indien, und ihr Vater aus Jamaika.

Ihr Vorname hat eine besondere Bedeutung: Der Name “Kamala” bedeutet auf Sanskrit „Lotusblume“ und ist ein Symbol der Göttin Lakshmi im Hinduismus, die Wohlstand, Glück und Schönheit repräsentiert. Harris ist stolz auf ihre indische Herkunft und darauf, wie ihre Mutter sie geprägt hat.

Sie war die erste weibliche Generalstaatsanwältin von Kalifornien: Bevor sie Vizepräsidentin wurde, war Kamala Harris Generalstaatsanwältin von Kalifornien und damit die erste Frau und erste Person mit afro- und südasiatischem Hintergrund in dieser Rolle. Sie setzte sich in dieser Position für die Rechte von Minderheiten und die Reform der Strafjustiz ein.

Sie hat eine Leidenschaft für Jazz: Harris ist ein großer Fan von Jazzmusik und nennt Musiker wie John Coltrane und Miles Davis als ihre Favoriten. Ihre Eltern waren Jazz-Liebhaber und brachten ihr diese Musik näher, als sie ein Kind war.

Sie wurde nach Bürgerrechtsikonen inspiriert: Harris wurde von ihren Eltern schon früh zu Bürgerrechtsdemonstrationen mitgenommen. Diese Erfahrungen haben ihr politisches Bewusstsein und Engagement für Gerechtigkeit und Gleichheit geprägt.

Sie ist Stiefmutter von zwei Kindern: Harris ist verheiratet mit Douglas Emhoff, einem Anwalt, und hat zwei Stiefkinder, Ella und Cole. Die beiden nennen sie liebevoll “Momala” – ein Spitzname, den sie gewählt hat, weil er nicht nach “Stiefmutter” klingt.

Kamala Harris hat eine Buchreihe für Kinder geschrieben: 2019 veröffentlichte sie das Buch Superheroes Are Everywhere, das Kindern Mut machen soll und zeigt, dass sie selbst Helden sein können, indem sie in ihrer Gemeinschaft Gutes tun. Es ist ein inspirierendes Buch, das ihre eigene Geschichte und Werte vermittelt.

Sie ist die erste Vizepräsidentin mit südasiatischen Wurzeln: Harris’ Mutter kam als Einwanderin aus Indien in die USA, und Harris ist stolz auf ihr indisches Erbe. Durch ihre historische Wahl als Vizepräsidentin wird sie oft von der indisch-amerikanischen Gemeinschaft gefeiert, die sie als wichtige Repräsentantin sieht.

DONALD TRUMP

Donald Trump hat keine Haustiere im Weißen Haus gehabt: Traditionell haben die meisten US-Präsidenten Haustiere mit ins Weiße Haus gebracht, aber Trump war der erste Präsident seit James K. Polk im 19. Jahrhundert, der kein Haustier hatte.

Er war Ehrenmitglied der Screen Actors Guild (SAG): Durch seine Auftritte in Filmen und Serien, darunter “Home Alone 2” und “The Fresh Prince of Bel-Air”, wurde er Mitglied der Schauspielergewerkschaft. 2021 trat er jedoch aus der SAG-AFTRA aus, bevor die Organisation ihn aufgrund seiner Rolle bei den Ereignissen am 6. Januar 2021 ausschließen konnte.

Trump hat eine eigene Fluggesellschaft betrieben: In den frühen 1990er Jahren kaufte Trump die Fluggesellschaft Eastern Air Shuttle und benannte sie in “Trump Shuttle” um. Die Fluggesellschaft war jedoch nicht rentabel und wurde später verkauft.

Er trinkt keinen Alkohol: Trump ist bekannt dafür, keinen Alkohol zu trinken. Dies liegt hauptsächlich daran, dass sein älterer Bruder Fred Trump Jr. an Alkoholismus litt und früh verstarb, was Trump stark beeinflusste.

Er hat ein Patent für einen Wolkenkratzer erhalten: Trump ließ sich in den 1990er Jahren ein Design für einen Wolkenkratzer patentieren. Die Idee war, die höchsten Wolkenkratzer der Welt mit einem seitlich angebauten Aufzug zu bauen, aber das Design wurde nie verwirklicht.

Er hat eine Verbindung zur World Wrestling Entertainment (WWE): Trump war mehrmals Gast bei WWE-Events und war sogar Teil einer Storyline, bei der er einen „Kampf der Milliardäre“ gegen WWE-CEO Vince McMahon führte. 2013 wurde Trump in die WWE Hall of Fame aufgenommen.

Er wurde für einen Emmy nominiert: Für seine Reality-Show “The Apprentice” erhielt Trump Emmy-Nominierungen, was ihn auch im Showgeschäft bekannter machte und zur Stärkung seiner Marke beitrug.

Klohocker und Wintermantel

In meiner Klasse gab es einen Jungen, der hieß „Wintermantel“. Wir nannten ihn alle „Sommermantel“. Fies, ich weiß. Aber was macht man nicht alles auf dem Dorf, wenn einem langweilig ist. Lore kannte eine Familie, die hieß „Klohocker“. Bei so einem Namen fällt einem gar nichts ein.

Gestern fragte mich jemand nach meinem Nachnamen. „Bopp?“, sagte der – „that’s Rock ’n’ Roll, Man!“ Also gut, dann klingt mein Name eben nach Rock ’n’ Roll.

Ich hätte immer schon gerne eine Radiosendung mit dem Titel „Pop mit Bopp“ moderiert. Aber sie ließen mich nie. Eine Kolumne „Bob mit Bopp“ durfte ich mal sprechen, damals, während der olympischen Spiele in Calgary.

Stelle ich mich in kanadischen Kreisen mit „Herbert Bopp“ vor, dann höre ich oft: „Nice to meet you, Bob. What’s your last name?“

Mit Namen ist es wie mit der eigenen Familie: Man sucht sie sich nicht aus. Ich beklage mich nicht über meinen Namen (und schon gar nicht über meine Familie). Aber etwas anderes als „Herbert“ hätten sich meine Eltern schon einfallen lassen können. Herbert ist ein Alt-Männer-Name. Wie Fritz, Werner, Manfred, Josef, Otto oder Rudolf.

Uli gefällt mir gut. Oder Stefan, Frank, Martin oder Mark. Am liebsten hätte ich immer Harry geheißen. Harry mit „Y“, cooler geht nicht. Armin gefällt mir auch gut, am besten Armin Hary. Wie der 100-Meter-Olympiasieger von Rom.

Freddy ist auch so ein Name, den ich mir gewünscht hätte. Freddy, wie der Kommissar im Kölner Tatort. Oder Freddy Quinn. Dass Franks Hund Freddy heißt, hätte mich nicht gestört. Im Gegenteil: Der Hund ist ja total süß und Freddy ein richtig cooler Name.

Cassian finde ich auch toll. Er selbst übrigens auch. Als wir unseren Sohn benannten, musste es ein Name sein, der auf Deutsch, Englisch und Französisch leicht auszusprechen ist. Dass manche seiner Kumpels ihn jetzt „Cass“ nennen oder „Casey“ – dafür können wir nichts. Wir hatten es gut gemeint.

Lore mag ihren Namen nicht sonderlich, ich dagegen schon. Wahrscheinlich, weil ich meine Frau liebe. Vielleicht aber auch, weil es ein Name ist, der nie einfach so im Raum stehen bleibt und immer ein Eisbrecher für eine Konversation ist: „Lore – das ist doch eine Abkürzung für Hannelore oder Ingelore, oder?“ Nein, sagt Lore dann wahrheitsgetreu. Lore ist Lore. Einfach so.

Namen seien Schall und Rauch, sagen Sie? Einspruch, Euer Ehren! Namen prägen uns mehr, als wir denken. Es gibt wissenschaftliche Studien, wonach Namen durchaus Einfluss auf uns haben. Manche Studien belegen, dass der Name sogar unsere berufliche Laufbahn beeinflussen könnte. Diese Tendenz hat sogar einen Namen. Ein passender Beruf aufgrund des Namens – wie etwa ein Herr „Fleischer“, der den Metzgerberuf wählt – wird als „nominativer Determinismus“ bezeichnet.

Auch so ein Name. Nominativer Determinismus. Dann schon lieber Rock ’n’ Roll.

Turkey-Dinner und ganz viel Laub