Eisblumen statt Palmen

Keine Sanddünen weit und breit: Winterabend in Pointe-St. Charles

Schneeberge statt Sanddünen. Eisblumen statt Palmen. Stürme statt Mallorca-Brise. Dieser Winter wird hart für uns werden. Es wird der erste in zwölf Jahren sein, den wir hier in Kanada verbringen. Aber um Himmelswillen kein Mitleid!

Und wenn, dann nur ein bisschen …

Sämtliche Reisen fallen aus. Zum einen wegen Corona, zum andern wegen meiner Netzhaut. Das operierte Auge verträgt so schnell noch keinen Kabinendruck im Flieger.

Seit gestern ist er also wieder da, der Winter in Kanada. Mit Eis und Schnee und Räumkolonnen und flinken Eichhörnchen, die vor unserem Fenster frech um die Wette hamstern.

Wir haben das Glück, eine schöne Bleibe mit herrlicher Stadtsicht und Blick auf alte Bäume und einen wunderschönen Park am Wasser zu bewohnen. Das macht „Staycation“, wie hier der Urlaub daheim genannt wird, erträglicher.

Gleich nebenan, vor der Markthalle, riecht es nach frischen Tannenbäumen und bald auch wieder nach gerösteten Kastanien. Dahinter bauen Männer und Frauen in dicken Overalls den Marché de Noël auf.

Wie sich so ein Weihnachtsmarkt auf einer relativ kleinen Fläche mit Corona verträgt, wird sich weisen. Vielleicht sollten wir unseren Glühwein doch lieber eisgekühlt auf dem heimischen Balkon trinken.

Staycation mit Covid braucht nun wirklich keiner.

Zum Glück funktioniert das Erinnerungs-Gen noch gut. Tausende von Urlaubsfotos warten schon seit Jahren darauf, sortiert zu werden. Allgäu, Cuba, Camino-Wanderungen, Cottage, Marseille. Und immer wieder Mallorca.

Und weil das Auge die kleinformatigen Bilder doch nicht mehr so richtig scharf sieht, werden die Fotos eben auf den Fernseher gestreamt. Eine richtig gute Idee ist das allerdings auch nicht immer: Welcher fast 72-Jährige will schließlich sein Pokerface quadratmetergroß in High Definition auf dem Bildschirm sehen?

Ah, ich sehe schon: Die Freuden des Winters …