Uberglücklich am ersten Tag

Rosalie und Marco: Ein tolles Paar zur Uber-Premiere.

So schön hatte ich mir den ersten Tag als Uber-Chauffeur nicht vorgestellt: Acht Trips mit Tips und als Sahnehäubchen noch Fünf-Sterne-Bewertungen – mehr kann ein Neueinsteiger auf Montreals Straßen nicht erwarten.

Doch nicht Sternchen, Trinkgeld und etwas mehr als eine Handvoll Dollar sind das Entscheidende. Es sind die Menschen mit ihren Geschichten, die ich heute zwischen Laval, Little Italy und île des Sœurs getroffen und gehört habe.

Was eigentlich eine kleine Schnuppertour werden sollte, endete in einem sechsstündigen Arbeitstag hinterm Steuer. Wobei: Arbeit ist ein großes Wort für so eine Spaßveranstaltung.

Schon der Auftakt war verheißungsvoll. Rosalie und Marco, ein superfreundliches Studentenpaar aus Montreal, wollten vom Baumarkt „Home Depot“ im Stadtteil St. Henri zum Shopping-Centre „Plaza Alexis Nihon“ in der Innenstadt chauffiert werden.

Erst bei der Ankunft am Ziel outete ich mich als absolutes Greenhorn. „So cool“, sagte Rosalie zu meiner allerersten Uber-Fahrt. Das müsse sie unbedingt ihrem Papa erzählen. Der hocke seit seiner Pensionierung nur noch den ganzen Tag vor dem Fernseher. Sie finde es toll, wie sinnvoll ich meine Zeit verbringe. „Und dann noch mit so einem schönen Auto“.

Das mit dem schönen Auto ist übrigens so eine Sache. Bei einem 75-Jährigen, der mit einem kleinen, aber feinen Mercedes Uber-Taxi fährt, fühlt sich so ein Trinkgeld dann vielleicht doch nicht so richtig an. Marco und Rosalie ließen es sich trotzdem nicht nehmen, ein paar Taler bargeldlos aufs Konto zu appen.

Eigentlich hätte mir diese Fahrt als Einstand genügt. Aber die Uber-App lief jetzt, da es zu regnen angefangen hatte, auf Hochtouren. Acht Fahrten wurden insgesamt daraus, fast genau so viel musste ich ablehnen, weil ich entweder bereits Passagiere im Wagen hatte oder mir ein Nickerchen auf einem charmanten Parkplatz in irgendeinem Industriegebiet wichtiger schien.

Nächster Stopp: Das Sheraton Hotel, mitten im Bankenviertel. Ein freundlicher Geschäftsmann aus Indien wollte in Begleitung einer jungen Brasilianerin – beide wohnaft in Dubai – in die Vorstadt gefahren werden. Dort wartete ein Mietwagen auf das Paar. Mit dem sollte es am nächsten Tag in die Berge gehen.

„Sergei“ war der dritte im Bunde. Sergei schwieg von Anfang bis zum Schluss. Der große Schweiger hatte vor einem russischen Restaurant auf den Fahrdienst gewartet. Sein Ziel: Ein schnuckeliges Hotel am Alten Hafen.

Weiter ging’s mit:

  • Drei jungen Türken, die sich noch nicht einig sind, ob sie mit Montreal die richtige Wahl für ihr Studium gewählt haben.
  • Einer jungen Kroatin, die eigentlich zum Studieren hierhergekommen war, nur um sich schnurstracks in einen Frankokanadier zu verlieben und jetzt in einer Plastikfabrik arbeitet.
  • Einem weiteren Türken, Anwalt in einer Montrealer Kanzlei. Der hatte Mama und Schwester aus Istanbul zu Besuch und wollte ihnen ein bisschen die Stadt meines Herzens zeigen.

Als der Regen immer schlimmer wurde und ich mich in der Abenddämmerung schon auf den Heimweg gemacht hatte, beepte die Uber-App schon wieder. Diesmal war es eine Frau aus Brüssel, die von einem feinen Hotel in ein noch feineres Spa auf île des Sœurs chauffiert werden, wollte.

Die Wohninsel im Sankt-Lorenz-Strom gilt verkehrstechnisch als Albtraum. Aber Madame versäumte es nicht, den älteren Herrn mit Komplimenten zu überschütten. Da war vom sauberen Auto, über die Stadtkenntnisse bis zur Playlist bei Spotify alles an Lob dabei.

Also alles paletti nach dem ersten Uber-Tag?

Nicht ganz. Das Navi, das Teil der Uber-App ist, schwächelt. Hausnummern sind oft Glücksache, Umleitungen werden, wenn überhaupt, erst in letzter Sekunde angezeigt. Der Umstieg auf die GPS-Applikationen „Waze“ oder „Google Maps“ wäre nur dann möglich, wenn als Haupt-App noch immer parallel dazu die Uber-Anwendung laufen würde, denn da spielt die Musik.

Irgendwelche Tipps aus der Blog-Community?

JEDER FAHRER braucht ein Uber-Profil. Hier ist meins: Alt, aber sicher.

Plauschen statt planschen: Kanadas Ex-Premier ist tot

KANADISCHES POWER-PAAR: Mila und Brian Mulroney. Copyright: The Sun

Wenn es um Menschen mit Geschichten geht, das wissen meine geneigten Leserinnen und Leser, sind die BLOGHAUSGESCHICHTEN stets zur Stelle. Brian Mulroney war einer dieser Menschen. Der Mann, der als Premierminister von 1984 bis 1993 die Geschicke Kanadas leitete, ist heute im Alter von 84 Jahren gestorben.

Brian Mulroney hatte nicht nur eine Fülle von Geschichten auf Lager, er machte auch Geschichte. Über sein politisches Vermächtnis sollen andere schreiben. Als Ihr ganz persönlicher Storyteller möchte ich Ihnen heute ein bisschen von einem ungewöhnlichen Treffen mit Mr. Mulroney erzählen.

Es war im Sommer 1987, als ich Brian Mulroney zum ersten Mal auf Augenhöhe begegnet bin. Im Parlament, bei Wahlkampfveranstaltungen und dem einen oder anderen Häppchen-Event hatte ich den hoch gewachsenen Mann mit der tiefen Stimme schon öfter erlebt.

An ihn denken musste ich eine Zeitlang fast täglich. Das hat auch mit seiner Ehe mit Mila zu tun, einer Frau, der mit ihrem europäischen Charme schon bald die Herzen vieler Kanadier zuflogen.

Kurz nach meiner Ankunft in Montreal in den frühen achtziger Jahren lebte ich in einer Wohnung im Stadtteil Notre-Dame-de-Grâce. Wohnraum gab es zu jener Zeit im Überfluss – so viel, dass sich Vermieter etwas einfallen lassen mussten, um Mieter zu bekommen.

Manche Hausbesitzer übernahmen die Stromrechnung, andere die Kosten für das Kabelfernsehen. Mein Vermieter pries seine Wohnung an, indem er bei der Besichtigung auf den gegenüberliegenden Tennisplatz verwies.

„Stellen Sie sich vor“, sagte er, „Sie blicken von ihrem Wohnzimmerfenster aus jeden Tag auf den Platz, an dem sich Mila und Brian Mulroney kennengelernt haben“.

Ich glaube nicht, dass Mr. und Mrs. Mulroney ursächlich dafür waren, dass ich mich schließlich für die Wohnung an der Grey Avenue entschieden habe. Aber empfänglich für ein bisschen Namedropping war ich schon damals, das gebe ich zu.

Obwohl die Mulroneys hin und wieder an Social Events im „Mount Royal Tennis Club“ teilgenommen haben, sind sie mir in meiner Straße nie begegnet.

Gesprochen habe ich mit Brian Mulroney erstmals in einem idyllischen Waldstück am „Harrington Lake“. Dort liegt die Sommerresidenz der kanadischen Premierminister. Auch Brian Mulroney zog sich oft und gerne in das Landhaus nördlich von Ottawa zurück.

Als es hieß, Mr. Mulroney und seine Gattin laden heute ein paar Journalisten in das großzügige Anwesen am See ein, ließ ich mich selbstverständlich akkreditieren. Wer hat schon Gelegenheit, seinem Premierminister beim Schwimmen und Kanufahren zuschauen zu dürfen?

Also machte ich mich mit ein paar anderen Journalisten auf in Richtung Harrington Lake.

Doch es kam mal wieder anders als gedacht.

Verspätet und dramaturgisch haarscharf inszeniert tauchte plötzlich ein Jeep aus einer riesigen Staubwolke auf. Am Steuer: Brian Mulroney persönlich, mit Khakihemd und Jeans. Ganz der Junge von nebenan, als der er sich gerne gab.

Mulroney war angeblich untröstlich. „Boys and Girls“, sagte er „es gibt eine kleine Planänderung“. Er könne die ganze Reporterschar nun doch nicht in seiner Cottage am See empfangen. Auch ein Premierminister müsse sich schließlich den Sicherheitsbedenken seiner Leibwächter beugen. „Security first!“

Statt Planschen im See also ein Plausch am Gartenzaun. Brian Mulroney war sichtlich bemüht um Schadensbegrenzung. Gespielt geknickt erzählte uns der Sohn eines Elektrikers aus dem nordkanadischen Städtchen Baie-Comeau so ziemlich alles, was wir wissen wollten.

Viel war es übrigens nicht. Einige von uns waren vermessen genug, ihre Badesachen zu diesem denkwürdigen Pressetermin einzupacken. Entsprechend groß war die Enttäuschung.

Dass er uns trotz Abmachung nicht hinter die Kulissen seines Landhauses blicken ließ, habe ich dem alten Charmeur nie verübelt. Ein schöner Sommernachmittag am Tor zum Harrington Lake war es allemal.

KNAPP VERPASST: Das Landhaus kanadischer Premierminister. © Cottage Life

Die UBERraschungsparty

Vater wird UBER-Fahrer – und die Familie freut sich. So sehr, dass sie dem künftigen Chauffeur eine kleine Überraschung-Party bescherte. Noch immer fehlen zwei Dokumente für die Lizenz zum Ridesharing, doch bald wird durchgestartet.

Was der Fahrgast vom „UBER Driver“ erwarten kann, war Teil der 15stündigen Prüfung: Ein stets sauberes, gut riechendes Auto, einen freundlichen und vor allem stadtkundigen Fahrer. Und als Zusatz-Service stets frisches Trinkwasser für den durstigen Fahrgast.

Auf dem liebevoll von Cassian und Michelle gedeckten Gabentisch lagen jetzt kistenweise Wasserflaschen, umweltfreundliche Reinigungsmittel für außen und innen und Duftanhänger der Geschmacksrichtung „True North“.

Als Extrabonus werden im Auto noch Ladekabel fürs Handy bereit liegen. Schließlich darf es dem Passagier an nichts fehlen – gleich gar nicht an der guten Kommunikation. Für die sorgt hoffentlich nicht nur der Fahrer, sondern auch die Technik.

Aber dem künftigen Chauffeur mangelt es trotzdem noch an etwas: Von den zwölf Dokumenten, die für die Taxifahrer-Lizenz notwendig sind – stecken noch immer zwei in der Pipeline:

Der Termin für die Auto-Inspektion und die Steuernummer für selbstständige Fahrdienst-Unternehmen lassen auf sich warten.

Wen wundert’s: Für beides sind die Bürokraten der Quebecer Regierung zuständig.

Nächste Karriere: Uberfahrer

Joschka Fischer hat als Taxifahrer angefangen und seine Karriere als Vizekanzler beendet. Meine berufliche Laufbahn in Montreal begann als Kanada-Korrespondent und endet jetzt, mit 75, als Taxifahrer. Genauer: als UBER-Chauffeur.

Bitte keine Care-Pakete! Es geht uns gut. Aber wenn der Bewegungsradius von Weltweit auf Bierdeckelgröße schrumpft und der Blick aus dem Wohnzimmerfenster auf den vereisten Fluss den Sommer noch in weiter Ferne sieht, hilft eine Veränderung.

Die habe ich jetzt mit dem Bestehen der offiziellen Taxifahrer-Prüfung eingeleitet.

Ehe es los geht, müssen noch ein paar Regularien abgehakt werden: Steuernummer für Selbstständige beantragen, Mechaniker-Crashkurs mit Sicherheits-Zertifizierung für das Auto. Und ein polizeiliches Führungszeugnis. „Das könnte knapp werden bei all deinen Vorstrafen“, unkt ein Freund. Satire aus.

Fünfzehn Stunden Unterricht (en français, wir sind schließlich in Québec) habe ich hinter mir: Mechanik, Rechts-, Versicherungs- und Verkehrsfragen, Kundenservice, Umgang mit Menschen mit eingeschränkter Mobilität und weitere spannende Aspekte.

Als guter Service gilt, den Kunden beim Einsteigen zu fragen, ob er einen französischen, englischen oder gar keinen Radiosender hören möchte. Als sexuelle Belästigung gilt, wenn der Fahrer der Kundin ungefragt den Sicherheitsgurt anlegt und sie dabei berührt. Soll es geben unter Taxifahrern.

Ich werde in der Dreieinhalb-Millionenstadt Montreal also künftig als UBER-Fahrer arbeiten. Mit meinem Sehvermögen sollte das tagsüber klappen. Nachts und bei schlechtem Wetter werde ich mich nicht hinters Steuer setzen. Wenigstens das musste ich Lore und Cassian versprechen. Die stehen übrigens voll hinter mir. Klasse.

Wie ich auf die Idee gekommen bin? Ich kenne und liebe meine Stadt seit 40 Jahren, habe als Rentner viel Zeit, fahre gerne Auto und freue mich über nichts mehr, als mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Zahlreiche UBER-Fahrten in den letzten Tagen und Wochen haben mich in meinem Entschluss bestärkt, mich für Geld hinters Steuer zu setzen. Quasi Joschka Fischer rückwärts.

Die Fahrer – es war nur eine einzige Frau darunter – waren durch die Bank zufrieden mit ihrem Job, strahlten mich im Rückspiegel an und schienen weit weniger gestresst als viele Taxifahrer, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Kein Wunder: UBER-Fahrer können sich die Arbeitsstunden frei auswählen. Ob eine Stunde am Tag oder acht – es liegt an ihnen.

Und dann die Geschichten: Vom UBER-Fahrer, der in seinem früheren Leben Bankangestellter war und knapp einen Raubüberfall überlebt hat. Vom Argentinier, der seiner Tochter nach Montreral nachgereist war, die aber dann vom Papa weit weniger wissen wollte als erhofft.

Wer Menschen mit Geschichten mag, scheint als Taxifahrer in Montreal gut aufgehoben zu sein.

Die Reaktion auf meine UBER-Ambitionen im Familien- und Freundeskreis fielen einstimmig ermutigend aus. Naja, fast einstimmig.

„Wozu brauchst du eine zweite, dritte, vierte Karriere“, fragt ein Freund, der es immer gut mit mir meint. „Du willst mir doch nicht einreden, dass du am Hungertuch nagst und dir deine Diät nicht mehr leisten kannst?“ Nein, will ich nicht. Siehe oben: Keine Care-Pakete, bitte!

Positiver ist die Einstellung meines Kölner Kumpels: „Ich sehe schon den nächsten Roman vor mir: Taxi, Tapas, Tante Thea – oder Einsichten eines Uberisten.“ Gute Idee, Stefan!

Und wie funktioniert so eine UBER-Fahrt?

Kunden buchen ihren Trip mit der UBER-App. Die Bezahlung erfolgt bargeldlos im Voraus. Bereits bei der Reservierung kennt der Fahrgast die voraussichtliche Ankunftszeit. Die hat das UBER-eigene GPS ausgerechnet, und auch der Fahrpreis steht bei der Buchung schon fest. Selbst der Tagesverdienst kann minutengenau abgerufen werden.

UBER hat nicht nur Freunde. Auch ich bin mir der wirtschaftlichen und ideologischen Seiten bewusst, die der Fahrdienst mit sich bringt.

Konzessionen, die manche Taxi-Unternehmer vor Jahrzehnten für viel Geld erstanden hatten, in der Hoffnung, sie eines Tages für noch mehr Geld versilbern zu können, sind heute weit weniger wert als von den Eigentümern erwartet.

Umgekehrt hat der weltweite Aufstieg der Ridesharing-Dienste die traditionellen Taxiunternehmen dazu veranlasst, sich anzupassen und ihre Dienstleistungen zu verbessern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das kommt letztendlich den Verbrauchern durch verbesserte Qualität und Effizienz zugute. Außerdem haben die Regierungen, darunter auch die in Quebec, die Taxiunternehmer großzügig für ihre Einkommensverluste entschädigt.

Bei den Finanzverwaltungen in Großstädten wie Montreal gilt UBER als wahre „cash cow“. Im vergangenen Jahr hat der Fahrdienst weltweit mehr als 37 Milliarden Dollar eingenommen. Da freut sich jeder Stadtkämmerer.

Wohin mich meine neue Karriere als Montrealer Taxifahrer führt, wird sich zeigen. Eins steht schon jetzt fest: Die BLOGHAUSGESCHICHTEN werden künftig noch spannender als bisher. Der nächste UBER-Blog kommt bestimmt.

DER BEWEIS: Die offizielle Lizenz zum Taxi-Fahrer in der Provinz Quebec.

Ist man mit 75 eigentlich alt?

Hätte mich noch vor wenigen Jahren jemand gefragt, ob ich mich als „alt“ betrachte, hätte ich vermutlich mit dem Allerweltsspruch geantwortet, man sei so alt, wie man sich fühle. Und überhaupt sei das Alter „lediglich eine Zahl“.

Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Das Alter ist, man kann es drehen und wenden, wie man will, nicht immer gut zu allen Menschen.

Im „Stern“ habe ich vor ein paar Tagen die Headline gelesen: „Ich bin eine Frau Anfang 40 – muss ich mich vor dem Älterwerden fürchten?“ Lore saß neben mir. Wie aus der Pistole geschossen sagten wir beide: „Oh ja, sehr sogar!“

Aber warum eigentlich? Zum Beispiel weil Dinge passieren, mit denen man nie gerechnet hätte.

Als ich meinem Heimatort Ummendorf vor Jahren mal einen Besuch abstattete, kam eine inzwischen sehr betagte Nachbarin auf mich zu und freute sich offensichtlich, mich zu sehen. Ich sei immer „ein ganz arg netter Bub“ gewesen, sagte sie. Nur einmal habe sie so ihre Zweifel an meiner Liebenswürdigkeit gehabt.

Das war, als meine Mutter 1967 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Die Nachbarin erinnerte mich daran, wie sie mir ihr Beileid aussprach. Ich sei zwar unsagbar traurig gewesen, habe sie dann aber mit dem Satz schockiert: „Schrecklich, ja. Aber Mama war ja auch schon alt“.

Ich war 18, Mama 57.

Wie peinlich mir dieser bescheuerte Spruch heute ist, muss ich wohl nicht betonen. War es Verlegenheit, dass ich mich zu diesem Geschwafel hinreißen ließ? Dummheit? Oder glaubte ich als Teenager wirklich, mit 57 sei man schon „alt“?

Und überhaupt: Wann ist man nun eigentlich alt?

Laut Weltgesundheitsorganisation ist man mit 75 „alt“. Wer über 90 Jahre ist, zählt zu den „Hochbetagten“. Ab dem 100. Lebensjahr gilt man als „Langlebiger“. Die Gruppe der 60- bis 74-Jährigen sind laut WHO noch keine „alten“, aber sogenannte „ältere“ Menschen.

Alles klar. Ich bin alt. Seit heute sogar offiziell.