Vom Kapitän zum Corona-Sänger

SINGEN GEGEN DIE KRISE: Jörg Kujack gibt sein Debüt als Liedermacher.

„Ich will, dass es endlich wieder Sommer wird“, singt mein Kumpel Jörg. Dabei denkt er nicht an einen Sommer mit 30 Grad und Urlaub unter Palmen. Jörg sehnt sich nach der Schlange vor der Eisdiele oder Planschen am Baggersee und sich gegenseitig nass spritzen – „ohne die anderthalb Meter Abstand“.

Jörg hat den Corona-Song in einer halben Nacht geschrieben, sein Bruder Goetz hat ihn am Morgen danach vertont. WordlWideWeb im Wortsinn: Jörg lebt in Baden-Baden, Goetz in Fort Lauderdale/Florida.

Ungewöhnlich an diesem Song ist nicht nur die interkontinentale Zusammenarbeit im Netz. Auch dass Jörg, bis vor kurzem noch als Flugkapitän im Airbus auf allen Kontinenten unterwegs, im Rentenalter noch sein Talent als Songschreiber entdeckt, finde ich inspirierend und einfach nur klasse. So geht älter werden.

Ganz fremd sind ihm Studio und Mikrofon freilich nicht: Ehe er bei der Lufthansa als Pilot anheuerte, war der studierte Journalist Jörg Kujack jahrelang Moderator beim damaligen Kultsender SWF3.

Und wie kommt ein pensionierter Flugkapitän dazu, einen Corona-Song zu schreiben? „Ganz einfach“, sagt Jörg. „Erst gestern ist es mir wieder passiert, dass mir der Zutritt ins Geschäft verwehrt wurde, weil ich die Maske vergessen hatte“. Da habe er zu Gitarre und Stift gegriffen und sich so seinen Frust von der Seele geschrieben.

Das Problem mit der Maske kennen wohl inzwischen die meisten von uns, die Sehnsucht nach dem Sommer ohne Abstand auch. Nur: Wir motzen. Jörg macht. So war er schon immer, mein Kumpel über den Wolken.

Als wäre Corona allein nicht schon tragisch genug, bekommen wir mitten in der Krise noch das Trauerspiel zwischen Söder und Laschet serviert. Auch das – und noch einiges mehr – hat Jörg in seinem Song thematisiert.

Einfach mal reinhören, gerne kommentieren und in den sozialen Medien teilen. Dass >> DER MANN MIT DEN TRAUMBERUFEN <<  jetzt noch unter die Liedermacher gegangen ist, passt.

Stillstand war schließlich noch nie Jörgs Ding.

Jörg Kujack erzählt aus seinem Leben bei HitRadio Ohr (28. April 2021)

„Aus nächster Nähe“ auf YouTube

Wie der Abenteurer Hermann in Afrika nur knapp dem Tod entkam

Die sechste Episode des Podcasts “Deine Story – Meine Stimme” spielt in Westafrika, in der Elfenbeinküste, um genau zu sein. Dort war mein Freund Hermann vor vielen Jahren an der Deutschen Botschaft beschäftigt. Heute ist Hermann über 80 und lebt gesund und munter auf Mallorca. Das ist alles andere als selbstverständlich, denn Hermann hat in der Elfenbeinküste Schlimmes erlebt. Dass er seinen Geburtstag jedes Jahr zweimal feiert, hat einen tragischen Hintergrund.

Die Seite zum Podcast „DEINE STORY – MEINE STIMME“

Das etwas andere Oster-Dinner

Vier Menschen sitzen an einem Tisch. Das Lachsfilet könnte zarter nicht sein, der Wein ist perfekt temperiert. Die Unterhaltung passt zum Anlass. Es ist Ostern, da stößt man schon mal auf ein paar Dinge an, die richtig gelaufen sind im Leben. Und verdrängt das eine oder andere Thema, das nicht als Tischgespräch taugt.

Ein ganz normaler Dinnerabend also bei Bopps daheim. Wenn da nur nicht dieser verdammte Virus wäre.

Genaugenommen war es illegal, was wir da inszenierten. Zum erstenmal seit mehr als einem Jahr saßen wir zu viert am Esstisch. Das ist hier verboten, wenn diese Personen aus mehr als einem Haushalt kommen.

Ausgerechnet zu Ostern haben wir uns also versündigt.

Wir sind geimpft. Unsere Gäste – Sohn mit Freundin – sind verantwortungsvolle, vernünftige Menschen. Was kann also schon passieren?

Viel, wenn man es genau nimmt. Und dann auch wieder nicht. Dass wir auf volles Risiko gegangen sind, sei uns verziehen. Zu viert an einem Tisch mit Kind und Anhang – das musste jetzt einfach mal sein.

Wir haben Geburtstage ausfallen lassen und Thanksgiving und sind selbst an Weihnachten nicht der Versuchung erlegen, zwei Leute zum Essen einzuladen. Aber Ostern zu viert – das war es uns wert.

Es war ein wunderbarer Abend. Mit gehörigem Abstand und ohne Küsschen. Dafür mit viel Respekt vor der Pandemie, die uns noch immer in Schach hält.

Schön war’s. Aber so richtig richtig hat es sich nicht angefühlt. Irgendwo lag da immer dieses Versammlungsverbot über uns, auch wenn wir es um genau eine Person zu viel am Tisch gebrochen hatten. Eine Person!

So ist das also: Wir verstoßen gegen das Gesetz, weil wir unseren Sohn mit seiner Partnerin zum Osteressen einladen, während Zigtausende von Deutschland nach Mallorca reisen. Verrückt.

Man kann es drehen und wenden wie man will: So etwas wie Normalität kann hier einfach nicht aufkommen.

Wie denn auch? Um 21:30 Uhr ist hier schon seit Monaten Sperrstunde. Wer nicht bis am nächsten Morgen um fünf Gastgeber spielen will, muss die Tischgesellschaft eben schon um 21 Uhr aufheben. Nur so schaffen es die Gäste noch pünktlich – und straffrei – nach Hause.

Von einem ganz normalen Ostern zu sprechen, wäre die Übertreibung des Jahres. Die Wahrheit ist: Nichts ist, wie es war. Vier Menschen hatten sich erdreistet, sich für drei Stunden um einen Tisch zu setzen, zu essen und zu trinken, zu feiern, als wäre nichts gewesen. Und alle hatten hinterher ein schlechtes Gewissen.

Dabei war es einfach nur schön.

Ein Wunder – und keiner klatscht

Viel gibt es zu diesem Satz oben nicht zu sagen. Nur: Es hört nicht auf mit der Kritik am deutschen Impfsystem. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht höre, wie schrecklich, wie langsam, wie unprofessionell das alles in Deutschland vonstatten gehe.

Dabei sind inzwischen mindestens so viele meiner deutschen Freunde geimpft wie KanadierInnen, mit denen ich regelmäßig in Kontakt bin.

Doch seltsam: Keiner meiner kanadischen Freunde beklagt sich. Im Gegenteil: Die meisten von ihnen sind aus dem Häuschen, weil sie schon dran sind.

Wir übrigens auch.

Ich emfpinde große Dankbarkeit dafür, dass wir schon so früh geimpft wurden. Damit hatten wir hier nicht gerechnet. Zumal die Prognose noch vor nicht allzu langer Zeit geheißen hatte: Ein, zwei Jahre – vielleicht auch drei – müsst ihr schon warten, bis ein Imfpstoff entwickelt sein wird.

Jetzt ist er da, nach weniger als einem Jahr – nicht nur einer, sondern fast ein halbes Dutzend – doch von einem Wunder spricht keiner mehr. Dafür von einem „Desaster“, einer „Katastrophe“, einer „Peinlichkeit“, von einem unerhörten „Hinterherhinken“.

Schon klar: Es tut weh, wenn man von den Briten überholt wird, wo diese Schurken doch eben erst Europa den Mittelfinger gezeigt haben. Oder wenn die Amis ihre „America First“-Politik unter einem Joe Biden nahtlos dort fortsetzen, wo der Präsidentendarsteller Trump aufgehört hatte.

Aber warum denn gleich so böse, so unwirsch, so ungeduldig? Und irgendwo auch so unfair?

Geduld ist eine Tugend, die wir in Zeiten wie diesen neu definieren müssen. Vielleicht sollten wir gleich mit dem Warten auf den Impfstoff damit anfangen.

Wunder dauern eben manchmal ein bisschen länger.

Das Wort zum Sonntag sprach heute ihr sehr ergebenster Blogger Herbert

Geimpft wird ohne wenn und aber

Einmal AstraZeneca bitte: Quebecs Gesundheitsminister Christian Dubé

Es geschehen noch Zeichen und Wunder – auch wenn die kleinen Wunder manchmal etwas länger dauern. Wir staunen jeden Tag Bauklötze, wie unbürokratisch und in welchem Tempo hier in Quebec geimpft wird. Bei einer Bevölkerungszahl von 7.5 Millionen haben bisher fast eine Million Menschen Biontech, Moderna oder AstraZeneca erhalten.

Das ist, auf die Einwohnerzahl hochgerechnet, übrigens nur gerngfügig mehr als in Deutschland.

Warum wird dann hier weitaus weniger gejammert als in Deutschland? Vielleicht liegt es daran, dass die Erwartungshaltung in Kanada nicht so hoch ist wie dort, wo mit Biontech einer der wichtigsten Impfstoffe entwickelt wurde.

Außerdem – meine Erfahrung – sind Menschen hier generell leidensfähiger, sprich: weniger am meckern. Dies wiederum könnte mit den strengen Wintern zu tun haben.

Dass in einer Happy-go-lucky-Gesellschaft wie Kanada einiges vielleicht weniger hinterfragt wird als im Land der Dichter und Denker, mag uns hier nicht immer zugute kommen. Im Falle der Bedenken gegen einen bestimmten Impfstoff, glaube ich, war es gut. Wo in Deutschland tagelang über AstraZeneca diskutiert wurde, haben die Kanadier einfach weiter durchgeimpft.

Spätestens, als sich der Gesundheitsminister vor laufenden Kameras AstraZeneca verabreichen ließ, verstummten auch die letzten Zweifler. Frei nach dem Motto von Premierminister Justin Trudeau: „Das beste Impfmittel ist das, welches für Sie zuerst erhältlich ist.“

Noch etwas fällt mir auf: Wenn ich Fotos von deutschen Impfzentren sehe, kommen mir Bilder von Designer-Möbelhäusern in den Kopf. Hier hat das Ganze eher Lagerhaus-Niveau. Aber es funktioniert.

Ein Blick auf die Landkarte genügt, um zu erahnen, mit welchen logistischen Schwierigkeiten die kanadischen Impfverteiler zu kämpfen haben. Oft liegen zwischen Städten und Siedlungen Hunderte, ja Tausende von Kilometern. Ein Wunder, dass bei den Kühlbedingungen für die Impfstoffe bisher meines Wissens nach nichts weggeworfen werden musste.

Noch etwas unterscheidet Deutschland von Kanada in Sachen Impfung: Hier ist man wenig zimperlich, wenn es darum geht, wer impfen darf. Hausärzte, ApothekerInnen, Krankenschwestern, angelerntes Hilfspersonal und demnächst auch Tierärzte spritzen um die Wette.

Auch bei den Locations ist man nicht zimperlich. Erst heute erfolgte ein Appell des Quebecer Gesundheitsministeriums an Firmen, ihre Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, um 30.000 Menschen zügig zu impfen. Nicht nur werden die Firmen dafür finanziell entlohnt. Die MitarbeiterInnen der Betriebe dürfen sich im Gegenzug dazu vorrangig impfen lassen.

Fair? Vielleicht nicht ganz. Aber immerhin geht es voran. Am 24. Juni, dem Quebecer Nationalfeiertag, soll auch der letzte Quebecer geimpft worden sein.