Viel Krach und ein wenig Frieden

)2016

Wenn Montrealer feiern, dann lassen sie es krachen. Da versammeln sich schon mal hunderttausend Menschen auf einer Fläche von drei Fußballplätzen, tanzen, trinken, singen – und marschieren anschließend in der Gruppe zur nächsten Metro-Station, ehe irgendwann dann auch die letzte U-Bahn abgefahren ist.

Das Beste dabei: Es kommt so gut wie nie zu irgendwelchen Zwischenfällen. Keine Schlägereien, keine Pöbeleien, keine besoffenen Partygänger, die um die Wette reihern. Das ist beim Open-Air-Jazzfestival im Sommer nicht anders als auch jetzt wieder bei der Mega-Silvesterparty auf dem Place Jacques Cartier.

Wie es hunderttausend meist junge Leute schaffen, sich bis in die Morgenstunden zu amüsieren, ohne im Komasuff zu enden, war mir schon immer ein Rätsel. Aber, Achtung: Stinktieralarm! Der Duft von Marihuana und anderen Rau(s)chmitteln hängt stets als überdimensionale Dunstglocke über der Menge.

Keinen stört’s. Gleich gar nicht die Regierung. Die will noch in diesem Jahr den Marihuanakonsum legalisieren. An der Partyathmosphäre dürfte sich nicht viel ändern. Ob mit oder ohne Joint: Spaß haben die Montrealer schon jetzt. So löst sich das Joie de vivre der Frankokanadier ganz einfach  in Luft auf.

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April, April – wo ist der Winter?

lac_2015         Winter mal so, mal so: Oben: 2015 – Unten: 2012                               Fotos: © Bopp

winterDas mit dem kanadischen Winter ist so: Mal tut er so, als würde er uns gleich mit klirrender Kälte die Knochen brechen. Dann kommt er wie ein Lämmchen daher, als wollte er uns ins Ohr flüstern: „April, April. Ich kann auch anders“! Dieses Jahr? Funkstille. Petrus spinnt und ist sprachlos. Was soll er auch sagen, wenn er Montreal an Heiligabend mit 16 Grad plus beschert?

Hier oben, am Lac Dufresne, zwei Stunden nördlich von Montreal, zeigt das Thermometer immerhin noch 14 Grad. „Mallorca kannst du knicken“, lästerte die Freundin. „Demnächst kommen die Mallorquiner nach Kanada zum Überwintern“. Warum nicht? Ist doch nett hier.

Gestern noch war der See vor der Blockhütte komplett zugefroren. Fürs Nudelwasser mussten wir auf dem Holzofen Schnee auftauen. Heute morgen dann Regen, später Sonne. Im Moment Wind und strahlend blauer Himmel. Von Schnee keine Spur mehr.

Es stimmt zwar: So ein richtig knackiger Winter hat was. Aber gut 30 davon habe ich hinter mich gebracht. Mit Eis und Schnee und Blizzard und Noteinsätzen der Feuerwehr, der bei minus 40 Grad das Löschwasser in den Schläuchen gefroren war. Das alles muss ich mir nicht mehr antun.

Deshalb: Spinn ruhig weiter, lieber Petrus! Und lass uns „Stille Nacht“ von mir aus im T-Shirt singen.

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WeisseWasserWeihnachten an Heiligabend.      © Bopp

Die Sauerkraut-Globalisierung

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Frau Merkel hat beim CDU-Parteitag in Karlsruhe eine bemerkenswerte Rede gehalten, in der auch das Thema Globalisierung vorkam. Als ich der Kanzlerin so zuhörte, kam mir die Idee, über unsere eigene, quasi hausgemachte Globalisierung nachzudenken. Die fängt schon mal damit an, dass es mir nur dank des Internets vergönnt war, die Ansprache überhaupt mitzuverfolgen.

Wer mehr als sein halbes Leben im Ausland verbracht hat, weiß es sehr wohl zu schätzen, den Anschluss an Deutschland und alles, was dazu gehört, nicht zu verlieren. Dazu gehören die Lektüre von deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften sowie der Konsum von Radio- und Fernsehsendungen in deutscher Sprache und, noch wichtiger, das Ganze aus deutscher Perspektive.

Zur hausgemachten Globalisierung gehören natürlich auch Speisen und Getränke, die bei uns dank eines ausgeprägten Genuss-Sinnes einen außergewöhnlich hohen Stellenwert haben.

Auch wenn die kanadische Küche, vor allem im französischen Teil Kanadas, in dem ich lebe, nur wenig an Köstlichkeiten vermissen lässt, könnte ich mir ein Leben ohne Spätzle, Leberkäs, Kassler und Sauerkraut nicht vorstellen. leberkaesDas mag manchem, der mit seiner Region verhaftet ist und in Italien Urlaub macht, ein Naserümpfen entlocken. Aber im Ausland Urlaub zu machen heißt, exotische Speisen zu entdecken und diese über einen begrenzten Zeitraum hinweg zu genießen, um anschließend wieder an den heimischen Herd zurück zu kehren.

Für den, der jedoch permanent im Ausland lebt, gelten andere Gesetze. Das trifft vor allem für eine extrem multikulturell ausgerichtete Stadt wie Montréal zu. Dort tobt die Küchen-Exotik in Form von fünftausend Restaurants quasi 24 Stunden am Tag unmittelbar vor der Haustür.

stollenPad Thai, Tao Chicken, Bhuna Gosht, Poutine oder Smoked Meat gehören hier fast schon zu den Grundnahrungsmitteln. Dagegen kommt der selbst gebackenen Laugenbrezel, dem Christstollen, der Mohnseele oder einem frisch gebackenen Stück Leberkäs eine Bedeutung zu, die nur der ermessen kann, der nie für lange Zeit auf den Genuss von Pellkartoffeln mit Backsteinkäse verzichten musste. Mit Deutschtümelei oder Küchen-Chauvinismus hat dies absolut nichts zu tun, mit Genuss ohne Grenzen dagegen sehr viel.

Meine eigene Erfahrung ist die: Kulinarische Bedürfnisse verändern sich nicht, egal in welcher Umgebung sich der Genießer gerade befindet. Man mag während eines Besuchs in Argentinien die Vorzüge eines perfekt gebratenen Rindersteaks entdeckt haben oder in Valencia glauben, nie mehr auf eine köstliche Paella verzichten zu wollen . Zurück in NRW, BW oder HH funktioniert der Gaumen ganz schnell wieder im Heim-Modus.

So gesehen ist es mir keineswegs peinlich, hin und wieder beim deutschen Feinkosthändler meines Herzens vorbeizuschauen, um den Einkaufskorb mit Hengstenberg-Essiggurken, Bechtle-Spätzle und Lübecker Marzipan zu füllen.

Es geht eben nicht nur die Liebe durch den Magen, sondern auch die Globaisierung. Zumindest bei uns.

Snowboarding auf der Partymeile

galerieWas macht der Montrealer, wenn der Winter auch noch im Dezember auf sich warten lässt? Schnee. Er macht Schnee und baut eine gigantische Snowboarding-Bahn daraus. Mitten in der Vier-Millionen-Stadt. Dort, wo sonst die Partygänger feiern. Die Rue-St.-Denis war jetzt schon zum zweitenmal Schauplatz eines Snowboarding-Rennens. Tausende von Zuschauern, ein paar Dutzend schnelle Jungs und Mädels – und natürlich jede Menge Sponsoren, die sich so ein Event nicht entgehen lassen wollen. Der Sieger – wiewarnochgleichseinname? – hat übrigens 15.000 Dollar kassiert. Für mehr Fotos auf den Banner klicken. Oder >> hier <<<