Bitte nicht: Eissturm-Alarm!

Es gibt Tage, da wäre ich lieber in Jüchen, in Köln, in Ummendorf und auf Mallorca sowieso. Heute ist so ein Tag. Ein Eissturm ist angesagt – mit Folgen, die im Moment noch nicht abzusehen sind. Die meisten Schulen sind geschlossen, viele Ärzte haben Patiententermine abgesagt, der Busverkehr ist teilweise eingestellt und am Flughafen könnte bald Ende Gelände sein.

Eisstürme gibt es vor allem in Quebec und Ontario, weniger im Westen und im äußersten Osten Kanadas. Sie entstehen durch eine spezielle Schichtung der Luft, vor allem bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Das Szenario: Bei 0 Grad Celsius fällt normaler Regen. Darunter liegt, wie um diese Jahreszeit üblich, noch eine sehr kalte Luftschicht am Boden. Die Regentropfen kühlen beim Fallen stark ab, bleiben aber flüssig. Sobald sie auf Straßen, Bäumen, Stromleitungen oder Autos treffen, gefrieren sie sofort zu Eis.

Wenn das, wie für heute und morgen vorhergesagt, stundenlang weitergeht, bildet sich eine bis zu 10 cm dicke Eisschicht. Wind verstärkt das Problem: Äste brechen, Stromleitungen reißen – der perfekte „Eissturm“.

In der Gegend um Montreal passiert dieses Wetterphänomen relativ häufig, weil dort oft warme Luft aus den USA über kalte arktische Luft gleitet. Der katastrophale Eissturm von 1998 sitzt vielen von uns noch in den Knochen.

Damals waren vier Millionen Menschen bis zu drei Wochen ohne Strom, Tausende Strommasten und Leitungen brachen unter der Eislast zusammen, Wälder, Häuser und Infrastruktur wurden schwer beschädigt, 38 Menschen kamen ums Leben, Tausende mussten ihre Häuser verlassen, das Militär rückte mit 16 000 Soldaten aus. Der Eissturm von 1998 ging als die schlimmste Naturkatastrophe in die Geschichte der Provinz Quebec ein.

Ob es heute wieder so schlimm wird, ist schwer zu sagen. Die Notrufzentren der Feuerwehr und anderer Hilfskräfte sind in Alarmbereitschaft, Hilfstrupps in den benachbarten Provinzen ebenso.

Laptop, Handy und andere Gadgets sind geladen. Kaffee ist für alle Fälle in der Thermoskanne. Neben dem WC stehen gefüllte Container, die notfalls als manuelle Wasserspülung eingesetzt werden können. Der Kerzenvorrat wurde aufgestockt. Es kann losgehen.

Der perfekte Tag, um endlich die Steuererklärung zu machen.

Perfekter Sturm, perfekter Tag für die Steuerklärung.
Schlechte Aussichten: Steht der Eissturm ’26 unmittelbar bevor?

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5 Gedanken zu „Bitte nicht: Eissturm-Alarm!

  1. Bisher halten wir uns wacker. Lore auf dem Land, ich in der Stadt. Ich glaube, sie ist auf der Farm besser aufgehoben. Immerhin könnte sie dort auf dem Holzofen kochen, falls der Strom ausfällt. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf! Die nächste Nacht wird noch kritisch. Dann schau’n mer mal. 👍

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  2. Oh, oh, bei meiner Tochter an der Polytechnique wurden heute und morgen wegen des Eissturms alle Prüfungen abgesagt. Wir haben nicht recht begriffen, warum. Jetzt, nach der Lektüre Deines Beitrags, leider schon. Wie geht es Euch?

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  3. We hope your ice storm is as relatively mild as ours was a few weeks ago. Our community, in particular, was okay because the power lines are buried. That is an expensive option for governments to bear, but it saves money in the long run.

    Be safe. Be warm. Keep on posting.

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  4. Hoffen wir mal, dass uns eine Wiederholung von 1998 erspart bleibt ! Da die Schule meiner Enkel gestern schon bekannt gegeben hat, dass heute die Schule ausfällt, habe ich heute „Dienst“

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