Freitag: Zu Gast bei SWR-„Leute“

swrLange her, dass ich zum letztenmal im Radio war. Am Freitag, 20. Mai, ist es wieder soweit. Die SWR-Talk-Sendung „Leute“ hat mich als Studiogast eingeladen. Zwischen 10 und 12 Uhr darf ich an diesem Tag live aus Stuttgart mit der Moderatorin Nicole Köster über mein kleines Leben zwischen den Welten plaudern. Wem die Uhrzet nicht passt: Die komplette Sendung ist anschließend im Internet als Audio und Video abrufbar. Einzehlheiten dazu gibt’s  >> hier <<

Sonneninsel mit Schattenseiten

bannWer auf einer Sonneninsel überwintert, muss auch mit den Schattenseiten leben. Wenn auf Mallorca die Touristen wie Heuschrecken einfallen, einem die guten Plätze in der Stammbar wegschnappen und überhaupt alles besser wissen als die Einheimischen, sinkt der „Spaßfaktor Palma“ schnell um ein paar Prozentpunkte.

Nehmen wir Dienstag voriger Woche. Da legten sechs Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen an. Hätten sie sich in eine Reihe gestellt, wäre die Schlange mehr als zwei Kilometer lang gewesen. Die Schiffs-Schlange, nicht die der Touristen.

Manche der Schiffe beherbergen 2500 Passagiere, andere mehr, manche weniger. Jeder der Sehleute lässt bei seinen Landausflügen im Schnitt 100 Euro liegen, rechnete die Tourismusbehörde vor längerer Zeit einmal vor. Macht mal kurz Einnahmen von 2 Millionen. Nicht schlecht für einen ganz gewöhnlichen Dienstag im Mai.

Im Hafen von Palma kamen im Jahr 2015 insgesamt 1,7 Millionen Kreuzfahrtpassagiere an, das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr. 2016 werden es noch mehr sein. Die Oceanliner meiden zunehmend Häfen in Ägypten, Tunesien, Griechenland und der Türkei. Als Alternative wird jetzt verstärkt Mallorca angefahren.

Die Folge: Der Sparstrumpf von Palma platzt aus allen Nähten. Die engen Gassen der Altstadt auch. Vor allem die Fußgängerdichte in schmalen Einkaufsstraßen wie Calle San Miguel oder Calle Sindicat kann einem leicht die Lstrasseuft abschnüren.

Besonders eng wird es in Palma bei schlechtem Wetter. Da strömen dann nicht nur die Kreuzfahrer in die Gassen, sondern auch die Sommerfrischler, denen das Strandleben bei bewölktem Himmel nicht mehr das erhoffte Mallorca-Feeling bietet. Also wird Jack Wolfskin gesattelt – und ab geht’s von den All-inclusive-Anlagen in Paguera, Can Pastilla oder Arenal in Richtung Hauptstadt.

Schmollen auf hohem Niveau: Wenn wir, die wir die Gastronomie auch während der kargen Wintermonate am Laufen halten, im Mai vergeblich nach unseren angestammten Plätzen Ausschau halten, schmerzt der Blick auf das Abflugdatum Ende Mai ein ganz klein bisschen weniger.

In Montréal ist immer irgendwo (m)ein Barhocker frei.

Finca-Wanderung statt Bootstour

neubanner

Geplant war eine gemütliche Bootsfahrt von Paguera aus nach Port d’Andratx zur Insel Sa Dragonera und weiter nach San Telmo. Doch wenn das Meer brodelt und kein Schiff ablegen kann, muss ein Plan B her. Der lautete: Wanderung zur nahe gelegenen Finca Galatzó. Ein Glücksfall.

Er hatte es minutiös geplant, der gute Freund aus Paguera: Morgendlicher Cortado im „Playa 5“. Danach Schiffchen fahren zur Dracheninsel und wieder zurück nach Paguera. Nett essen bei Lars im Strandlokal „La Vida“, danach noch ein wenig bummeln und mit dem 102er-Bus zurück nach Palma.

Doch Petrus hatte es sich anders überlegt. Das Meer brodelte und die Strandliegen blieben trotz der sommerlichen Temperaturen leer. Also beschloss der beste Reiseführer der Welt: Wandern statt Wellengang.

Die Finca Galatzó ist ein riesiges Landgut, nördlich von Es Capdellà. Seitdem die Inselregierung Gehöft und Ländereien vor zehn Jahren aufgekauft hat, ist dieses prächtige Stück Erde auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Zu dem fast 400 Jahre alten Herrenhaus gehören nicht nur eine Kapelle, Stallungen und eine Ölpresse, sondern auch ein wunderbarer Garten in dem es sich zwischen Zitronenbäumen, Jasminblüten und Lavendelduft vortrefflich ruhen lässt.

Bei uns zuhause in Kanada undenkbar: Es wird kein Eintritt erhoben und alles darf angefasst werden, auch ohne bevormundende Supervision. Dafür gibt es hübsch gemachte Erklärtafeln für alles, was man so an Fragen hat.

Dorthin führte uns also diese kleine Wanderung durch ein wunderbares Tal zwischen dem Puig de Galatzó und der Mola de s’Esclop zur. Mit seinen mehr als 1000 Metern Höhe gilt der Galatzó als einer der Hauptgipfel der Serra de Tramuntana im Südwesten Mallorcas.

Rückkehr nach Paguera mit Essen am Strand. Das Meer hatte sich immer noch nicht ganz beruhigt. Gut so. Sonst hätte es ja diese wunderbare Wanderung nicht gegeben.

Muchas gracias, Señor R.

Der Strand der Verlierer

fotobannerWas man nicht so alles findet an einem Freitag, dem dreizehnten, am Strand von Colónia de Sant Jordi, im Südosten von Mallorca: Flipflops und Socken. Benzinkanister und eine Sandkastenschaufel. Ein Ventilator war auch dabei und auch ein „„-Schild, das stark nach Düsseldorf riecht.

Alles Dinge, die man eben so braucht, wenn man am Meer ist.

Wer die Fundsachen wann wo und warum hinterlassen hat, bleibt das Geheimnis der Verlierer. Und weil es für uns schon die zweite Strandwanderung in diesem Frühjahr war – die erste hatte eine Hippie-End – gibt es eben heute statt schönen Bildern einfach mal Strandgut.

Stöbern Sie doch mit.

 

Der Feind vor meinem Fenster

IMG_1281

Bis vor kurzem war ich ein großer Fan von Straßenmusik. Ob Beatles oder Bowie, Dixie oder Dylan – keine Band war mir zu laut, kein Akkord zu schrill, kein Sänger zu schräg. Seitdem ich im Epizentrum der Touristenmetropole Palma lebe, hat sich mein Verhältnis zu Streetperformern dramatisch verschlechtert. Ich wünsche ihnen abwechslungsweise eine fette Erkältung an den Hals oder sechs gerissene Gitarrensaiten gleichzeitig. An manchen Tagen auch beides zusammen.

Die Straßenmusiker, die Tag für Tag vor meiner Wohnung auftreten, überbieten sich gegenseitig in der Dezibelzahl. Jegliches Taktgefühl scheint ihnen abhanden gekommen zu sein.

gitarre

Der Autor als „Busker“ ca. 1964

Dass Streetperformer es eines Tages schaffen würden, mir meinen Alltag zu vermiesen, hätte ich nie für möglich gehalten. Schließlich war ich früher selbst einer von ihnen. Mit Banjo und Gitarre habe ich mich als Tramper durch halb Europa gespielt. Nur sorgte damals, wenn ich mich richtig erinnere, der Klangkörper eines Instruments für die Akustik und nicht ein Verstärker.

Straßenmusiker lassen sich nicht abschalten wie ein Radiogerät. Sie lassen sich auch nicht leiser stellen. Ihre Stimmen mögen noch so unstimmig sein – sie zählen auf die Gnade der Passanten, die auch dann noch einen Taler in den Hut werfen, wenn eigentlich eine Freiheitsstrafe angebracht wäre.

Nie zuvor habe ich einen Menschen mit einer solchen Hingabe so inbrünstig falsch singen hören wie den Gitarristen vor meinem Haus, der so etwas ähnliches wie Beatles-Songs zu spielen vorgibt. Erschwerend komme allerdings hinzu, bemerkte neulich die mitleidende Frau an meiner Seite, dass er leider rasend gut aussehe.

Die alternde Operndiva: Sie stammt aus Weißrussland, habe ich in der Zeitung gelesen. In ihrer Heimat habe sie große Erfolge feiern dürfen. Ach, hätte sie die Ovationen doch in Minsk ausgekostet! Aber irgendwann kam der Absturz und sie landete auf der Straße. Ausgerechnet in Palma. Ausgerechnet vor meiner Wohnung. Hebt sie zum „Ave Maria“ an, werden vor meinem Fenster massenweise Taschentücher gezückt. Tränen sind ein gutes Schmiermittel für den Geldbeutel, denkt sich die Diva. Also schmettert sie ein „Ave Maria“ nach dem anderen in die Menge.

Und dann die Frau in Schwarz, stets mit Hut und Sonnenbrille. Ihr Repertoire besteht aus genau fünf Liedern. Vier davon bringt sie kläglich zu Ende. Beim vierten – „Me and Bobby McGee“ – stößt sie regelmäßig an ihre Grenzen und hört mitten im Song auf. Janis Joplin würde sich im Grabe umdrehen, müsste sie dieser Kopiermaschine auf zwei Beinen zuhören.

Ob Reggae oder Funk, Blues oder Heavy Metal – sie können mir inzwischen alle gestohlen bleiben. Ihr minimalistisches Repertoire ist ausgelegt für einen stets in Bewegung befindlichen Touristenstrom. Ihre Stimmen laufen selten zur Hochform auf.

Nur wenige der Streetperformer vor meinem Haus könnten in meiner adoptierten Heimatstadt Montréal überleben. Dort ist die Konkurrenz unter „Buskern“ groß. Jeweils zu Saisonbeginn veranstaltet die Stadt Castings. Wer „Me and Bobby McGee“ nicht durchgehend singen kann, hat keine Chance auf eine Lizenz.

Am liebsten ist mir inzwischen der Chinese mit Strohhut vor meinem Fenster. Er lächelt zufrieden und malt Namensschilder aus fantasievoll aneinander gereihten Tierfiguren. Das Beste: Er gibt keinen Ton von sich.

Klappern gehört zum Handwerk. Hier noch zwei Streetperformer der besonderen Art.