Mein Ferrari gehört mir

Wenn sich Menschen über ihre Rollatoren unterhalten, dann ist das eine Welt für sich. In einem Rollator-Forum, in dem ich seit kurzem Mitglied bin, wird über „meinen Ferrari“ oder „ich liebe meinen Rolls-Royce“ geplaudert, als seien Rollatoren Statussymbole.

Im Grunde genommen sind sie es ja auch. Es gibt die Modelle, denen man ansieht, dass sie von der Krankenkasse bezuschusst werden, und es gibt luxuriösere Versionen wie den stylischen „Carbon Ultralight“ oder den schick-rustikalen „Overland“, beide sind von einer dänischen Firma und kosten um die tausend Dollar,

Eine Dame aus Texas bittet im Forum um Tipps, welche Farbe ihres neuen Rollators am besten zu ihr passt.

Eine Userin aus England schreibt: „Ich habe den in British Racing Green. Ich habe diese Farbe gewählt, weil ich einen dezenten Look wollte, der nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.“

Ein anderer schreibt: „Ich benutze den in Forest Green. Wenn Sie also nicht gerade den Look eines distinguierten älteren Herrn anstreben, würde ich Ihnen auf jeden Fall Champagne Beige empfehlen.“

Eine kalifornische Rollatorin mag es gern ein bisschen glamouröser: „Mein Bentley ist braun. Ach was, er ist eigentlich gar nicht braun, sondern hat eine wunderschöne, glitzernde Farbe. Ich liebe ihn.“

Nach dem Motto „Mein Rollator ist von jetzt an mein Freund“ geben viele ihrem neuen Begleiter sogar einen Namen. Da gibt es alles von „Lizzy“ über „Dorothy“ bis hin zu „My Power Machine“. Manche Rollator-Benutzer lassen sich sogar kreative Aufkleber mit dem Namen ihres Gefährts drucken.

Und dann muss so ein Rollator natürlich immer picobello aussehen. Deshalb werden geheimnisvoll wie im Darknet Tipps für die fachgerechte Reinigung der Griffe und des Sitzes ausgetauscht. Als gehe es darum, das Mysterium des Bermuda-Dreiecks zu enthüllen, verrät eine Userin: „Pssst, but I use Baby Wipes“.

Rollatoren können mehr, als Menschen in ihrer Mobilität zu unterstützen. Sie sind auch ein gutes Kommunikationsmittel.

Als ich noch ganz neu mit dem „Carbon Ultralight“ unterwegs war und mich zum ersten Mal eine ältere Dame fragte, ob sie ein Foto machen dürfe, habe ich meinen frisch erworbenen Rollatoren-Charme wohl etwas überschätzt. Ich warf mich in meine beste Pose: „Nur damit Sie Bescheid wissen: Ich bin verheiratet.“ Sie: „Ich auch. Darf ich meinem Mann trotzdem Ihren Rollator zeigen?“

Neulich hielt eine junge Frau in der Metro ihre Handykamera in meine Richtung. Unsere Blicke trafen sich. Beim Aussteigen lächelte sie etwas verlegen: „Sorry. Foto war für meine Oma.“

Vielen Dank auch, dass mich mal wieder jemand in die Wirklichkeit zurückgeholt hat. Hilfe, ich bin alt!


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6 Gedanken zu „Mein Ferrari gehört mir

  1. Ein Rollator kann durchaus ein Multifunktionsgerät sein, durch die Gespräche über ihn kann man sogar neue Bekanntschaften schließen. Allerdings bin ich bei meinen eher spaßig gemeinten Vorschlägen, im Viertel mal ein Rollatorenrennen zu veranstalten, bislang auf wenig Unterstützung gestoßen. ;-)
    Ich fahre seit fünf Jahren einen Elan Ultralight und bin damit durchaus zufrieden. Die Sitzablage nutze ich bei meinen Ausflügen auch sehr gerne als „Arbeitstisch“ zum Objektiv-, Akku- oder Speicherkartenwechsel meiner Kamera. Der Carbon Ultralight steht allerdings bei mir schon lange auf der Wunschliste, natürlich in Ferrari-Rot. :-D Ein tiefes, sattes Blau würde mir allerdings auch gefallen. ;-)
    Herzliche Grüße!

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