Die 1. Woche ist geschafft!

JAKOBSWEG, Tag 7 – 24 Kilometer von Nájera nach Santo Domingo de Calzada

FÜR HASSO

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.

Wo ist nur die Zeit geblieben? Vor genau einer Woche hatten wir unsere Pilgerwanderung in Pamplona begonnen. Ein bisschen Bammel verspürten wir schon. Wir konnten schließlich nicht wissen, worauf wir uns da einlassen würden.

Sieben Tage später haben wir keine Zweifel mehr: Der Camino ist für uns schon jetzt das Abenteuer unseres Lebens. Dabei haben wir noch nicht einmal ein Viertel des Wegs bis nach Santiago de Compostela zurückgelegt.

Die 24 Kilometer von Nájera nach Santo Domingo de Calzada waren wieder von Anfang an ein Augenschmaus.

Nachdem wir drei Tage hintereinander die für ihren hervorragenden Wein weltweit bekannte Rioja-Gegend durchwandert haben, sind wir inzwischen in einem sehr landwirtschaftlich geprägten Flecken Spaniens gelandet.

Fernlastzüge aus ganz Europa stauten sich am Ortseingang von Santo Domingo, wo riesige Mengen an Kartoffeln verladen wurden. Auch die Rapsfelder geben Zeugnis von der landwirtschaftlichen Nutzung dieser Gegend.

Nach einer anstrengenden Wanderung ein Bett für die Nacht zu finden, ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Das Ritual wiederholt sich Abend für Abend. Nach der Ankunft in der jeweiligen Stadt setzen wir uns erst einmal in eine Bar und beratschlagen unsere Optionen.

Es gibt im Grunde genommen drei Möglichkeiten:

Christliche Pilgerheime, die pro Bett um die 7 Euro kosten.

Kommunale Pilgereinrichtungen, die geringfügig teurer sind.

Private Hostels, die etwas mehr Komfort bieten, zum Beispiel private Duschen. 

Man bezahlt zwar etwas mehr dafür, aber die damit verbundene Privatsphäre ist es uns wert. Mehr als 55 Euros haben wir noch nie für ein Doppelzimmer hingelegt, meistens waren es weniger.

Wie so ein Pilgertag aussieht? Nach einer Woche haben wir schon eine ordentliche Routine entwickelt:

Wir wachen auf, wenn der erste Hahn kräht, die ersten Hunde bellen oder eisige Luft durchs offene Fenster strömt, so wie heute Morgen in der Kloster-Herberge.

Nach einer kleinen Internet-Session im Bett gibt’s eine kurze Katzenwäsche. Geduscht wird immer am Vorabend, so dass wir frühmorgens keine Zeit verlieren.

Ganz wichtig ist die Fußinspektion. Kleine Wunden oder gar Blasen müssen sofort behandelt werden. Eine Infektion könnte unsere kompletten Pläne zerstören.

Die Füße sind das Kapital des Pilgers. Deshalb wird ihnen eine auserlesene Pflege zuteil. Sie werden jeden Morgen mit Vaseline eingecremt. Auf die bei Jakobswanderern so beliebte Hirschtalgsalbe haben wir bisher verzichtet. Mit Vaseline laufen wir seit Jahren gut.

Neu für uns sind die Perlonstrümpfe unter den Wandersocken. Mir haben sie bisher gute Dienste geleistet und auch Lores Blase auf der Fußsohle ist trotz der langen Strecken so gut wie abgeheilt.

Wir fühlen uns also trotz der körperlichen Strapazen wunderbar.

Ohne Muskelkater geht so eine Gewalttour allerdings bei den wenigsten ab. Entsprechend ähnelt sich die Choreografie der müden Krieger, wenn sie sich abends noch aus den Hostels in die Dörfer wagen. Man erkennt sie sofort am schrägen Gang.

Beim Frühstück in irgendeiner Bar besprechen wir dann die Tagesstrecke. Es gibt inzwischen ganz gute Apps, die Streckenabschnitte einschließlich Übernachtungsmöglichkeiten vorschlagen. Zu sehr sollte man sich jedoch darauf nicht verlassen.

Die letzte Entscheidung, welches Hostel wir ansteuern, fällen wir immer abends, spontan nach unserer Ankunft vor Ort.

Während der ersten paar Tage war es ein seltsames Gefühl, bis zum Abend nicht zu wissen, wo wir die Nacht verbringen werden. Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt. Schließlich ist bisher immer alles gut gegangen.

Im Vergleich zu den ausschließlich  jüngeren Pilgern – einen 70jährigen Wanderer habe ich bisher nicht getroffen –   liegt unser Tagespensum von 20 bis 25 Kilometer zwar unterm Schnitt. Uns reicht es aber, zumal wir ein wesentlich größeres Zeitfenster zur Verfügung haben als die meisten.

Und natürlich gab es auch heute wieder Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Chris ist einer davon. Er kommt aus Exeter in England und hätte den Camino liebend gerne mit seiner Freundin gemacht. Aber ihre Arbeitspläne erlaubten es nicht. Also wandert Chris allein. Wie eine Trophäe trägt er eine kleine Muschel über dem Rucksack, die ihm seine Liebste zum Abschied geschenkt hat.

Es ist kurz nach 20 Uhr, Schlafenszeit für einen müden Wanderer. Morgen wieder mehr.

Das Tippen ins Smartphone ist für mich noch immer eine große Herausforderung. Deshalb bitte ich auch kleine Schnitzer zu entschuldigen  und natürlich kommen beim Bloggen keine preisverdächtigen Texte zustande. Wer weiß, vielleicht gibt‘s ja irgendwann mal ein Buch darüber.

Gute Nacht, liebe Blogfamilie.

Buen Camino aus Santo Domingo de Calzada!

4 Gedanken zu „Die 1. Woche ist geschafft!

  1. Einmalige Bilder. Und jeden Tag beneide ich Euch mehr um Euren Mut und um Eure Ausdauer. Mit 70 den Camino zu ersten Mal? Um dann festzustellen, dass man der Einzige in diesem Alter ist. Nicht zu wissen, wo man am Abend unterkommt. Mutig, sehr mutig! Ich wünsche Euch, dass die Vaseline noch bis zum Schluss ihren Dienst tut. Und den ersten Käufer für das Buch hast Du schon! Es ist hiermit bestellt.

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  2. Für mich ist es mittlerweil ein Ritual mit Suchtpotenzial, am Abend Deine neuesten Erlebnisse zu lesen. Vielen Dank dafür und weiterhin so viel Freude am Abenteuer!

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