
„Dann bricht mir das Herz“, sagte sie und meinte damit: Wenn wir ohnehin zur Cottage fahren, um die Winterjacke zu holen, die wir im Herbst am See vergessen haben, dann können wir auf gar keinen Fall gleich wieder heimfahren, ohne nicht mindestens einmal in der Hütte zu übernachten.
Happy wife, happy life.
Da sind wir also wieder. Sechzehn Kilometer vom nächsten Laden entfernt. Weit und breit kein Mensch hier. Ungewöhnlich, um diese Jahreszeit im Blockhaus zu schlafen, das ja doch eher ein Sommerdomizil ist. Aber wir wurden belohnt. Das Winterwonderland, das uns hier oben, zwei Stunden nördlich von Montreal, erwartet hat, entschädigt uns für den langen Anfahrtsweg. Eine Autozufahrt zum Haus gibt es nicht. Der bis zu 20 Meter tiefe See, über den wir im Sommer mit dem Boot zur Hütte gelangen, stellt uns vor die erste Herausforderung.
Er ist zugefroren. Aber nur gerade mal so viel, dass, eine Überquerung zu Fuß lebensgefährlich wäre. Doch fürs Boot ist das Eis jetzt schon viel zu dick. Dabei hat der Winter noch gar nicht richtig angefangen. Also dann eben den Allrad-Drive auf der Bergstraße parken und zu Fuß durch den Wald einen steilen Abhang hinab wandern.
Das Problem: Die Bergstraße ist zugeschneit, was das Parken unmöglich macht. Also wieder zurück mit dem Wagen bis zur Bootsanlegestelle, die von der Gemeinde – warum auch immer – im Winter geräumt wird. Von dort geht’s dann zu Fuß mit dem Rucksack und der Verpflegung für zwei Tage den ganzen Weg zurück und schließlich durch den verschneiten Wald zur Hütte.
Es ist kalt hier. Der Holzofen schnurrt gemütlich, aber er lässt sich Zeit. Drei, vier Stunden dauert es, bis wohlige Wärme einzieht. Erst jetzt kann die Winterkleidung abgelegt werden.
In der Zwischenzeit wird mehr Brennholz geholt. Und Schnee. Viel Schnee. Der muss jetzt auf dem Ofen geschmolzen werden, denn fließendes Wasser gibt es hier nicht. Und der See ist, siehe oben, gefroren.
Aber dann geht alles Schlag auf Schlag. Ein paar Tassen Glühwein verkürzen die Wartezeit, bis das Spaghetti-Wasser kocht. Auch wenn es inzwischen längst mollig warm ist in der Hütte: Ein Schnäpschen schadet nie. Zwei vielleicht?
Morgen geht es wieder in die Stadt zurück. Schade eigentlich. Aber aus der einen geplanten Übernachtung werden immerhn zwei. So ein bisschen Hüttenzauber im kanadischen Winter hat was.
Oder, wie mein Freund Stefan eben schreibt, der ein paar Schnupperfotos von unserem Winterausflug gesehen hat: „Wow! Kanada-Idylle aus dem digitalen Bilderbuch!“
















Man nennt es Arbeit, aber es macht einfach nur Spass. Texte schreiben, Mails beantworten, Fotos sortieren – das alles in einem Café, in dem der Name Programm ist: Second Cup. Von dort, an meiner Montrealer Lieblingsstraße gelegen, kommt dieser Blog. Der Boulevard St. Laurent lässt grüßen. Und Frank O’Dea auch.