Camino-Wanderung ins 33. Jahr

JAKOBSWEG, Tag 6 – 23 Kilometer von Navarrete nach Nájera

FÜR ANDREAS

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.

Heute ist unser Hochzeitstag – und wir schenken uns ein paar Kilometer. Nach 23 muss genug sein. 32 wären besser gewesen. Denn so lange sind wir heute verheiratet. Aber weitere neun KM hätten uns womöglich an unsere Grenzen gebracht. Hochzeitstag, schwerer Tag.

Unser Freund Philipp hat die Symbolik des heutigen Tages wunderbar auf den Punkt gebracht. Unsere Wanderung auf dem Jakobsweg sei „irgendwie ein schönes Sinnbild für den langen Weg, den ihr beiden schon zusammen gegangen seid“.

Mit dem Jakobsweg war es heute ein wenig wie mit einer langen Ehe. Wir marschierten über Höhen und durch Tiefen. Die Luft war manchmal dünn und kühl, dann wieder dick und heiß. Um unser Ziel zu erreichen, mussten wir zwischendurch richtig schwer arbeiten – wie in einer langen Beziehung.

Aber die Sonne meinte es immer gut mit uns und wir sind sehr glücklich, an diesem 27. März heil angekommen zu sein: In dem Ort Nájera, aber auch an der Schwelle zum 33. Jahr unsere Ehe.

Was für ein Glück, an der Seite dieser tollen Frau alt werden zu dürfen! Mit ihr zusammen als Siebzigjähriger den Jakobsweg zu wandern, ist das schönste Geschenk, das wir uns gegenseitig machen konnten.

Der Camino stellte uns heute auf eine harte Probe. Ein eisiger Wind blies uns den Großteil des Tages ins Gesicht. Der Blick auf die schneebedeckten Berge, so wunderschön sie auch sein mögen, ließ die gefühlte Temperatur trotz des strahlenden Sonnenscheins noch weiter in den Keller sinken.

Erst um die Mittagszeit ließ der kalte Biss nach und wir fühlten uns wieder wie im Frühsommer.

Abgestiegen sind wir in einem ehemaligen Kloster aus dem 17. Jahrhundert, mit dicken Mauern, mitten im historischen Teil des 8000-Einwohner-Städtchens Nájera.

Gefühlte Geschichte auf einer Pilgerwanderung, die reich an Geschichten ist.

Begegnungen? Klar doch: John aus Schottland zum Beispiel. Ein kernig aussehender Typ, dessen Tattoos seine kräftigen Arme fast schwarz erscheinen lassen. Er will über Santiago de Compostela hinaus wandern, nach Finisterre. In Schottland lebt er am Meer. „I miss the sea“, sagt er mit der Gelassenheit des Mannes, der sich nichts beweisen muss. Deshalb wolle er bis zum Atlantischen Ozean weiter wandern.

Sylvain aus der französischen Beaujolais-Region nördlich von Lyon wandert ein stückweit neben mir her. Er ist Mitte 20 und hat das strahlende Lachen eines jungen Mannes, der mit sich im Reinen zu sein scheint.

Mein Mitwanderer ist seit dem 12. Februar unterwegs. Ich habe einen ziemlich guten Überblick, wieviel Zeit seither verstrichen ist, denn der 12. Februar war mein Geburtstag. Und den habe ich vor einer gefühlten Ewigkeit in Kuba gefeiert.

Der Gedanke, dass dieser Sunnyboy seit dem 12. Februar nicht eine einzige Nacht mehr ein festes Dach über dem Kopf hatte, lässt mich vor Kälte erschaudern. Sylvain übernachtet im Freien, manchmal im Zelt, oft aber auch nur auf Isomatte und Schlafsack.

Ein bizarrer Anblick: Während ich hinter dicken Klostermauern meinen Text ins iPhone tippe, repariert Lore neben mir einen Schuh. Was man halt so an seinem 32. Hochzeitstag macht.

Gute Nacht, liebe Blog-Familie. Buen Camino aus Nájera!

PS: Es erreichen uns noch immer täglich zahlreiche aufmunternde eMails, WhatsApp-, Instagram- und Facebook-Nachrichten – oft von Menschen, denen wir noch nie im Leben begegnet sind. Wir lesen jede einzelne Zeile und freuen uns tierisch darüber. Bitte habt jedoch Verständnis dafür, dass wir sie bei unserem Tagespensum nicht einzeln beantworten können. DANKE!

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5 Gedanken zu „Camino-Wanderung ins 33. Jahr

  1. Dear Herbert & Lore,
    Happy Anniversary! 💐What a wonderful way to be celebrating & acknowledging your journey through life together with your pilgrimage. May it only continue to grow💕

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  2. Hallo Lore und Herbert, auch ich wünsche Euch alles Gute zum Hochzeitstag und natürlich zur Wanderung. Um ehrlich zu sein beneide ich Euch. Mal schauen, evtl, schaffe ich es auch – irgendwann in den nächsten Jahren – mit meiner Frau den Camino zu bewältigen. Jetzt im Sommer geht es erst einmal mit dem Camper nach Vancouver…..sprich in Eure Wahlheimat…nur an anderen Ende von Kanada..:-) Passt schön auf euch auf und vermeidet es Euch zu überanstrengen. Gruß aus der Redaktion in Stuttgart ( Spätdienst ) Harry

    Gefällt 1 Person

  3. Herzlichen Glückwunsch zum Hochzeitstag! Gut seid Ihr im täglichen Leben wie auf dem Camino. Lebenserfahrung und die stete Neugier auf das Unerwartete – das ist eine tolle Kombination.
    Buen Camino – in Spanien und im künftigen Kanada-Leben!

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