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Über Herbert Bopp

Deutscher Journalist bloggt aus Kanada. Lebt in Montréal, auf Mallorca und im Internet. Mag Kommentare am liebsten per Mail: bloghausmail@herbertbopp.com

Griff in die digitale Fotokiste

Montreal: „Clock Tower“ und Jacques-Cartier-Brücke

Weil dieser Blog mir ganz persönlich auch als eine Art digitales Tagebuch dient, lade ich einfach mal schamlos ein paar Erinnerungsfotos hoch, die sich während der letzten drei Tage in meinem iPhone angesammelt haben.

Es sind Bilder von meinen eBike-Touren, die mich diesmal in die Städtchen Lachine und Pointe-aux-Trembles geführt haben.

Lachine liegt ca. 25 Kilometer westlich von Montreal, Pointe-aux-Trembles etwa 35 Kilometer östlich von hier. Beide Orte sind stark industriell geprägt.

Lachine hat sich allerdings in den letzten Jahren zu einer Art Naherholungsgebiet gemausert. Es gibt dort viele kleine Restaurants, Bistros und Cafés, aber auch einen Kanu-Club, mehrere Bootsanlegestellen und einen Leuchtturm auf einer kleiner Landzunge, um den sich regelmäßig Fischer scharen.

Pointe-aux-Trembles liegt zwar, wie Lachine, auch am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Aber von Bistros und schnuckeligen Restaurants wäre mir dort nichts bekannt. Es ist noch immer eine vorwiegend von Industrie- und Hafenanlagen geprägte Gegend. Zwischen den Raffinerien und Werften liegen einfache, aber freundlich-gepflegte Wohnsiedlungen.

Erstaunlich: Selbst in diese Gegenden führt ein exzellentes Netz von Fahrradwegen. Die Montrealer Oberbürgermeisterin Valérie Plante hat sich damit in meinem Herzen einen Logenplatz geschaffen. Allerdings denken viele Autofahrer anders. In der Tat ist die Verkehrsführung an einigen Stellen unübersichtlich geworden – nicht für Radler, sondern für Autofahrer.

Um nach Pointe-aux-Trembles zu kommen, epmfiehlt sich der Fluss-Shuttle. Wie neulich schon auf dem Weg nach Boucherville habe ich für den 30minütigen Hinweg vom Montrealer Hafen aus die Fähre genommen. Bei dieser Gelegenheit habe ich einen kleinen Schlenker zum neuen Aussichtsturm gemacht. Er ist erst seit ein paar Tagen in Betrieb. Entsprechend menschenleer waren die Parkanlagen am Fuße des Towers noch bei meinem Besuch..

Auch über die Jacques-Cartier-Brücke bin ich wieder geradelt. Die wiederum führt auf die beiden Inseln île Sainte-Hélène und Île Notre-Dame im Sankt-Lorenz-Strom. Erst vor zwei Wochen lieferten sich noch die Formel-Eins-Piloten auf der Île Notre-Dame beim Großen Preis von Kanada rasante Rennen. Inzwischen ist die Rennstrecke wieder für Radler geöffnet.

Etwas getrübt wurden die Fahrradtouren der letzten Tage im Wortsinne durch die Auswirkungen der katastrophalen Waldbrände im Norden von Quebec.

Zum ersten Mal wurde das traditionelle Feuerwerk anlässlich des morgigen Nationalfeiertags abgeblasen.

Ob mit oder ohne Kracher: Allen meinen kanadischen Freunden wünsche ich Happy Canada Day!

Auf der Fähre nach Pointe-aux-Trembles
Kiosk-Nostalgie in Pointe-aux-Trembles
Hafenanlagen im Osten von Montreal
Frachter im St-Lorenz-Strom auf dem Weg nach Pointe-aux-Trembles
Schiffssanlegestelle in Pointe-aux-Trembles
Der radelnde Blogger auf der Jacques-Cartier-Brücke
Île-Ste-Hélène mit „Biosphère“, ein Übrigbleibsel der „Expo 67“
Leuchtturm in Lachine
Kanada-Gänse zum „Canada Day“ auf dem Weg nach Lachine
Neue Aussichtsplattform im Alten Hafen
Noch menschenleer: Der Park unterm Aussichtsturm
Vergnügungsschiff im Sankt-Lorenz-Strom
Kunst am Strom
Montreal und drumherum: Ein Herz für Radfahrer
Bootsverleih mit Atwater Market im Hintergrund
Radler-Pause in der Altstadt
Place Jacques Cartier
Blick von der Dachterrasse in die Montrealer Innenstadt
Der Smog, der einfach nicht weichen will

Die schlechteste Luft der Welt

Die 3600 Athletinnen aus aller Welt waren startklar. Doch eine Stunde vor dem Anpfiff kam der Abpfiff: Der „Half Ironman“ im Bergdorf Mont-Tremblant, zwei Autostunden nördlich von Montreal, wurde abgesagt. 1.9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21.1 km Laufen? Nicht unter diesen Bedingungen, entschied die zuständige Behörde.

Abgeblasen wurde, neben vielen kleineren Events, auch der „Junioren“-Teil des Triathlons in Montreal. Auch an ihm nehmen jährlich Hunderte aus aller Welt teil. Viele tausend Zuschauer fiebern mit.

Grund für die Stornierungen ist der Waldbrand-Smog aus dem Norden von Quebec, der jetzt auch den Süden der Provinz mit einem gefährlichen Mantel bedeckt. Am schlimmsten betroffen ist die Millionenstadt Montreal. Dort wurden heute die weltweit schlechtesten Luftwerte gemessen.

Wo ist meine Stadt geblieben? Ein Blick aus dem Wohnzimmerfenster führt in eine graue Suppe. Keine glitzernden Wolkenkratzer, kein frisches Grün aus der Parkanlage vor unserem Gebäude. Kaum Menschen auf der Straße. Dort, wo sonst Tausende Jogger, Radfahrer und – auf dem Lachine-Kanal – Kajakfahrer unterwegs sind, herrscht fast Totenstille.

SCHLAGZEILE IN „LA PRESSE“: Schlechteste Luft der Welt.

Die Waldbrände, die uns heute den Rekord der „schlechtesten Luftwerte der Welt“ eingebrockt haben, toben seit Wochen im Norden der Provinz Quebec. Mehr als 6000 Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen. In der vergangenen Nacht wurden die 7500 Bewohner der Ortschaft Chibougamau in Alarmbereitschaft versetzt. Auch dort droht eine Komplett-Evakuierung.

Die schlimmsten Waldbrände seit Menschengedenken sind auf eine Hitzewele mit ungewöhnlich hohen Temperaturen zurückzuführen.

Wer immer noch Zweifel am Klimawandel hat, sollte sich die Fernsehbilder von verzweifelten Menschen ansehen, die buchstäblich bei Nacht und Nebel ihre Häuser verlassen müssen.

Dinner mit Tapas und „Valentina“

Wenn Peter und Laurette einladen, sind zwei Dinge schon mal geklärt: Gepflegtes Essen und beste Unterhaltung. Gestern war es wieder so weit: Die knapp zweistündige Fahrt von Montreal nach Sherbrooke in den „Eastern Townships“ bildete den Auftakt zu einem wunderbaren Tag bei langjährigen Freunden.

Zu Feiern gab es einiges: Offizieller Sommeranfang. Längster Tag des Jahres. Eröffnung der Balkon-Saison. Und meinen Roman „Tapas, Vino Valentina“, den Peter als einer der Ersten gelesen hatte.

Dass es zum Nachtisch mallorquinischen Mandelkuchen geben würde, hatte ich bereits vermutet. Dass er sein selbstgebackenes Œuvre auf der eigens gedruckten Speisekarte dann aber „Valentina“ taufte, rührte mich dann doch. Ein Gedicht als Ode an den Roman.

Unter dem Titel „TAPAS, TOWNSHIPS, TRAVIATA“ servierte der Opernfreund Dr. Peter Bernath eine rauschende Menüfolge, die in gedruckter Form nur ansatzweise dem wahren Genuss der erlesenen Speisen gerecht wird:

Scharfe Shrimps

Räucherlachs

GeschmortOs

Knoblauchkartoffeln

„Dreifaltiger Aufschnitt“ mit Lachsschinken, Kassler und Chorizo

Eine „Kleine Käserei“

Das Ganze mit Peters selbstgebackenem Brot

Zum Dessert wurde der oben gepriesene Mallorquinische Mandelkuchen „Valentina“ gereicht.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit (Achtung, Rückreise!) gab es ausnahmsweise weder Vino noch Sangria. Dafür sorgte das „Mineralwasser Château La Pompe“ an diesem heißen Sommernachmittag für die willkommene Erfrischung.

Zum kulinarischen Teil des Nachmittags gab es, wie immer bei Peter und Laurette, Gespräche, die sich um Filme, Opern, Bücher, Weine und Reisen drehten. Aber auch um das richtige Leben und um Alters-Perspektiven und Möglichkeiten, die letzten Jahre möglichst sinnvoll und sorgenfrei zu verbringen. Immerhin hat die dreiköpfige Tischgesellschaft zusammen um die 240 Jahre auf dem Buckel.

Wer mehr über meinen Freund Peter wissen möchte: >> HIER << gibt es einen eigenen Blogpost über ihn.

Von einer Insel zur anderen

Dass Montreal eine Insel im Sankt-Lorenz-Strom ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Dass es aber im Sankt-Lorenz-Strom noch eine Reihe von anderen Inseln gibt, deren Namen man noch nie gehört hat, ist zumindest erwähnenswert.

Um den Ort Boucherville herum, gut 30 Kilometer östlich von Montreal, gibt es eine Ansammlung von mehreren kleineren und einer großen Insel. Eine davon ist ein Naturschutzpark. Dahin hat mich die heutige Tour mit dem eBike geführt.

Der Auftakt ist spektakulär: Vom Alten Hafen aus geht es mit der Fähre 30 Minuten lang in Richtung Osten. Links tut sich die Skyline von Montreal auf, mit dem Frachthafen und im Hintergrund dem Olympiastadion. Rechts dann der Vergnügungspark La Ronde, kleine Dörfer und Cottages am Ufer entlang.

Nach der Ankunft in dem Ort Boucherville heißt es umsteigen in eine andere Fähre. Jetzt geht es 15 Minuten lang auf die gleichnamige Insel.

Der Naturschutzpark ist als Vogelparadies bekannt. Außerdem gibt es mehrere Campingplätze, einen ziemlich naturbelassenen Golfplatz, Sportplätze und kilometerlange Wanderpfade und Fahrradwege.

Wild ist anders, aber es ist ein schönes Stück Natur, das sich vor den Toren der Millionenstadt auftut.

Die Fähre von Montreal nach Boucherville ist übrigens in erster Linie für Berufspendler gedacht. Freizeitradler wie ich sind eher selten anzutreffen. Grund genug für den Kapitän (Alexis, Mitte) und den Bootsmann (Johan, links) des Schiffes, sich mit dem eBiker in Pose zu stellen.

Formel Eins im Waldbrand-Nebel

Wo ist meine schöne Stadt geblieben? Der stahlblaue Himmel, die schillernden Wolkenkratzer mit dem Adirondacks-Gebirge in der Ferne? Wo sind die glitzernden Metallbrücken, die Besucher willkommen heißen? Nicht einmal der Sankt-Lorenz-Strom in seinem mächtigen Flussbett ist mehr von der Aussichtsplattform des „Mont Royal“ zu sehen.

Ausgerechnet jetzt, da Hunderttausende nach Montreal gereist sind, um dem Formel-Eins-Rennen am Sonntag beizuwohnen, ist die Stadt meines Herzens im Dunstschleier der Waldbrände versunken, die noch immer im Norden der Provinz Quebec toben.

Ich muss zugeben: Es erfüllt mich jedes Jahr mit Stolz, wenn die Welt nach Montreal blickt und mit den Formel-Eins-Piloten auf der spektakulären Rennstrecke von Île Notre-Dame fiebert.

Montreal ist eine tolle Stadt, die alles zu bieten hat, was die Besucher aus aller Welt suchen.

Erst heute gab es in der „Montreal Gazette“ wieder eine Reportage über den Formel-Eins-Zirkus mit all seinen Facetten: Den Partys, den coolen Straßencafés, dem ausgelassenen Nachtleben und den feinen Restaurants.

Diese Mischung aus französischem Savoir Vivre und American Way of Life fasziniert wohl nicht nur mich seit Jahrzehnten. Immer wieder taucht diese Beschreibung in Gesprächen mit Besuchern auf.

In der „Gazette“ wird heute ein US-Amerikaner zitiert, der seit 20 Jahren kein Formel-Eins-Rennen in Montreal ausgelassen hat. Er habe schon F1-Events in Monaco und vielen anderen Teilen der Welt gesehen. Montreal toppe sie alle. Nicht nur wegen der ziemlich spektakulären Rennstrecke, sondern vor allem wegen der einzigartigen Stimmung, die am F1-Wochenende in der Stadt herrscht.

STOPP auf dem Mont Royal: Smog über der City

Und jetzt also eine fette Dunstglocke. Nicht nur das: Das Thermometer zeigt gerade mal 16 Grad und es regnet. Dabei war es, ich schwöre es, noch bis gestern heiß hier.

Ob kühle Temperaturen und Waldbrand-Smog die Stimmung der Partygäste beeinträchtigen wird? Ich bezweifle es. Regen sorgt für Spannung auf der Piste. Und den Rest trinkt man sich einfach schön.

Sage nicht ich, sondern sagt ein Kerl, den ich an der Kasse im Supermarkt getroffen habe. Aus Pennsylvania/USA sei er angereist, um das Rennen zu sehen – zusammen mit seinen vier Kumpels. Jeder von ihnen schleppte eine 24er-Kiste Bier aus dem Laden.

„Wir feiern schon mal vor“, rief er mir zum Abschied zu. „Kommst du mit?“

Nein danke. Benebelt muss ich das Wochenende im Nebel dann doch nicht erleben.