
Blutkrebs. Daran leide ich seit 24 Jahren. Oder besser gesagt: Ich lebe mit Blutkrebs. Diagnostiziert wurde bei mir die chronische myeloische Leukämie (CML) nicht lange nach meiner Rückkehr aus New York. Dort hatte ich im September 2001 über die Terroranschläge von 9/11 berichtet.
Warum ich ausgerechnet jetzt auch diesen Teil meiner Krankenakte öffentlich mache? Weil im Zusammenhang mit der 9/11-Berichterstattung häufig davon die Rede war, wie viele der „First Responders“, also der Männer und Frauen, die unmittelbar nach dem Einsturz des World Trade Centers als Rettungskräfte im Einsatz waren, später an Blutkrebs erkrankt sind.
Einer Studie des World Trade Center Health Program zufolge wurden bei den sogenannten „First Responders“ 1.885 Fälle von Leukämie und anderen Arten von Blutkrebs festgestellt. Vor allem Feuerwehrmänner, aber auch Sanitäter und andere Rettungskräfte sind später daran erkrankt.
Ob meine eigene Erkrankung mit meinem Einsatz in New York zusammenhängt, ist völlig unklar. Ich will hier auch keine neue These aufstellen. Aber interessant ist es schon, dass es mich erwischt hat. Schließlich war auch ich in den ersten Tagen nach den Anschlägen ganz nahe an den Trümmern des World Trade Centers.
Fest steht: Der beißende Staub, der sich nach dem Einsturz der Türme über Manhattan gelegt hatte, enthielt zahlreiche giftige und möglicherweise krebserregende Substanzen. Im Laufe der Jahre nach 9/11 sind auch viele ganz normale New Yorker erkrankt, also nicht nur Rettungskräfte.
CML entsteht im Knochenmark, wo unser Körper ständig neue Blutzellen produziert. Durch eine genetische Veränderung gerät die Produktion bestimmter weißer Blutkörperchen außer Kontrolle. Sie vermehren sich ungebremst und können dadurch die normale Blutbildung beeinträchtigen. Auch die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) kann dabei stark ansteigen – bei mir hatte sie sich fast verzehnfacht.
Die gute Nachricht: Ich lebe 25 Jahre nach der Diagnose noch immer. Das habe ich Imatinib (Glivec oder Gleevec) zu verdanken, einem Medikament in Tablettenform, das die Leukämie gezielt bekämpft. Gleevec ist auch heute noch Teil meines Tabletten-Cocktails. Das Originalpräparat kostet in Kanada 3.200 Dollar pro Monat. Die generische Version etwa ein Fünftel davon.
CML gilt dank dieses Medikaments bei vielen Patienten als langfristig gut kontrollierbare Erkrankung. Auch mein Blutkrebs ist dank Gleevec „in Remission“, wie das so schön heißt. Nebenwirkungen gibt es jede Menge. Mein Onkologe formulierte es einmal so: „Seien Sie froh, dass Sie die Nebenwirkungen noch spüren. Die Alternative kennen wir ja“.
Die regelmäßigen Check-ups in der Onkologie sind längst Routine geworden. Mehr noch: Die Gespräche mit meinem Hämatologen hake ich inzwischen fast schon als eine Art „Social Event“ ab.
Die Ursachenforschung geht weiter. Ob 9/11 für meine Butkrebs-Diagnose verantwortlich ist, konnte, wie gesagt, nie nachgewiesen werden. Aber eines dieser Gespräche mit meinem Onkologen brachte eine andere Frage auf.
Mein Arzt wollte wissen, ob ich Golf spiele. „Nein.“ Er: „Haben Sie in Ihrem Leben längere Zeit in der Nähe eines Golfplatzes gewohnt?“ Ja, natürlich. 25 Jahre lang. Jetzt wurde ich hellhörig. Denn in Hudson, wo wir ein Haus hatten, gab es in fußläufiger Entfernung nicht nur einen Golfplatz, sondern gleich mehrere.
Den möglichen Zusammenhang erklärte mir mein Arzt mit einer Frage: „Warum glauben Sie, ist der Rasen auf Golfplätzen immer so sattgrün?“ Jetzt dämmerte es auch mir: „Klar. Weil er mit Pestiziden behandelt wird.“
Bingo!
Mir ist wichtig, dass dies keine Schuldzuweisung meinerseits und schon gar keine Behauptung über die Ursache meiner Erkrankung ist. Ich bin medizinischer Laie und plappere das Gehörte lediglich nach.
Aber zum Nachdenken bringen einen Sätze wie diese schon.
Am 22. September war übrgens WORLD CML DAY.
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Natürlich gefällt mir das Gelesene nicht, aber leider betrifft das viele Menschen und es ist interessant, das mit den ganzen Giften, die an einen rangehen…
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