
Wenn Ricky aufs Rad steigt, dann wird’s ernst. Da kommen schon mal 5000 Kilometer zusammen – so wie jetzt auf der Strecke von Vancouver nach Montreal. Von Rickys Heimat Sydney nach Vancouver waren’s nochmal 12500 Kilometer. Aber die hat der 31jährige Australier im Flieger zurückgelegt.
Getroffen habe ich Ricky heute in LaSalle – dort, wo die Surfer mit ihren Brettern durch die Wellen des St.-Lorenz-Stroms pflügen. Ricky war nicht allein. Mit ihm war Yves, kaum weniger fahrradverrückt als Ricky. Nur ist Yves 72 und legt nicht mal schnell 5000 Kilometer auf dem Sattel zurück.
Noch vor ein paar Jahren war das kein Problem für den gelernten Flugzeugmechaniker. Da ist er schon mal kurz von Montreal am Sankt-Lorenz entlang hoch bis zum Atlantik geradelt. Von Halifax ging’s dann wieder zurück nach Quebec. Macht zusammen mehr als 2500 Kilometer. Das entspricht ungefähr der Strecke von Ummendorf nach Marokko. Kanadische Entfernungen sind furchteinflößend.
Yves und Ricky haben sich über die App „Warmshowers“ kennengelernt – eine Art Couchsurfing für Radfahrer. Gratis-Übernachtungsmöglichkeiten für Gleichgesinnte.
Ricky, der Australier, kommt beim Erzählen aus dem Strahlen nicht mehr raus. Er liebt alles, was er bisher erlebt und gesehen hat. Die Kanadier? „Absolutely wonderful!“ Und Kanada: „Such a cool country!“ „Ein bisschen wie Australien ohne Palmen“, bringe ich den Ländervergleich auf den Punkt. Und natürlich lacht Ricky auch diesmal wieder bis über beide Ohren.
Was er so mache, wenn er nicht gerade im Sattel sitzt, möchte ich von Ricky wissen. „Mal dies, mal das“, sagt er. Er verbringe viel Zeit in Japan, wo seine Mutter geboren wurde. Dort arbeitet er als „Nature Guide“, als Wanderführer also – und was es halt sonst so zu tun gibt für einen Aussie-Abenteurer.
Gestartet ist Ricky Anfang August in Whistler, nördlich von Vancouver. Dort kaufte er das Mountainbike mit ein bisschen Equipment dazu. Gaskocher, Schlafsack – was man halt so braucht für 5000 Kilometer auf dem Rad. Und weil die Berge gar so schön waren, hat er noch eine Klettertour gemacht, ehe es losging.
Die Rocky Mountains, also British Columbia und Alberta, seien schon heftig gewesen, sagt Ricky. Da habe er öfter mal nach 100 Kilometer am Tag Schluss gemacht. Aber als es dann durch die kanadische Prärie ging, sei er für seine Steigungen entschädigt worden.
Saskatchewan und Manitoba sind flach wie ein Bügelbrett. Da sind 200 Kilometer fuer einen Fernstecken erprobten Radler wie Ricky kein Problem.
In Ontario ging’s dann wieder rauf und runter. Aber dafür hat er jetzt ein paar Tage Zeit, um sich in Montreal zu erholen.
Am Wochenende geht’s schon wieder weiter. Zunächst mit dem Flieger nach Colorado – geradewegs in die Berge. Diesmal zum Mountainbiken.


Yves T-Shirt sagt alles: „Manche Opas machen ein Nickerchen. Richtige Opas fahren Rad (und machen anschließend ein Nickerchen„)
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Was für eine Tour! Bewundernswert – und natürlich auch etwas verrückt. Aber so was gefällt mir sehr. :-)
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