Was ich mir am Ende dieses Horrorjahrs 2016 wünsche:

xmas2016

Freunde, die bleiben und nicht sterben (Norbert! Bernd!).

Keine Krankheiten, die einen ausbremsen.

Keine Mörder die dem Irrglauben verfallen, das stehe so in ihren Büchern.

Ich wünsche mir weniger Abtritte (Cohen/Bowie/Prince etc.) und mehr Auftritte von Freunden (Matt Holubowski, Bobby Dove etc.)

Ich wünsche mir wieder ein Amerika, so wie ich es schätzen und lieben gelernt habe, als ich vor 35 Jahren auf diesen Kontinent kam. Keines, für das ich mich schämen muss. Und auch keines, in dem ein künftiger Präsident glaubt, mit der Erderwärmung sei zu spaßen.

Deshalb wünsche ich mir auch weniger Schnee auf den Straßen, dafür wieder mehr Eis in der Arktis.

Ich wünsche mir ein Mallorca, das uns auch diesen Winter wieder mit Wärme und Freundlichkeit empfängt.

Ich wünsche meinen Freunden, die Bücher schreiben, Filme machen, die vor der Kamera stehen oder hinterm Mikrofon sitzen, die für Zeitungen, Magazine und für Onlineportale arbeiten oder ihren Lebensunterhalt mit Musik und schönen Bildern verdienen, weiterhin ein kreatives Händchen und auch die Leidenschaft, die ihnen ihr Beruf abfordert.

Ich wünsche mir  mutige Politiker, die sich nicht von rassistischen Nein-Sagern einschüchtern lassen (Deutschland) und die sich nicht scheuen, neue Wege zu gehen und dafür die Gnade der Jugend zelebrieren (Kanada).

Ich wünsche mir, dass wir als Familie stark bleiben und gesund.

In eisigen Zeiten wie diesen heißt es näher zusammen rücken. Wenn dieser Blog auch im 5. Jahr seines Bestehens einen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, diese Nähe zu spüren, freue ich mich mit Euch, mit Ihnen.

Frohe Feiertage und einen guten Rutsch!

 

Der Mann mit den Traumjobs: Reporter und Airbus-Kapitän

Airbus A340 – Copyright: Lufthansa

Mein Kumpel Joerg war hier: „Stern“-Reporter. SWF3-Moderator. Airbus-Kapitän. Im Irish Pub in Montreal plauderten wir eine Nacht lang über das Fliegen, den Journalismus, die Welt – und ein bisschen auch über Gott. Aus aktuellem Anlass heute ein Blogpost, der in ähnlicher Form schon einmal an dieser Stelle erschienen war.

Journalist wollte ich schon immer werden. Hätte ich mir diesen Lebenstraum nicht erfüllt, wäre ich auf Plan P umgestiegen: Pilot. Ein Freund von mir hat sich beide Träume erfüllt. Er war „Stern“-Reporter und SWF3-Moderator. Jetzt ist er Airbus-Kapitän bei der Lufthansa. Heute treffen wir uns mal wieder in Montréal.

In Montréal war er nur eine Nacht. Wieder einmal. Die Stadt meines Herzens fliegt er häufig an. Joerg liebt Montréal. Er würde gut hierher passen. Ein Kerl, knorrig wie ein kanadischer Ahornbaum. Warum sehen Piloten eigentlich immer aus, wie sich Hänschen Piloten vorstellt? Ein Gesicht voll gelebtes Leben. Es gibt Frauen, die träumen von solchen Männern. Ich träume von der Karriere, die dieser Mann hingelegt hat.

Einsatz in Harlem: Als 24jähriger Reporter unterwegs mit der Feuerwehr

Mit gerade mal 24 ging er für den „Stern“ nach New York. Für eine Reportage über Feuerwehreinsätze in Harlem. Es war die Zeit, als dort viel „heiß saniert“ wurde. Die Firefighters kamen nicht zur Ruhe. Tag und Nacht im Einsatz. Genau wie Joerg, der rasende Reporter.

Einsatz bei SWF 3: Toller Journalist mit geiler Stimme

Vorher schon hatte er beim Südwestfunk angedockt. SWF3 war damals die erste Radio-Adresse für die meisten Jugendlichen in Deutschland. Mit diesem Sender bin ich groß geworden. Und mein Kumpel Joerg hinterm Mikro. Wahnsinn. Mehr geht nicht, wenn du jung bist, eine geile Stimme hast und reden kannst wie ein Weltmeister. Wir hatten damals viel miteinander zu tun. Ich lieferte für Joerg die Korrespondenten-Beiträge aus Kanada und Alaska. Er moderierte sie an.

Einsatz Cockpit: Seine Bordansagen klingen noch immer wie damals beim Radio

Toll reden kann Joerg noch immer. Aber er sitzt jetzt nicht mehr im Rundfunkstudio, sondern im Cockpit. Von dort aus macht er die Bordansagen. Er ist Kapitän geworden. Bei der Lufthansa. Im Airbus A 340. Ein Kollege war zufällig mal auf einer Maschine, als Joerg das Kommando im Cockpit hatte: „Seine Bordansagen klingen noch immer wie damals bei SWF3“. Nur: Jetzt interviewt Joerg nicht mehr Popstars und Politiker. Er kündigt Sonnenuntergänge und Windgeschwindigkeiten an. Lebt immer noch sein pralles Leben.

Einsatz weltweit: Schanghai, Rio, Alaska, Montréal …

Joerg fliegt nur noch Langstrecken. China. Indien. Südamerika. Kanada. Neulich hat er seinen Sohn mit nach Alaska genommen. Zum Fischen. Zwei Brummer von Lachsen hat der Kleine aus dem Fluss gezogen. Da strahlt der Papa.

Tolles Leben? Schon. Jetlag? Klar. Aber da muss ein Käpt’n durch. Noch Träume? Ja. Weniger fliegen. Mehr Zeit für den Sohn. Und regelmäßiger Schlaf.

Mein Mitleid für meinen Kumpel hält sich in Grenzen. Zwei Traumjobs in einem Leben – wer hat das schon? Und ich dachte immer, ich hätte den Sechser im Lotto gezogen.