
Krankenhaus-Essen ist legendär schlecht. Wirklich? Sagen wir mal so: Gegen Lores Küche hat es tatsächlich Kantinen-Qualität. Aber wir wollen ja nicht unfair sein. Nach so einer schweren OP sind Rahmschnitzel mit Spätzle und gemischtem Salat jetzt wirklich nicht das, was der Arzt verschreibt, schon gar nicht in einem jüdischen Krankenhaus in Kanada.
Außerdem musste ich meine Ess- und Trinkgewohnheiten seit meiner Pankreas-Diagnose im Dezember ohnehin radikal umstellen. Fast fettfrei und „tender“, also zart und damit keine Herausforderung für die Verdauung. So gesehen: alles gut.
In den sechs Tagen, die ich jetzt schon in diesem Etablissement verbringe, gab es mit einer Ausnahme nichts, das man als „nicht essbar“ bezeichnen könnte. Die Ausnahme war eine Hühnerkeule, die aussah, als sei sie aus Plastik und mit einem Schokoguss überzogen. Also weg damit. Dafür gab es als Vorspeise eine Minestrone, wie ich sie auch nicht schlechter schon in mittelpreisigen Familienrestaurants gegessen habe.
Überhaupt, diese Suppen. Kein Menü ohne irgendeine Linsen-, Bohnen-, Erbsen-, Karotten- oder sonstige Suppe. Gut, sie sind fettarm und „tender“ – nichts verkehrt damit. Aber vielleicht mal Salat statt Suppe?
Zweimal gab es Lachs. Einmal pochiert, das andere Mal vermutlich aus dem Airfryer, also fettarm. Wir leben hier nicht am Salmon River in den Rocky Mountains, wo einem die frisch gefangenen Lachse quasi in den Mund fliegen. So gesehen: durchaus passabel.
Pizza? Warum nicht. Nur: Dass jemand, dem sie vor ein paar Tagen die halbe Bauchspeicheldrüse und die komplette Milz entfernt haben, eine vollfett mit Käse belegte Pizza essen soll, könnte ein Versehen gewesen sein. Die Beweise dafür wollen Sie nicht hören. Nur so viel: Hinterher schnellten die Aktien kanadischer Klopapier-Hersteller in die Höhe.
Jeden Tag kommt eine Menü-Beraterin und fragt dich nach deinen Bedürfnissen. Sowas hatte ich zuletzt im „Club Med“ auf den Bahamas. Nur dass sie dir dort nie richtig zugehört und trotzdem das serviert haben, was ohnehin auf dem Speiseplan stand. Hier, im Jewish General Hospital, wird akribisch Buch geführt. Nichts, das sie ignoriert hätten. Wie gesagt: Das mit der Pizza war ein Versehen.
Zum Nachtisch gibt es erstaunlich wenig frische Sachen: Ananas aus der Dose, Apfelmus im Plastikbecher, Reispudding. Einmal wurde eine Orange serviert, deren Schale so dick war, dass man einen Liebherr-Bagger dazu gebraucht hätte.
Was vergessen? Ach so, die Getränkekarte. Wasser und Tee, bzw. Tee und Wasser. Den Kaffee habe ich stehen lassen. Man kann nicht alles haben.
Mein Freund Marc, selbst ein erfahrener Krankenhaus-Gourmet, fasste meine kulinarischen Erfahrungen der letzten Woche so zusammen: „Fünf Sterne … von hundert“




























