Streifzug durch den Wilden Süden Touring Germany’s Wild South

Das Allgäu ist wie eine Wundertüte. Immer, wenn du glaubst, du hättest schon alles gesehen, tut sich wieder eine neue Facette dieser gesegneten Landschaft im Südwesten Deutschlands auf. Heute waren es die schneebedeckten Berge in der Gegend von Oberstaufen. Gestern die blühenden Wiesen zwischen Leutkirch, Ravensburg und Biberach. Lehnen Sie sich zurück, klicken Sie auf das Bannerfoto und genießen Sie diesen fotografischen Streifzug durch meine Heimat.


The “Allgäu” is like a grab bag. Whenever you think you have seen it all, a new facet of this blessed landscape in southwestern Germany appears in front of our eyes. Today it was the snow-capped mountains in the Oberstaufen area near the Austrian border. Yesterday I drove through the blooming meadows between Leutkirch, Ravensburg and Biberach. Lean back, click on the banner picture and enjoy this photographic journey through my homeland.


 

Leben wie Gott in Leutkirch

IMG_4286 2Wer das Glück hat, in seinem Freundeskreis gleich zwei Profiköche zu haben, lebt vielleicht nicht länger, aber besser. Beide haben uns während unserer Allgäu-Tournee mit Köstlichkeiten aus Küche und Keller beglückt.

Rudolf hat sich im Allgäu schon früh einen Namen als ein äußerst innovativer Koch gemacht. Der „Adler“ in Adrazhofen servierte jahrzehntelang Feinstes aus der Region. Als der etwas müde gewordene Küchenchef schon ans Aufhören dachte, spülte ihm das Schicksal noch ein vakant gewordenes Lokal in dem Glasbläserdorf Schmidsfelden ins Leben.

Die „Remise“ wurde schnell zum Geheimtipp unter den Foodies der Gegend. Gehobene Küche für nur ein Dutzend Gäste auf einmal, das Ganze zu fairen Preisen – damit ist Rudolf gut gefahren. Jetzt, mit über 70, hat er die Kochschürze noch lange nicht an den Nagel gehängt. Das Feuer in ihm brennt noch immer, aber gekocht wird nur noch für Freunde, die seine kulinarischen Meisterwerke zu schätzen wissen.

IMG_3992.jpgAls wir neulich im Rudolfschen Privathaus zum mehrgängigen Dîner eingeladen waren, wurden wir mit einem Aufstrich begrüßt, den er aus der „Schwobabohna“ kreiert hatte. Die „Schwabenbohne“ gilt als aussterbene Spezie. Rudolf hatte sie am frühen Morgen auf dem Ravensburger Wochenmarkt ergattert. Es folgte ein Avocado-Mousse mit Staudensellerie. Artischocken und gegrillte Paprikaschoten, die wir auf Mallorca gerne als „Pimientos de Padrón“ essen, bildeten das Ende des Anfangs.

Dann ging es erst richtig los. Auch der weitere Gang war vegetarisch angehaucht: Ein Risotto ganz ohne Käse, das trotzdem cremig (auf schwäbisch: „schlonzig“) schmeckt. Die stundenlang geschmorten „Schweinsbäckle“ danach galten als Zugeständnis an die Fleichesser unter uns. Das Ganze wurde auf einem leckeren Spargelbett serviert.

Übrigens war es nicht das erste Mal, dass Rudolf uns mit einer privaten Koch-Session verwöhnte. Vor einigen Jahren gab es Mallorca-Küche vom Allgäu-Koch.

Unser Freund Manni vom „Brauereigasthof Mohren“ in Leutkirch hat erst neulich einmanni Gericht auf seine reichhaltige Speisekarte gesetzt, das wie für mich gemacht ist. Manfred, nicht nur in der Küche ein Schöngeist, nennt es „Schwäbische Trilogie“. Es besteht aus einem Krautwickel, einer kleinen Portion Kässpätzle mit gerösteten Zwiebeln und zwei Maultaschen, deren Hackfleischfüllung es in sich hat. Dazu ein paar Spritzer Bratensauce und einen Teller mit frischen Salaten.

Beim privaten Dinner, das Christine, die Frau an Mannis Seite, im niegelnagelneuen Haus für uns kreiert hatte, ging es kulinarisch nicht weniger kreativ zu. Ein raffinierter Gemüse-Fleisch-Auflauf, bei dem feinstes Entrecôte die Hauptrolle spielte, lachte mich gestern Abend dermaßen frech an, dass ich auch beim zweiten Anlauf nicht nein sagen konnte.

Dazu gab es von Sohn Ludwig ausgesuchte Weine. Ludwig, ein veritabler Winzer mit Hang zum Sommelier, wird demnächst im „Mohren“ eine Verköstigung seiner Weine anbieten. Tochter Milena serviert derweil im nahegelegenen „Rössle“, auch „Haselburg“ genannt, eine nicht weniger gute Küche.

Wer behauptet, bei den Schwaben werde nur Deftiges serviert, sollte sich einmal an den aufwändig und wunderschön gedeckten Tisch meiner Nichte Sabine setzen. Ein liebevoll zubereitetes Carpaccio an einem Bett von tiefschwarzem Linsenkaviar (oder waren es Kaviarlinsen?) belebte den Gaumen schon mal aufs Feinste, ehe es dann mit diversen Salätchen und Antipasto in Richtung Hauptspeise ging: Gebratene Hühnerkeulen in einer olivenlastigen Weinsauce, die angenehm an das „Mont Ventoux“ erinnerte, das Lore zu besonderen Anlässen kredenzt, dann allerdings mit Lammfleisch und Wildem Reis aus Kanada.

Auch unterwegs strecken wir gerne unsere kulinarischen Fühler aus. So ließen Vater und Sohn sich neulich im „Schwanen“ in Metzingen köstliche Kalbsmaultaschen schmecken. Dazu gab es einen raffiniert angerichteten gemischten Salat, dessen Kernstück, der Kartoffelsalat, erst dann sichtbar wurde, wenn die fein gehobelte, längliche Scheibe der Salatgurke entfernt wurde, die als Rundform diente, um den Salat zusammen zu halten.

Und sonst so? Die Schweinshaxe, mit der sich Cassian im bayerischen Nachbarort Kempten herumschlug, sollte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben. Der Kampf endete mit einer Entschuldigung bei der Kellnerin, die das von Kraut und Sauce gezeichnete Tischtuch nach der Messer-und-Gabel-Schlacht vermutlich einem dreifachen Waschgang unterziehen musste.

Besuch im Allgäu: Wia dohoim

Die Wahrheit ist, dass ich nicht im Allgäu aufgewachsen bin, sondern im oberschwäbischen Voralpengebiet. Meine Wiege stand in Ummendorf, wo es auch schön ist, aber eben nicht ganz so pittoresk wie im 20 Kilometer entfernten Allgäu. Jetzt, da die Wahrheit auf dem Tisch ist, kann ich es ja sagen: Ich fühle mich im Allgäu so wohl, als wäre ich hier „dohoim“.

Das Allgäu ist der Landstrich, in dem Blumenwiesen für Milchkartons modeln, Käseschachteln Kult sind und das Mineralwasser Sprudel heißt. Und weißt du mal nicht so recht, wie das Häusle an der nächsten Straßenecke einzuordnen ist, dann tippst du einfach auf eine Käserei, ein Milchlädele oder ein Geschäft für Dirndlmoden und liegst wahrscheinlich richtig.

Im Allgäu selbst habe ich zwischen zwei Auslandsaufenthalten nur für kurze Zeit gelebt. Das war Mitte der 70er-Jahre, als sich die damals auflagenstärkste Tageszeitung Baden-Württembergs noch Redakteure für den „Landesüberblick“ leistete und sogar einen eigenen Polizei- und Gerichtsreporter. Das war ich.

Doch trotz dieser kurzen Lebensphase hatte das Allgäu für mich immer eine ganz besondere Bedeutung. Nicht nur, weil ich dort die Frau meines Lebens getroffen habe, sondern auch, weil ich dort mehr Freunde und Bekannte habe als irgendwo anders in der Welt, Familie und Verwandtschaft obendrein. Und auch meinen Freund Börnie, der diesen Blog seit 31. Oktober 2016 von einer anderen Welt aus kritisch verfolgt.

Als wir vor ein paar Tagen von Mallorca nach München flogen und von dort weiter mit dem Auto nach Leutkirch gereist sind, war ich mir zunächst nicht so sicher, ob das so eine gute Idee war. Mittelmeer gegen Kuhwiesen. Tapasbar gegen Bauernwirtschaft. Feldspaziergänge statt Strandwanderungen.

Nicht erst nach einer Woche ist mir klar: Es war eine großartige Entscheidung.

Das fängt schon beim Wetter an. Während es auf Mallorca ganz oft kalt, regnerisch und windig war, empfing uns hier ein lieblich-warmer Frühling. Sattgrüne Wiesen, kristallklare Bergbäche, blühende Bäume und Sträucher – und kaum eine Brise, dafür Sonne satt. Mit Temperaturen, die im kalten Kanada als Frühsommer durchgehen könnten.

Der morgendliche Gang zum Bäcker, der am Bachufer sein Lädele hat. Der Metzger, der schon in aller Herrgottsfrühe warme Leberkässemmeln verkauft. Die Apothekerin, die sich um den mallorquinischen Sonnenbrand auf deinen Lippen kümmert, als gelte es die Welt zu retten – das alles vermittelt mir ein Gefühl des Heimkommens.

Es gab in den letzten Tagen ganz viele schöne Dinge, die in unser Leben geplätschert sind: Eine tolle Ferienwohnung mit liebenswerten Gastgebern. Essen bei Freunden, Einladungen von Menschen mit Geschichten, wunderbare Spaziergänge und sogar eine Seilbahnfahrt in Österreich mit traumhafter Berg- und Bodenseekulisse.

Und dann gab es da noch die ganz besondere Überraschung, die einfach nicht zu toppen ist: Plötzlich stand der Sohn aus Montréal an der Tür. Als hätte er geahnt, wie sehr wir ihn in den vergangenen Monaten am Mittelmeer vermisst haben.

Unser Deutschland-Urlaub im wilden Süden hat eben erst angefangen. Freuen Sie sich auf weitere Episoden aus der spannenden Serie „Abenteuer Allgäu“.

 

Der zehnte Winter auf Mallorca

fischerZehnmal sollen wir schon hier gewesen sein? Unfassbar. Als alles anfing, damals im November 2009, hatten wir nicht im Entferntesten daran gedacht, dass die Reisen nach Mallorca künftig zum jährlichen Ritual werden könnten. Aber das Leben auf dieser wunschönen Insel war einfach zu perfekt, um es nicht wieder und immer wieder genießen zu wollen – und sei es nur für einige Monate des Jahres.

So viel geballte Schönheit auf so kleinem Raum – das war neu für mich. Berge, Meer, die Gastronomie, die Menschen, das Wetter – das alles schien fast zu schön, um wahr zu sein.

Das Wetter? Das hat uns diesmal etwas im Stich gelassen. Mitte Januar zwei scheinheilige Wochen, die den Sommer versprachen – und dann ging’s bergab. Regen, Wind, Wolken und wieder Regen und Sturm. Und Kältegrade, wie ich sie in den vergangenen zehn Jahren auf Mallorca kaum einmal gespürt hatte. Erst ganz zum Schluss wollte Herr Petrus noch einen auf Gutwetter machen. Schmollschmoll.

Ganz ehrlich? So gefroren wie im Winter 2018 habe ich schon lange nicht mehr. Das hängt auch damit zusammen, dass die Erwartungshaltung an das Wetter am Mittelmeer  groß ist und sich der innere Thermostat dem Körperempfinden nur schwer anpasst. Wo Mittelmeer ist, muss die Sonne scheinen. Denkst du und vergisst, dass es auch in diesen Breitengraden Winter gibt.

Gut, es gab kein Glatteis und auch Schnee habe ich nur auf den höchsten Bergen der Tramuntana gesehen. Aber ungewöhnlich kalt war es während der vergangenen drei Monate. Vor allem aber extrem windig. Schon klar: Am Meer bekommt man Wetterextreme mehr zu spüren als im Landesinneren.

Notiz an mich: Meerblick: ja! Aber wenn’s geht, aus sicherer Entfernung. Wieder um eine Erfahrung reicher.

Und sonst so? Mallorca ist Mallorca und für mich nach wie vor einer der schönsten Flecken Erde, die ich kenne. Aber diese Schönheit hat ihren Preis. Die Menschenmassen, die auf die Insel strömen, sind manchmal schwer auszuhalten. Wenn, wie jetzt zu Ostern, mehrere Busse hintereinander mit dem Schild „COMPLET“ an dir vorbeizischen, weißt du: Es wird Zeit zu gehen.

Schon klar: Natürlich tragen wir selbst mit unserem Mallorca-Enthusiasmus zum Beinahe-Infarkt der Insel bei. Lieben muss ich diese Entwicklung trotzdem nicht.


Hier noch eine Art „Best-Of-2018“. Einfach klicken und genießen …

Insider-Tipps für Mallorca

IMG_E2836 (1).jpgWo gibt’s den besten Cortado? Wo finde ich den besten Zahnarzt? Der schönste Wochenmarkt, die interessanteste Bahnstrecke, die beste Tapas-Bar. All das habe ich nach zehn Wintern auf Mallorca für Sie zusammengestellt. Es ist eine sehr persönliche Best-of-Mallorca-Liste, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Handy und Internet – immer gut bedient von Walki und Christian Handyladen CMC

Sehen und gesehen werden: Bar Bosch

Toller Blick über Palma: Skybar Almundaina

Ein Arzt für alle Fälle: Dr. Diaz

Bei Zahnschmerzen hilft Tag und Nacht: Dr. Ruslan

Wenn’s wirklich ernst wird: Hospital Palmaplanas

Schwäbische Hausmannskost mit Blick aufs Meer: Ballermännle

Wunderbare Paella bei herrlicher Sicht: Cala Canta

(Meistens) wunderbare Paella in etwas gepflegterer Atmosphäre: „el Bungalow“

Die besten Tapas weit und breit: Tast

Wenn’s dann schon Pizza sein muss: Piadina E Vino

Bahnfahrt quer über die Insel: Palma-Inca

Busfahrt durch Berge und am Meer entlang: Palma Sollér Valdemossa

Klassische Wanderung für Anfänger und Fortgeschrittene: Deia-Sollér

Mallorcas schönster Wochenmarkt (nur sonntags): Santa Maria

Ramsch und alles Mögliche: Flohmarkt Consell

Perfekte Kurzwanderung zu Beginn der Mandelblüte: Andratx – Port Andratx

Spaziergang von Palma immer am Meer entlang: Palma – Can Pastilla

Von Palma an die Strände und zurück: Stadtbusse 15 und 25

Das schönste Café Palmas, vielleicht sogar von Mallorca: Cappuccino San Miguel

Konditorei mit meinem Freund Alfonso: Horno Santo Cristo

Tolle Bar mit Blick aufs Meer: Varadero

Die abgefahrenste Bar, die Sie garantiert je gesehen haben: Abaco

Wo die Mallorquiner baden gehen: Ses Illetes

Feines Lokal mit gehobener Küche: Emilio

Sollten Sie in Palma einem  Straßenmusiker begegnen, der göttlich Flamenco spielt, dann ist es Carlos. Grüßen Sie ihn von mir und seien Sie großzügig. Er hat es verdient.