
Von Wissenschaft habe ich so wenig Ahnung wie von Hallenhalma. Aber eins sagt mir der gesunde Menschenverstand: Wer in Zeiten wie diesen ohne Not verreist, handelt nicht klug. Man könnte auch sagen: unverantwortlich.
Die dritte Welle rollt schneller an als der TGV zwischen Köln und Paris. Und die Varianten aus England, Südafrika und Brasilien rasen mit der Geschwindigkeit von Mick Schumachers neuem Geschoss auf uns zu.
Schon klar: Frau Merkel hat die Reisewarnung für Mallorca aufgehoben (warum wohl gerade so kurz vor den beiden Landtagswahlen?) und es ist völlig legal, sich in den Flieger zu setzen.
Aber muss es denn wirklich sein, dass jetzt massenweise Deutsche in den Süden fliegen, wo im eigenen Land noch immer Corona tobt?
Wir sind alle müde von Covid, ausgelaugt vom Lockdown, mürbe und frustriert, weil sich unsere Leben so drastisch verändert haben.
Hier in Montreal erst recht. Noch immer sind hier Restaurants, Cafés, Theater und Kneipen geschlossen. Seit mehr als zwei Monaten gelten Ausgangssperren zwischen 20 Uhr und 5 Uhr. Noch immer herrscht hier tiefer Winter mit Eis, Schnee und bitterer Kälte. Heute: Thermometer minus 14, gefühlt 24 Grad.
Auch in Kanada sind die Menschen müde, ausgelaugt, fertig mit Covid. Dazu kommt, dass die wirtschaftliche Versorgung hier nicht annähernd das komfortable Niveau deutscher Corona-Hilfsempfänger erreicht.
Und trotzdem wird hier nicht auf Teufelkommraus verreist, nur weil es erlaubt ist. Zumindest nicht mehr, seitdem Premierminister Justin Trudeau Rückreisende zur Zwangsquarantäne im überwachten Hotel verdonnert. Die Kosten dafür müssen die Reiselustigen selbst tragen. Drei Tage kosten 2000 Dollar pro Person, einschließlich Sicherheit, Mahlzeiten und Coronatests.
Nein, kein Deutschland-Bashing. Und natürlich gönne ich jedem meiner schwer arbeitenden Freunde ein paar Tage Erholung daheim. Aber auf Mallorca? Mit dem Flieger? Ohne jegliche Quarantänepflicht nach der Rückkehr? Bitte nicht.
Wir sind geimpft, uns geht es gut. Und wir würden nichts lieber als nach einem Horrorjahr mit Blindheit drinnen und Corona draußen ins Flugzeug steigen, um endlich mal wieder durchzuatmen.
Aber das kommt nicht infrage – nicht jetzt und auch nicht in naher Zukunft. Wir brauchen Geduld, auch wenn’s schwerer fällt als fünf Kilos abzunehmen.
Womit wir bei einem ganz anderen Corona-Problem wären.





