Wie geht’s eigentlich Valentina?

Kaum ein Tag, an dem ich diese Frage nicht höre. Die kurze Antwort ist: Ich weiss nicht, wie es Valentina geht, denn ich habe seit fast 60 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr. Das wissen natürlich auch die vielen Fragesteller. Was sie wirklich wissen möchten, ist: „Wie läuft eigentlich dein Roman Tapas, Vino, Valentina?“

Sagen wir mal so: In die SPIEGEL-Bestsellerliste hat es mein Buch bisher nicht geschafft und auch die New York Times hat noch keinen Interviewtermin mit mir gebucht. (Das Mallorca Magazin allerdings schon). Der Verkauf ist nach wie vor rege. Das ist bei einer Neuerscheinung ohne Marketing und ohne Lesereisen alles andere als selbstverständlich.

All denen, die sich die Mühe gemacht haben, eine Rezension im Netz zu hinterlassen, danke ich von Herzen. Wer’s noch nicht getan hat, kann das immer noch tun. Und natürlich würde ich mich generell über ein Feedback freuen. Das muss ja nicht unbedingt in der Öffentlichkeit des World Wide Web sein. Eine Mail an valentina@herbertbopp.com genügt auch.

Damit der Buchverkauf nicht nur vor sich hin dümpelt, gibt’s heute mal wieder ein paar Takte Eigenwerbung. Hier sind ein paar Bewertungen im Internet:

Sieben Tage in einem Blog #9

Viel war es nicht, das sich die Woche über an Fotos angesammelt hat. Eine fiese COVID-Erkrankung hatte sich mitten zur schönsten Jahreszeit in den Blogger-Haushalt eingeschlichen. Langsam kommen die Kräfte wieder zurück. Hier sind ein paar Bilder.

Fischer im St. Lorenz-Strom. Im Hintergrund die Jacques-Cartier-Brücke.
Blumenschmuck in Alt-Montreal.
Spiegel-Spiele am Alten Hafen.
Die Kuppel des Marché Bonsecours im Hintergrund.
Begegnung im Hafen.
Alte Villa in der Altstadt.
Surferinnen am St. Lorenz-Strom
Nanu? Leere Regale? Kommt ab und zu mal vor im Supermarkt.
Die „Hamburg“ machte in Montreal Halt. Weiter ging’s über die Großen Seen.
Keine Großstadt ohne Riesenrad.
Die „Vista“ bringt Touristen nach Montreal, die sich den „Indian Summer“ ansehen möchten.
Ein Hauch von „Indian Summer“ am Hafen.

Der zweistöckige Mann

GESTERN UND HEUTE: Auf dem Camino waren die Stöcke noch Kür …
… inzwischen gehören sie zur Grundausstattung.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass mich eine fiese Krankheit namens Polyneuropathie in die Knie gezwungen hat. Seither sind zwei Wanderstöcke meine ständigen Begleiter. Ohne sie wäre ich nicht einmal mehr in der Lage, so wie gestern, mal kurz in die Kneipe um die Ecke zu gehen, um einen guten Freund zu treffen.

Meine Welt ist im Laufe der letzten Jahre auf den Radius eines Bierdeckels geschrumpft. Aber wenn du es nicht mehr in die Welt hinaus schaffst, dann holst du die Welt eben zu dir.

So wie neulich, als sich in einer mexikanischen Bar das halbe Altersheim von gegenüber um mich scharte. Und plötzlich merkst du: Ganz so schlimm ist es gar nicht, am Stock zu gehen. Du freust dich noch immer über die kleinen Dinge des Lebens. Auch wenn sich die Freude manchmal etwas bittersüß anfühlt.

Ich freue mich, wenn ich die Metro betrete und sich eine junge Frau oder ein junger Mann wie der Blitz erheben, um mir ihren Platz anzubieten. Und ja, es sind wirklich meistens junge Frauen und junge Männer, die sich als erste erheben. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht ist es das Helfer-Syndrom.

Auch das darf ruhig erwähnt werden: Es sind übrigens vorwiegend Männer und Frauen asiatischer Herkunft, die mir ihren Platz anbieten. Und nein, mit Rassismus hat diese ethnische Abgrenzung nichts zu tun. Es ist einfach eine Beobachtung, die ich als gehbehinderter Mann fast täglich mache.

Dazu gehören auch die zwei Kinder, die es sich vor ein paar Tagen auf einer Bank bequem gemacht hatten und von der Mama aufgescheucht wurden, um dem Mann mit den Stöcken Platz zu machen, noch ehe ich die Bank richtig erspäht hatte.

Ist es Respekt vor dem Alter oder einfach Höflichkeit? Ich weiß es nicht. Es ist jedenfalls eine schöne Erfahrung.

Oder neulich, als wir in ein kleines Theater ohne nummerierte Sitze kamen und die Regisseurin ungefragt die beiden besten Sitze im Saal mit ihrem silbernen Jäckchen bedeckte. Die Reservierung galt uns.

Oft sind Menschen aber auch einfach nur doof. Sie weichen auf dem schmalen Gehweg keinen Zentimeter und lassen es lieber auf eine Kollision ankommen statt einen Schritt zur Seite zu machen.

Gelegentlich kommt es auch zu Missverständnissen, auch daran musste ich mich erst gewöhnen. Fast täglich wünscht mir irgendjemand zwar keinen „Buen Camino“ wie auf dem Jakobsweg, aber doch „einen schönen Spaziergang“. Das lasse ich dann einfach so stehen.

Auch wenn ich mal, was eher selten vorkommt, zum Vorbild für andere werde, habe ich nichts dagegen. Eine ältere Dame fragte mich auf offener Straße, ob sie mich fotografieren dürfe. Ähm, wie bitte? Mich?

Ja, sagte die Frau. Sie möchte ihrem Mann gerne ein Foto von mir zeigen, damit er sieht, dass man auch mit einer Gehhilfe noch nett daherkommen kann. Er weigere sich nämlich trotz zunehmender Behinderung, sich Stöcke anzuschaffen.

Als Gehbehinderter weiß man auch die Barrierefreiheit einer Stadt zu schätzen. Montreal ist da ziemlich weit vorne. So sind inzwischen fast die Hälfte der Metro-Stationen mit komfortablen Aufzügen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ausgestattet. Der Rest wird zurzeit nach und nach behindertenfreundlich nachgerüstet.

Dieser Trend zur weitgehenden Barrierefreiheit kommt mir in doppelter Hinsicht zugute: Als Gehbehinderter und als eBiker. Denn auch Fahrräder sind in den U-Bahnen meiner coolen Stadt willkommen.

So ganz fremd war mir das Leben mit Stöcken ohnehin nicht. Auf dem Camino gehörte der morgendliche Griff zu den Wanderstäben genauso zum täglichen Ritual wie die Wasserflasche, die immer gefüllt sein musste.

Dass mein Leben als zweistöckiger Mann so abrupt von der Kür zur Pflicht wurde, hätte ich allerdings dann doch nicht so schnell erwartet.

Sieben Tage in einem Blog #8

Was sich die Woche über so alles an Fotos in meinem iPhone ansammelt, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. In unregelmäßigen Abständen stelle ich deshalb völlig unsortiert Texte und Bilder ein. Hier sind einige davon.

Letzte Sonnenstrahlen am „Old Port Beach“
Die Kreuzfahrt-Saison neigt sich dem Ende zu.
Unter der neuen Champlain-Brücke.
Blick in die Innenstadt vom Alten Hafen.
Habitat’67 – Aus dem Architektur-Vorzeigegebäude der Weltausstellung wurde eine Luxus-Wohnanlage.
Olympyastadion an einem wolkenverhangenen Mittwoch.
Einer von mehreren Yachthäfen in der Altstadt.
Heute mal im Kanarienvogel-Look. Kleine Pause unter der Brücke.
Zur Belohnung für eine Woche Fahrradfahren: Besuch beim Mexikaner.

Die Regisseurin von nebenan

RANA LIU auf den Brettern, die ihr die Welt bedeuten.

Wenn einem Nachbarn oder Freunde einen Film, ein Buch, ein Theaterstück oder ein Restaurant empfehlen, dann ist das oft mit Vorsicht zu genießen. Könnte leicht sein, man landet geschmacklich meilenweit von dem entfernt, was der nette Mensch von nebenan gut findet.

Bei uns hat sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Unsere Nachbarin Rana Liu (29), die in dem Theaterstück „A little bit pregnant“ („Ein bisschen schwanger“) Regie führt, lag voll auf unserer Linie. Ranas Stück hat uns einen wunderbar vergnüglichen Abend beschert. Dass unsere Anwesenheit den Altersdurchschnitt im Saal um gefühlte 100 Jahre angehoben hat, störte uns gar nicht. Vergnügen kennt keine Grenzen, auch keine Altersgrenzen.

Die Handlung ist schnell erzählt:

Bei zwei befreundeten Paaren läuft ziemlich viel aus dem Ruder. Die einen hätten gerne ein Kind, können aber keins haben. Die anderen erwarten ein Baby, dabei wollten sie gar keins.

Die Kunst, aus dieser eigentlich simplen Geschichte ein wunderbares Theaterstück zu stricken, hat das junge Ensemble um die Autorin Kate Lavut und die Regisseurin Rana Liu perfektioniert.

Exzellentes Storytelling, witzige Dialoge und Pointen, die sitzen – das alles macht gutes Theater aus. Das minimalistische Bühnenbild sorgt für einen Rahmen, welcher der Dramaturgie des Stückes gerecht wird: Kein Wort zu viel, kein Dialog zu lang, kein Witz zu schal. Man fühlt mit den beiden jungen Paaren, weil sie einem trotz, vielleicht sogar gerade wegen ihrer gegensätzlichen Lebenskonzepte sympathisch sind.

Freut sich über den Erfolg: Rana Liu.

Für uns war es die erste Bühnen-Begegnung mit Rana Liu. Der persönliche Kontakt beschränkte sich bisher auf ein kurzes Hallo im Aufzug des Gebäudes, das wir teilen. Dass ich es war, der Rana ansprach und nicht umgekehrt, lag auf der Hand, genauer auf dem Kopf: Sie trug eine Mütze mit dem Logo der CBC – dem Sender also, der auch bei mir berufliche Spuren hinterlassen hat.

Weil Theater zwar Leidenschaft für sie ist, aber nicht Beruf, hat sich Rana für einen regulären 9-to-5-Job entschieden. In der Öffentlichkeitsabteilung der Canadian Broadcasting Corporation ist sie eine Art Bindeglied zwischen Sender und den unterschiedlichen Zielgruppen, die er mit seinen Programmen erreichen möchte.

Ranas Liebe für die Bühne wurde ihr schon in die Wiege gelegt. Der Papa war Theater-Produzent, die Mama eine große Liebhaberin der Künste. Tochter Rana war gerade mal achtzehn, als sie im „Marianopolis College“ ihr erstes Stück in Szene setzte, das Musical „Nine to Five“. Der Erlös der Aufführungen wurde übrigens dem Montrealer Kinderkrankenhaus gespendet.

Längst ist Rana derm College-Theater entwachsen. Stücke, an denen sie auf die eine oder andere Art beteiligt war, wurden bereits in Toronto, Chicago und Shanghai aufgeführt.

Könnte sie sich vorstellen, den sicheren Job bei der CBC doch irgendwann für eine hauptberufliche Theater-Karriere an den Nagel zu hängen?“ Bei dieser Frage schlagen zwei Seelen in ihrer Brust. „Auf der Bühne sprühen die Funken und der kreative Input aller Beteiligten führt zu einer wunderbaren Magie, die ich so liebe“, sagt sie.

Aber als Kind eines Theater-Vaters kennt sie auch die Kehrseite dieser Glitzerwelt: Chaotische Arbeitszeiten, mäßige Bezahlung. Und: Als junge Frau asiatischer Herkunft sind ihr auch Rassismus und Sexismus nicht fremd.

Rana kann sich den Luxus leisten, ihre Optionen offen zu halten. Wer einen Uni-Abschluss in Politik und Theaterwissenschaften hat, dazuhin in Kanada, England, China und den USA aufgewachsen ist, muss sich um seine Zukunft keine Sorgen machen.

Im Moment freut sich Rana Liu einfach über ihren jüngsten Erfolg. Nachdem „A little bit pregnant“ bereits früher in Toronto aufgeführt worden war, hat es das Stück jetzt auch in das renommierte Montrealer „Fringe Festival“ geschafft.

Applaus!

Vor und hinter den Kulissen des Montrealer MainlineTheatre: Kate Lavut, Casey Marie Ecker, Simon Lizotte, Julia Pye, Rana Liu, Aidan Cottreau and Alexander Luiz Cruz (v.l.n.r.)