Das Halloween meiner Kindheit

Als in Ummendorf vermutlich noch keiner wusste, wie man Halloween buchstabiert, jagten wir Kinder uns gegenseitig mit Rübengeistern Angst und Schrecken ein.

Statt Kürbisse, wie heute üblich, wurden damals Futterrüben, meist Zuckerrüben, ausgehöhlt und mit gruseligen Gesichtern versehen: Augen, Nasen und weit aufgerissene Münder mit schiefen Zähnen.

War das bizarre Kunstwerk endlich fertig, wurde eine Kerze hineingesteckt, die die geschnitzte Fratze von innen beleuchtete. Weil Kerzen im Wind schon mal ausgingen, kamen manche Buben im Dorf auf die Idee, eine Taschenlampe als Lichtquelle zu benutzen. Das galt zwar als ziemlich effizient, aber eher uncool.

Je schrecklicher die Visage, desto besser. In Ummendorf kannte ich ein halbes Dutzend dunkler Ecken, hinter denen man sich verstecken und vorbeilaufende Kinder erschrecken konnte. Eine davon in der alten Schmiede, auf dem Weg zum Kreuzberg. Die fand ich immer besonders gruselig.

Ein paar Rüpel im Dorf machten sich einen besonderen Spaß daraus, sich zu verkleiden und mit knallenden Peitschen in der Hand für Angst und Schrecken zu sorgen. Da fiel manchem von uns der mit viel Liebe geschnitzte Rübengeist vor Schreck aus der Hand und zerplatzte in tausend Stücke.

Die Rüben zu besorgen, war nie ein Problem. Gerade im Herbst lagen sie haufenweise vor jedem Bauernhof. Dass sich jeder daran bedienen konnte, setzten wir einfach voraus.

Ob das den oft nicht gerade vermögenden Bauern so recht war, interessierte uns damals wenig. Heute fände ich es ziemlich übergriffig, einfach Rüben mitzunehmen, die der Bauer für die Fütterung seiner Tiere über den Winter geerntet hatte.

Woher der Brauch ursprünglich stammt, lässt sich nicht mehr so genau sagen. Rübenlichter gab es jedenfalls schon lange in verschiedenen europäischen Herbst- und Erntetraditionen. Wenn die Tage kürzer und die Nächte kälter wurden, sollten die Lichter Schutz bieten und böse Geister fernhalten.

Uns Kindern war das ehrlich gesagt ziemlich egal. „Riabagoischtr“, wie die leuchtenden Fratzen bei uns hießen, gehörten einfach zum Herbst wie die brennenden Kartoffelfelder und das Eintreiben der Kühe, die den ganzen Sommer über auf den Futterwiesen verbracht hatten.


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