Postkartenidylle für Genießer

elmo_bannerManche Dinge sind einfach zu schön, um sie nur einmal zu genießen. Nehmen wir die Wanderung von Port d’Andratx nach Sant Elm im Südwesten von Mallorca. Die knapp 15 Kilometer lange Strecke haben wir heute bei sommerlichen Temperaturen bereits zum zweitenmal hinter uns gebracht.

Und wieder war es der Aufstieg zum 300 Meter hoch gelegenen Pas Vermell, der uns um ein Haar den Spaß an der Freude genommen hätte. Erst wenn der mit pompösen Prunkvillen zubetonierte Hausberg von Port d’Andratx hinter einem liegt, fängt das Vergnügen an.

Übrigens: Auch nach mehr als einem halben Dutzend Besuchen von Port d’Andratx ist es mir noch immer ein Rätsel, wie ausgerechnet diese Ansammlung von Betonklötzen zu dem Ruf gekommen ist, das Eldorado für Mallorca-Promis zu sein. Die – zugegeben hübsche – Hafenpromenade allein kann es ja wohl nicht sein.

Der Rest der Wanderung ist spektakulär. Das Panorama, das sich einem aus 350 Meter Höhe bietet: eine Wucht. Märchenhaft, wie sich die sanft geschnittene Insel Dragonera vor einem ausbreitet. Im Nordwesten der mehr als 1000 Meter hohe Puig de Galatzó, nicht weit davon davon entfernt sorgt der 920 Meter Berg Mola de s’Esclop für eine Traumkulisse.

Und dann das Meer! Ein erlesenes Farbenkaleidoskop, als würden die schönsten Flecken der Karibik mal kurz dem Mittelmeer Hallo sagen.

Diese Wanderung gehört nicht zu den leichtesten, die wir hinter uns haben. Aber sie ist durchaus auch von nicht sehr erfahrenen Hikern zu stemmen. Bei den hochsommerlichen Temperaturen, die heute herrschten, war allerdings der Fitness-Faktor nicht zu unterschätzen.

Ein Glück, dass es gleich nach dem Abstieg zu dem hübschen Dorf St. Elm eine verwunschene Bucht gibt. Das Fußbad musste einfach sein, das dazugehörige Foto auch.

Den Blogpost von der letzten Wanderung gibt’s  >> HIER <<

Blütentour für die Sinne

Die Strecke zwischen Deià und Sóller gilt unter Mallorca-Wanderern als der Klassiker schlechthin. Wir waren heute schon zum vierten Mal auf ihr unterwegs. Nur: Diesmal haben wir diese paradiesische Route in der Gegenrichtung erwandert.

Mit dem Bus von Palma kommend, sind wir morgens in Sóller losmarschiert, um am späten Nachmittag in Deià einzutreffen. Und wieder waren es grandiose Ausblicke, Eindrücke und Erfahrungen, die wir von dieser Wanderung mitgenommen haben. Gerade jetzt, im mallorquinischen Spätfrühlung, verschlägt einem die Blütenpracht den Atem.

Wer gut zu Fuß ist und sich während seines Mallorca-Aufenthalts einen einzigen Wandertag gönnen möchte, sollte sich diese paradiesische Berg- und Talwanderung nicht entgehen lassen. Sie ist vielseitig, weil Berge erklommen, Täler durchwandert und Meerblicke genossen werden. Sie ist kurzweilig, weil sich die Natur von einer Minute auf die andere von einer völlig anderen Seite zeigt.

Lag eben noch in der Ferne der türkisfarbene Mittelmeerstrand vor einem, bauen sich im nächsten Moment Zitronen- und Orangenfelder, Feigenbäume, Avocados, Walnüsse, Mispeln, Feigen und all die anderen Früchte vor einem auf, die der Mittelmeerraum so zu bieten hat.

Immer wieder ein Highlight: Ein Stopp bei der Finca Son Mico. Ein Glas frisch gepresster Orangensaft mit einem Stück Orangen-, Birnen- oder Mandelkuchen direkt aus dem Backofen – die Señoras, wissen, wie man es seinen Gästen recht macht. Allein für den fantastischen Blick in das „Goldene Tal“ von Sóller würde sich der Aufstieg zu dem traumhaft schönen Gehöft lohnen.

Auch wenn die Auf- und Abstiege nicht zu unterschätzen sind, gilt die Wanderung von Deià nach Sóller als nicht besonders schwierig. Perfekt also für Neueinsteiger, denen Strandspaziergänge zu eintönig und Shoppingtrips zu teuer sind.

High Noon in Sa Pobla

poblaWir waren gewarnt worden. Eine Stadt, über die der Reiseführer schreibt, dass dort jetzt auch der Kreisverkehr eingeführt worden sei, ist vielleicht doch nicht gerade das perfekte Ausflugsziel. Sa Pobla ist das etwas andere Mallorca, keine besonders schöne Stadt. Und doch hat sich die Bahnfahrt in den Norden der Insel gelohnt.

Ein Bahnhof, der den Charme einer Stehbierhalle ausströmt, umgeben von Wildwucher und Industriegebäuden, die ihre Zukunft schon hinter sich haben – so empfängt Sa Pobla den vom Palma-Zauber verwöhnten Besucher nach eineinviertelstündiger Bahnfahrt.

Dummerweise trafen wir während der Siesta in Sa Pobla ein. Ein Hauch von High Noon wehte über den verstaubten Straßen. Wäre John Wayne mit gezücktem Colt um die Ecke geritten – wir hätten uns nicht weiter gewundert.

Nur einmal im Jahr tanzt in Sa Pobla der Bär: Im Januar, wenn der Schutzheilige St. Antoni mit Feuer spuckendem Tamtam gefeiert wird, strömen Zigtausende in das Städtchen, grillen, tanzen, singen, trinken. Danach kehrt wieder Ruhe in den Ort.

Die wenigen Menschen, die uns gestern doch noch begegnet sind: Liebenswürdig, höflich, freundlich und zuvorkommend. Mallorca eben.

Schlagzeilen machte der Ort mit seinen 13.000 Einwohnern im Jahr 2011. Damals erließ die Stadtverwaltung als erste mallorquinische Kommune ein absolutes Burkaverbot. Wer sich trotzdem voll verschleiert in der Öffentlichkeit sehen lässt, riskiert hohe Geldstrafen.

Wir ließen uns an diesem freundlichen Montagnachmittag weder von Burkaverboten, noch von Feuerteufeln oder gar Verkehrsrondellen die Laune verderben – und gleich gar nicht den Appetit.

In einem unscheinbaren Lokal, das in der Übersetzung „Die verrückte Krake“ heißt („El Pulpo koco“), servierte uns der charismatische Patron die beste Paella seit langem.

Kaum war die Rechnung beglichen, machte der Wirt seinen Laden dicht. Möglich, dass er anschließend auch gleich den Bürgersteig vor seinem Lokal hochklappte.

Wir jedenfalls nahmen nicht ungern den nächsten Zug zurück nach Palma.

Einige Informationen stammen von der Webseite „Mallorca alles inklusive“

Bergwanderung mit Klosterblick

lluc_bannerGanz ohne Geschichte geht auf Mallorca nur wenig. So umkreist natürlich auch das Kloster Lluc im Nordwesten der Insel eine eigene Legende. Das Santuari de Santa Maria de Lluc gilt heute als das spirituelle Zentrum Mallorcas. Für uns war es Start und Ziel einer Berg- und Talwanderung mit fantastischen Ausblicken.

Die Gründungslegende des Klosters erzählt von einem maurischen Hirtenjungen namens Lluc, dessen Eltern zum Christentum konvertiert waren. Dieser soll im Jahr 1229 an einem Samstagnachmittag zwischen den Felsen am Ufer des Baches eine dunkle Marienstatue der Gottesmutter gefunden haben. Die Figur wurde noch am selben Tag in die Pfarrkirche des Dorfes Escorca gebracht.

Als sich die Gläubigen am nächsten Morgen trafen, um die Madonnenstatue zu verehren, war sie verschwunden. Man fand sie am ursprünglichen Fundort am Bachufer wieder. Der Pfarrer beauftragte daraufhin den Bau einer Kapelle. Heute ist diese Kapelle Teil des Kloster Lluc.

Eine hübsche Geschichte, die den Rahmen für eine wunderschöne Wanderung bildete. Fast 15 Kilometer beträgt die Strecke, zu der wir dank ausführlicher Foto-, Vesper- und Fußbadpausen knapp viereinhalb Stunden benötigten. So etwas nennt sich dann „Kleine Rundwanderung um das Kloster“.

Besonders aufregend war diesmal nicht der Fußweg selbst, der durch schattige Bergeichenwälder führt. Es waren vielmehr die fantastischen Ausblicke. Der 1365 Meter hohe Puig de Massanella, der Puig Tomir (1104 Meter) im Nordosten und der Puig Roig (1003 Meter) im Nordwesten.

Auf dem Rückweg ins Tal führt die Tour durch einen labyrinthartigen Steingarten, eine Ansammlung von bizarren Felsformationen, die der Fantasie des Wanderers freien Lauf lassen. Hatte man eben noch den Eindruck, hier habe ein überdimensionaler Schaufelbagger Aufräumarbeit geleistet, sieht der nächste Felsbrocken aus, als hätten sich fleißige Dinosaurierzähne daran zu schaffen gemacht.

Kurz vor Ende der Wanderung bekommt der Inselgast dann noch einen Einblick in die Seele des Mallorquiners. Er isst und feiert gern. Die hübsch angelegten Picknickplätze waren an diesem Samstag von Einheimischen frequentiert, die bei sommerlichen Temperaturen das Wochenende bei Grillwurst oder Paella und Gambas einläuteten – immer mit der Großfamilie im Schlepptau.

Die 75minütige Rückfahrt vom Kloster Lluc nach Palma ist nicht weniger abenteuerlich als die Wanderung selbst. Virtuos navigiert der Busfahrer seinen Gelben Riesen durch Haarnadelkurven, die dem müden Klosterwanderer einen Blick in die Abgründe einer grandiosen Berglandschaft ermöglichen.

Strandwanderung mit Hippie-End

bannerEs Trenc gilt als der schönste Strand Mallorcas. Klar, dass die Bucht im Südosten der Insel von Einheimischen und Touristen oft gnadenlos überrannt wird. Wir haben mit unserer heutigen Wanderung dort angefangen, wo die meisten aufhören. Von Colònia de Sant Jordi sind wir in knapp vier Stunden zum Cap de ses Salines marschiert, dem südlichsten Punkt Mallorcas. Eine grandiose Idee, wie sich herausstellen sollte.

Strandspaziergänge sind die kleinen Schwestern der Bergwanderungen. Gemächlichen Schrittes tappt man von Bucht zu Bucht, mal auf Sand, mal auf Kies, dann wieder auf Felsbrocken. Zwischendurch Wassertreten im tief-türkisfarbenen Meer in der sommerlichen Hitze.

Ständige Begleiterinnen waren von Anfang bis zum Schluss die südlich im Meer gelegenen Inseln, die zum Parc Nacional de Cabrera gehören – ein fantastischer Anblick. Am Ende der ca. 12 Kilometer langen Wanderung dann der Leuchtturm von Ses Salines. Weiß und stolz erhebt er sich hinter einem Wald von liebevoll gebauten Steinmännchen, die Wanderer wie wir als kleines Dankeschön an die gewaltige Natur hinterlassen haben.

Die eigentliche Herausforderung des Tages wartete jedoch am Ende der Strandtour auf uns. Mit dem Bus waren wir am Morgen die eineinhalb Stunden von Palma nach Colònia de Sant Jordi gereist. Soweit, so gut. Nur: Vom Endpunkt der Wanderung gibt es keine Verbindung in den etwa zweieinhalb Stunden Fußmarsch entfernten Ort Ses Salines, von wo aus uns ein Überlandbus wieder nach Palma zurück bringen soll. Zu Fuß wäre die Strecke über die Landstraße im vorgegeben zeitlichen Rahmen kaum zu schaffen gewesen. Was also tun?

Man streckt den Daumen raus, wie zuletzt anno 1967.

Wir hatten doppeltes Glück: Nicht nur nahm uns beim Trampen gleich das erste Auto mit. Fahrer und Beifahrerin waren Alt-68er mit Hippie- und Weltenbummler-Vergangenheit wie wir – dazuhin Landsleute aus dem Schwäbischen. So endete diese gnadenlos schöne Strandwanderung bei Vino und anderen Getränken gemeinsam mit neuen Bekannten in einer gemütlichen Bodega. Geschichten von Kuba, Uruguay und Alaska machten die Runde. Und natürlich auch von einer Strandwanderung zum südlichsten Punkt Mallorcas.

Später, im Bus, sagt SIE: „So stelle ich mir den absolut perfekten Tag vor“. Stimmt. Einer mit Hippie-Happy-End.