
Hätte mich noch vor wenigen Jahren jemand gefragt, ob ich mich als „alt“ betrachte, hätte ich vermutlich mit dem Allerweltsspruch geantwortet, man sei so alt, wie man sich fühle. Und überhaupt sei das Alter „lediglich eine Zahl“.
Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Das Alter ist, man kann es drehen und wenden, wie man will, nicht immer gut zu allen Menschen.
Im „Stern“ habe ich vor ein paar Tagen die Headline gelesen: „Ich bin eine Frau Anfang 40 – muss ich mich vor dem Älterwerden fürchten?“ Lore saß neben mir. Wie aus der Pistole geschossen sagten wir beide: „Oh ja, sehr sogar!“
Aber warum eigentlich? Zum Beispiel weil Dinge passieren, mit denen man nie gerechnet hätte.
Als ich meinem Heimatort Ummendorf vor Jahren mal einen Besuch abstattete, kam eine inzwischen sehr betagte Nachbarin auf mich zu und freute sich offensichtlich, mich zu sehen. Ich sei immer „ein ganz arg netter Bub“ gewesen, sagte sie. Nur einmal habe sie so ihre Zweifel an meiner Liebenswürdigkeit gehabt.
Das war, als meine Mutter 1967 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Die Nachbarin erinnerte mich daran, wie sie mir ihr Beileid aussprach. Ich sei zwar unsagbar traurig gewesen, habe sie dann aber mit dem Satz schockiert: „Schrecklich, ja. Aber Mama war ja auch schon alt“.
Ich war 18, Mama 57.
Wie peinlich mir dieser bescheuerte Spruch heute ist, muss ich wohl nicht betonen. War es Verlegenheit, dass ich mich zu diesem Geschwafel hinreißen ließ? Dummheit? Oder glaubte ich als Teenager wirklich, mit 57 sei man schon „alt“?
Und überhaupt: Wann ist man nun eigentlich alt?
Laut Weltgesundheitsorganisation ist man mit 75 „alt“. Wer über 90 Jahre ist, zählt zu den „Hochbetagten“. Ab dem 100. Lebensjahr gilt man als „Langlebiger“. Die Gruppe der 60- bis 74-Jährigen sind laut WHO noch keine „alten“, aber sogenannte „ältere“ Menschen.
Alles klar. Ich bin alt. Seit heute sogar offiziell.
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