Kurz vor 2021 noch ein Rutsch

Danke, aber den Rutsch ins neue Jahr braucht ihr mir nicht zu wünschen – den hatte ich schon. Und auf ein Feuerwerk kann ich auch verzichten, denn die Sternchen gab’s umsonst. Kein Witz: Gestern nachmittag, am vorletzten Tag des Jahres 2020, bin ich mit dem Hinterkopf voll aufs Eis geknallt, so dass ich im ersten Moment dachte: Das war’s jetzt mit dem neuen Jahr.

Aber et hätt wieder mal jot jejange, wie meine Kölner Freunde sagen würden. Hirn und Hände funktionieren noch.

Danke für die Treue, die viele von euch den BLOGHAUSGESCHICHTEN jetzt schon seit fast zehn Jahren halten. Ohne euch würde mir das Schreiben und Fotografieren nur halb so viel Spass machen.

Danke auch für eure vielen Likes und die zahlreichen Kommentare. Auch wenn’s mal wieder mehr als eine Meinung gab, freue ich mich immer über Diskussionen aller Art.

Danke auch für den furiosen Start, zu dem viele von euch meinem neuen Podcast veholfen haben. „DEINE STORY – MEINE GESCHICHTE“ wurde schon kurz nach Erscheinen massenhaft auf Spotify, Aplpe Podcasts, Google Podcasts und anderen Plattformen besucht und abonniert.

Euch allen wünsche ich einen geschmeidigen Rutsch ins neue Jahr. Bedanken möchte ich mich mit einem Zitat von Erich Kästner, auf das mich meine Blogger-Freundin Christa („CHRISTAS BÄRIGER BLOG“) heute früh schon gebracht hat:

„Wird’s besser? Wird’s schlimmer?, fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“

HAPPY NEW YEAR – GUTEN RUTSCH – BONNE ANNÉE – FELIZ AÑO NUEVO

Sex, Drogen und Knast: Ein verhängnisvoller Dreier

ACHTUNG: NICHT GANZ JUGENDFREI – Wenn zwei Frauen einen Mann lieben – und sich gegenseitig auch, dann wäre allein das schon eine prickelnde, kleine Geschichte. Aber die Story von Luca und seinem Dreierverhältnis fängt hier noch nicht einmal richtig an. Es geht um Sex und Drogen, um Rache und Liebe, um Verrat und Knast – das volle Programm. Die Geschichte spielt in Montreal, das manchmal auch das „Paris des Nordens“ genannt wird. Kein Wunder, denn diese Story hat es in sich.

2. EPISODE: Sex, Drogen, und ein verhängnisvoller Dreier

Du möchtest Deine Geschichte erzählt haben? Schick‘ sie mir! Einzelheiten gibt’s auf der Podcast-Seite

Der „Secret Santa“ von Edmonton

Gedicht und Geschenkkarte: „A gift keeps on giving“. (© Screenshot CBC)

Weil 2020 schon genug Horrorgeschichten hervorgebracht hat, will ich das Jahr mit einer „Feel-Good-Story“ enden lassen. Es ist die Geschichte eines anonymen Schenkers (oder auch einer Schenkerin?), die zu Weihnachten 400 Haushalte mit Geschenkgutscheinen im Wert von je 250 Dollar beglückt hat.

North Glenora ist ein Bezirk von Edmonton, der, man ahnt es, nicht zu den teuersten Wohngegenden der Hauptstadt der Provinz Alberta gehört. Dort wohnen Leute wie Elisha Tennant. Die junge Frau hatte während der Pandemie ihren Job verloren und damit manchmal auch die Hoffnung, einigermaßen über die Runden zu kommen.

Als sie Heiligabend vor ihrer Haustür einen weissen Umschlag mit der Aufschrift „Secret Santa“ vorfand, dachte sie zunächst an eine Postwurfsendung, wie man sie in der Weihnachtszeit ja öfter mal ungefragt bekommt. Dann öffnete sie den Brief und fand ein in Kleinbuchstaben getipptes Gedicht vor. Und einen 250-Dollar-Geschenkgutschein von Walmart.

„Ich habe den ganzen Tag nicht aufgehört, vor Rührung zu weinen“, sagte die Frau einem lokalen Fernsehsender. Der Gegenwert des Gutscheins reiche ihr für einen Monat Lebensmittel einkaufen.

In einem anderen Stadtteil wohnt Christina Ignacio-Deines mit ihrer Familie. Auch sie fand den anonymen Brief vor ihrer Haustür. Und auch sie hatte während der Corona-Krise ihre Arbeit als Eventplanerin verloren. Doch ihr Mann arbeitete wie gewohnt weiter und es reichte, um ihre kleine Familie über Wasser zu halten.

Christina zögerte nicht lange und verschenkte den Gutschein an eine Organisation, die Menschen hilft, denen es schlechter geht als ihnen.

Vierhundert Familien waren es wohl, die mit den „gift certificates“ beschenkt wurden, berichtet der staatliche Fernsehsender CBC. Wer hinter der Aktion „Secret Santa“ steht, ist nicht klar. Nur so viel, dass er oder sie Hunderten von Menschen eine Freude gemacht hat.

Auch das Gedicht, das in jedem Umschlag steckte, hat es in sich. Es heißt dort: „Auch wenn es so aussieht, als sei die ganze Welt in eine schwarze Wolke gehüllt, gibt es eben auch Licht in diesen dunklen Zeiten. Man muss nur genau hinschauen“.

Im letzten Satz des Briefs appelliert der anonyme Spender noch an die Fairness der Empfänger: „Wenn Du jemanden kennst, der das Geld nötiger hat als Du, dann verschenke es bitte weiter“. Christina Ignacio-Deines hat es getan – und vermutlich noch viele andere.

Im Englischen gibt es für diese Art des Verschenkens einen hübschen Ausdruck: „A gift keeps on giving“. Der „Secret Santa“ von Edmonton hat die Form des Schenkens neu definiert.

Bleibt doch endlich zuhause!

Flughafen Montreal, 18. Dezember 2020 Copyright: Montreal Gazette (Screenshot)

Die Krankenhausbetten in Montreal werden knapp, für das erschöpfte Personal gilt während der Feiertage eine Urlaubssperre. Jeden Tag gibt es in der Provinz Quebec (8.5 Millionen Einwohner) um die 2000 neue Covid-Infizierte und knapp 30 Tote. Was, frage ich mich, machen dann die Tausende, die den Montrealer Flughafen bevölkern, um in die Ferne zu reisen?

Für mich sind es Egoisten, deren Reiselust wir, die Daheimgebliebenen, mit immer restriktiveren Maßnahmen wieder ausbaden dürfen.

Hab’ ich da irgendwas falsch verstanden? Ich dachte, wir sollen in Zeiten wie diesen nur im Notfall reisen. Wer von A nach B fliegt, muss also einen triftigen Grund haben, ehe er in den Flieger steigt. Oma liegt im Sterben, Mutter plötzlich pflegebedürftig, Schwester ist Mama geworden – solche Sachen eben.

Bock auf Strand zählt nicht, Bräunungsbedarf wegen Winterblässe auch nicht. Und doch wird gereist auf Teufelkommraus – nicht nur in Kanada sondern auch in Europa. Da mal kurz zum Weihnachtsessen von Nord nach Süd, oder zum Päckle verschenken von einer Stadt in die andere.

Nur den armen Brummifahrern, die eigentlich dringend reisen müssten, weil man in Festland-Europa auf ihre Ware wartet, wird die Reise von England nach Frankreich verwehrt.

In einer Montrealer Lokalzeitung wird von einem Ehepaar berichtet, das, wie jedes Jahr, zum Überwintern nach Florida gereist ist. Dort fühlen sich Monsieur und Madame dieses Jahr ein bisschen einsam, weil wohl doch eine ganze Menge „Snowbirds“ zuhause geblieben sind.

Geht’s noch? Einsam ist, wer am Beatmungsgerät hängt und keinen Besuch empfangen darf, weil er sich bei irgendwelchen Partypeople angesteckt hat.

Wer einen Hotspot wegen Corona-Überdruss verlassen muss, soll von mir aus vom Wohnzimmer in den Keller ziehen. Aber von einem Land ins andere, das finde ich unsozial.

Was wir zurzeit erleben, ist keine Erkältungswelle mit ein bisschen Schnupfen und Husten. Es ist eine Pan-de-mie! Das heißt: Hotspots sind überall. Nur nicht daheim.

Cristal, eine frühere Nachbarin, die auf Facebook einen Kommentar zu meinem heutigen Frustpost hinterlassen hat, bringt es auf den Punkt:

“If there is one thing this pandemic has taught me, is the world is a selfish place. We have lost all sense of community and love thy neighbour. It’s the saddest result of the pandemic for me”.

Wenn es etwas gibt, das sie während dieser Pandemie gelernt habe, schreibt Cristal, dann dies: „Die Welt ist ein egoistischer Platz. Wir haben jeglichen Gemeinschaftssinn verloren. Einfach nur traurig.“

Eine andere Facebook-Freundin: „Die hängen mit Fremden rum, während wir zu Weihnachten nicht einmal unsere unmittelbare Familie empfangen dürfen“.

„Total traurig“ findet es auch mein Camino-Kumpel Carlo: „Und ich dachte, es sei nur ein Problem der egoistischen Ellbogen-Gesellschaft in Deutschland“.

Leider nicht, lieber Carlo. Egoismus ist überall. Genau wie Covid.