Wenn der Mond die Sonne küsst

Wenn der Mond am hellen Nachmittag die Sonne küsst und der Himmel dabei verschämt den Vorhang zuzieht, dann ist das ein Grund zum Feiern. Die totale Sonnenfinsternis war ein Naturspektakel, wie man es nicht alle Jahre, nicht einmal alle Jahrzehnte sieht.

Wenn die “Total Solar Eclipse” sich dann auch noch direkt über der Farm abspielt, die zu unserem Home Away from Home geworden ist, dann berührt das deine Sinne auf eine Art und Weise, die nur schwer zu beschreiben ist.

Innerhalb kurzer Zeit verwandelt sich der stahlblaue Frühlingshimmel in ein graues Tuch und spielt dann minutenlang Versteckspiel im Stockdunkeln, nur um wenig später den Vorhang wieder zurückzuziehen und dem sonnigen Nachmittag neuen Schwung zu verleihen.

Dazwischen ein Kaleidoskop von Licht und Schatten, Wind und Stille, Wärme und Kälte. Und irgendwann, als der Mond bereits tschüss gesagt hat, erscheint am Horizont etwas, von dem man nicht weiß, ob es nach Sonnenaufgang oder Abendrot aussieht.

Anders als in der Millionenstadt Montreal, wo sich Hunnderttausende zu Sonnenfinsternis-Partys auf der  Île Sainte-Hélène und zahlreichen anderen Parks getroffen haben, ging es auf Cassians Farm beschaulich zu.

Nach einem Mittagessen schnappte sich jeder eine Spezial-Sonnenbrille und blickte, zunächst sehr behutsam, später aber beherzt, in den Himmel.

Vielleicht war dieses Naturspektakel so emotional, weil es lange, sehr lange Zeit dauern wird, bis es sich einem erneut bietet – bei manchen zu lange, um es noch einmal zu erleben.

Wer das Glück hat, so ein Wunder der Natur im Kreise der Familie und mit Freunden zum letzten Mal bestaunen zu können, fühlt dann auch einen Hauch von Demut.

Danke, Natur! Danke, Himmel! Danke, Familie!