
Manchmal kannst du einfach nicht gewinnen. Als vor genau 48 Stunden bei einem Eissturm in Montreal der Strom ausfiel, sind wir aufs Land geflüchtet. Hier, so dachten wir, sei die Welt noch in Ordnung. War sie auch – bis vor vier Stunden. Jetzt haben wir auch hier keine Stromversorgung mehr.
Fürs Internet wird der Datenplan des Handys strapaziert. Geladen werden die mobilen Geräte im Auto.
In Montreal haben noch immer eine halbe Million Menschen keinen Strom. Auch unsere Stadtwohnung liegt noch immer im Dunkeln, textet mir eben eine Nachbarin. Nicht einmal die Notaggregate liefern Strom für die Beleuchtung der Gänge, Treppenhäuser und Tiefgaragen. Es fehlt an Diesel. Der ist offensichtlich in Montreal knapp geworden.
Dutzende von Menschen seien mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert worden, entnehme ich den Nachrichten. Sie hatten ihre Diesel-Aggregate im Wohn- oder Schlafzimmer benützt und nicht für die entsprechende Entlüftung gesorgt.
In der Farm lässt es sich auch ohne Elektrizität einigermaßen gut leben. Für eine wohlige Wärme bei diesen kalten April-Temperaturen sorgt ein Holzofen. Darauf wird Suppe gekocht und Kaffeewasser heiß gemacht – es fehlt uns an nichts.
Das heißt doch: Die Farm wird von einem eigenen Brunnen versorgt, der wiederum eine Elektropumpe benötigt. Klar, daß auch die vom Stromausfall ausser Gefecht gesetzt wurde. Notfall-Rationen von Trinkwasser gehören zur Standardurüstung vieler kanadischer Haushalte.
Sobald der Strom zurückkommt, muss der Brunnen wieder aktiviert werden. Wie? Das hat die Frau an meiner Seite schon jetzt auf YouTube gelernt. Was kann da schon schiefgehen?
Der Blick durchs Fenster versöhnt uns mit der Welt. Ein stahlblauer Himmel schickt Sonne en masse in die wohlig temperierte Stube. Nur der Sturm, der noch immer durch die nahegelegnen Wälder und über die Äcker fegt, brüllt uns zu: Noch seid ihr nicht ganz aus dem Schneider, Freunde!
Ein bisschen mehr Ruhe würde nicht schaden, so kurz vor Ostern. Aber was will man auch von einer Woche erwarten, die schon mit einem Wasserschaden in der Wohnung begonnen hatte? Ein Waschmaschinen-Schlauch war gerissen und hatte das Wohnzimmer teilweise unter Wasser gesetzt.
Aber es gibt für (fast) alles eine Lösung. Man braucht nur Zeit. Eine handwerklich talentierte Frau. Und gute Nerven.
Frohe Ostern allerseits!