Ein paar Takte in eigener Sache

ACHTUNG, LANGWEILIG: Wenn Sie diesen Blog über das Eingabefeld „Blog abonnieren“ bestellt haben, ist alles gut und Sie können sich das Weiterlesen sparen. Alles funktioniert wie gehabt. Sollten sie aber zu den LeserInnen gehören, die ihre BLOGHAUSGESCHICHTEN über einen sogenannten „RSS-Feedreader“ erhalten, könnten Sie ein Problem haben. Dann müssten Sie bitte die Blogadresse ändern.

Bisher galt die URL: https://canada365.wordpress.com

Jetzt heißt es nur noch kurz und bündig: https://blog.herbertbopp.com

Sie können sich aber auch das ganze https-Gedöns ersparen und nur blog.herbertbopp.com ins Adressenfeld eingeben. Dann kommen Sie auch auf meine Seiten.

Normalerweise müssten Sie automatisch von der bisherigen auf die neue Adresse umgeleitet werden. Sollte dies nicht der Fall sein, würde ich Sie bitten, dies in ihrem Feedreader manuell zu tun.

Es gibt sie also noch, die achtsamen Leserinnen und Leser. Eine davon sitzt in Würzburg und hat mich heute auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Sie, eine „stille Leserin“, wie sie schreibt, bekomme die jeweils aktuellsten Blogposts nicht mehr über ihren Feedreader.

Das dürfte ab sofort wieder klappen.

Wie gesagt: Die allermeisten von Ihnen müssen überhaupt nichts verändern und kommen weiterhin ganz entspannt hierher.

Herzlichen Dank für den Hinweis und auch weiterhin viel Spaß beim Stöbern durch die BLOGHAUSGESCHICHTEN.

Die Wut der Urlaubs-Rückkehrer

GEHT GAR NICHT: Strandurlaub (hier in Kuba) mitten in der Pandemie.

Endlich werden hier mal Nägel mit Köpfen gemacht. Urlauber, die glaubten, während der Pandemie in den warmen Süden reisen zu müssen, werden in Kanada demnächst zur Kasse gebeten. Sie müssen unmittelbar nach der Rückkehr einige Tage in ein streng bewachtes Hotel zur Quarantäne.

Für die Kosten – inklusive Covid-Test, Übernachtung und Mahlzeiten 2000 Dollar pro Person – müssen die Winterfrischler selbst aufkommen. Deren Wut über die bevorstehende Zwangs-Quarantäne ist groß.

Echt jetzt? Wer mitten in der Pandemie glaubt, ohne Not verreisen zu müssen, hat es nicht anders verdient. Schließlich ist es in höchstem Maße unsozial denen gegenüber, die treu und brav daheim geblieben sind, um dort die Coronakrise auszusitzen.

Schon seit Monaten predigen uns die Politiker: Bleibt um Himmelswillen zuhause! Gefährdet durch eure Unvernunft nicht die kleinen Erfolge, die wir, die Daheimgebliebenen, durch strikte Befolgung der Corona-Maßnahmen erzielen!

Zigtausende haben sich in Kanada über diesen Appell hinweggesetzt und sind trotzdem verreist: nach Kuba, in die Dominikanische Republik, nach Mexiko. Vor allem aber nach Florida. Dort verbringen vor allem viele Quebecer Snowbirds einen Teil der kalten Jahreszeit.

Ausgerechnet in Florida, wo bis vor kurzem noch rund um die Uhr gefeiert wurde und wo Masken als Makel betrachtet wurden und nicht als Hilfsmittel, um der Pandemie Herr zu werden.

Jetzt plötzlich, wo es ums Geld geht, kommen sie noch angeschlichen, die reuigen Sünder. Klammheimlich sind sie gerade noch rechtzeitig aus dem Süden zurück ins winterliche Kanada gekommen. Schon in wenigen Tagen soll die Zwangs-Quarantäne für die Rückkehrer beginnen.

Gleich nach der Ankunft werden die Rückreisenden dann vom Flughafen aus in eines der Vertragshotels geshuttelt, die der kanadische Staat zu Quarantäne-Zwecken anmietet. Nach ein paar Tagen dürfen sie zur Selbst-Isolation nach Hause – ebenfalls streng überwacht.

Warum wir die Snowbirds nicht bedauern sollten, betitelte die Montreal Gazette neulich einen Beitrag zum Thema Zwangs-Quarantäne. Darin erinnert die Autorin an die erste große Covid-Welle im vorigen Jahr. Mit der Rückkehr der Snowbirds, vor allem aus Florida, hatte die Katastrophe in Kanada ihren Lauf genommen.

Am Tag nach Erscheinen des Artikels schwappte die Inbox der Gazette-Autorin über. Sie wurde beschimpft, bedroht, beleidigt, verhöhnt und des Futterneids bezichtigt.

Dabei hatte die Kollegin nur das ausgesprochen, was eigentlich jeder vernünftige und sozial verantwortliche Mensch auch denken sollte: Wenn WIR zuhause bleiben können, dann könnt IHR es gefälligst auch.

Primetime-TV im Hidschab

Ginella Massa mit Interviewpartnern: Kanada konnte schon immer Multikultur. (Screenshot CBC)

Wenn ein Mann namens Hanomansing zusammen mit einem Mr. Chang die wichtigste Nachrichtensendung der Canadian Broadcasting Corporation (CBC) moderiert und eine Afro-Latina-Frau im Hiidschab das Gesicht der Prime Time-Show “Canada Tonight with Ginella Massa” ist, dann weißt du, dass du in Kanada bist.

Wen wundert’s da noch, dass auch im Radio die Leute meistens nicht Smith, Miller oder Baker heißen, sondern Allakariallak, Natachequan oder auch schlicht und einfach Rabbitskin. Genau: Hasenhaut.

Dafür, dass wir schon seit vielen Jahren kein Kabel-TV mehr abonniert haben, sitze ich in letzter Zeit ganz schön häufig vor dem Bildschirm. Das hat zum einen damit zu tun, dass es nach meinem Augenleiden im Sommer endlich ein riesiger Monitor in mein Arbeitszimmer geschafft hat.

Schuld an meinem erhöhten Fernsehkonsum ist aber auch meine Faszination für die ethnische Vielfalt, mit der kanadische TV-Anbieter immer häufiger ihre Sendungen bereichern.

Wegen der verschiedenen Zeitzonen läuft hier fast immer irgendwo irgendeine Nachrichtensendung.

Vancouver? Winnipeg? Whitehorse? Iqaluit? Charlottetown? Halifax? St. John’s? Städte, die tausende Kilometer westlich, nördlich oder östlich von uns liegen, sind dank des Streamingangebots stets nur einen Mausklick entfernt.

Besonders fasziniert bin ich seit ein paar Tagen von der Frau im Hidschab. Sie heisst Ginella Massa und schrieb schon vor sechs Jahren kanadische Fernsehgeschichte. Damals berichtete sie noch für den Privatsender CTV aus Kitchener (Ontario) und sorgte für Schlagzeilen.

Ginella Massa war die erste Reporterin – nicht nur in Kanada, sondern in ganz Nordamerika -, die im Hidschab vor die Kamera trat.

Und glaube ja keiner, die aus Panama stammende Muslima sei das, was man als “Quotenfrau” bezeichnet!

Ginella Massa ist eine hochkarätige, preisgekrönte Journalistin, die auf ihre hartnäckigen Fragen fast immer die richtige Antwort bekommt. Entsprechend ist ihre hohe Akzeptanz bei den meisten ihrer Zuschauer.

Als multilinguale, muttersprachlich Spanisch sprechende Muslima gehört sie einer Minderheit innerhalb des Islam an. Mit ihrer neuen Heimat Kanada hat sie denn auch aufs richtige Pferd gesetzt. Hier hat die Multikultur ihr Zuhause und ist bereits seit den 70er-Jahren auch offiziell in der Politik fest verankert.

Als Redakteur einer deutschsprachigen Wochenzeitung mit Sitz in Winnipeg (Manitoba) hatte meine journalistische Laufbahn in Kanada angefangen – zunächst von 1973 bis 1976, nach einem Intermezzo in Deutschland dann wieder von 1980 bis 1982. Damals gab es noch ein „Bundesministerium für Multikultur“ in Ottawa.

Kam dann ab und zu ein Vertreter – oder gar der Minister persönlich – in die Redaktion, war das immer ein Highlight. Man plauderte bei Tee, Cognac und Keksen über dieses und jenes und freute sich, dass sich die zahllosen Nationen innerhalb der kanadischen Konföderation so gut verstanden.

Natürlich gibt es auch hier Anfeindungen und Fremdenhass, die vor einigen Jahren sogar zu einem Attentat auf eine Moschee in Quebec-City geführt haben. Aber eine ausländerfeindliche Bewegung wie die AfD, die fast ausschließlich auf der Hass-Schiene fährt, halte ich hier für sehr unwahrscheinlich, nein: ausgeschlossen.

Das liegt zum einen an der schon immer tief verankerten multi-ethnischen Bevölkerung des Landes. Zum anderen aber auch an der Person Justin Trudeau. Der Premierminister versteht es in seiner erfrischend-coolen Art, schon bei den geringsten Anzeichen von Fremdenhass die Bremse zu ziehen.

Von einem Regierungschef, der einen Turbanträger zum Verteidigungsminister ernennt, wird schließlich nichts anderes erwartet.

Ich wär’ so gerne in Neuseeland

Gefühlt seit Jahren in der Corona-Falle. Hier beim ersten von inzwischen vier Covid-Tests.

Warum klappt bei uns nicht, was in Neuseeland möglich ist? Ein zeitlich überschaubarer, knallharter Lockdown mit einer traumhaften Trefferquote. Gestern gab es mit einer Neuinfektion einen kleinen Ausrutscher, aber ansonsten ist Neuseeland inzwischen frei von Corona.

„So geht Lockdown“, betitelt die Kollegin ihren Beitrag für DIE ZEIT. Darin protokolliert sie minutiös jeden Schritt der neuseeländischen Regierung – von der ersten Infektion bis zum Ende des Lockdowns und damit dem Quasi-Ende der Corona-Pandemie.

Sieben Wochen dauerte einer der härtesten Lockdowns der Welt, dann war Schluss. Der sympathische Staat mit seiner nicht weniger sympathischen Premierministerin namens Jacinda Ardern hatte das geschafft, wovon der Rest der Welt träumt: eine Gesellschaft ohne Covid.

So drastisch verlief der Lockdown, dass während dieser Zeit nicht nur eine rigorose Ausgangssperre galt, sondern sogar Onlinebestellungen und -Lieferungen verboten waren. Man könnte sich ja an der Verpackung infizieren.

Das alles klingt zunächst einmal brutal und auch ein bisschen absurd. Aber was am Ende des Tages zählt, ist der Erfolg. Und den können sich die Neuseeländer ans Revers heften.

Anders in Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt. Während der Staat Kanada ganz gut dasteht, kränkelt es in der Provinz Quebec, in der ich lebe, nach wie vor.

Noch immer infizieren sich täglich mehr als 1200 Menschen in eineem Bundesland, das gerade mal acht Millionen Einwohner hat. Die Ansagen der Regierung sind derart konfus, dass ein Großteil der Bevölkerung nur so viel weiss: So langsam reicht’s!

De facto befinden wir uns seit der Rückkehr aus Mallorca im März 2020 in einem Lockdown. Mit kurzen Intermezzi sind seither sämtliche Restaurants, Kinos und Theater geschlossen, Besuche nicht mehr erlaubt und Spaziergänge selbst in kleinen Gruppen verboten. Luftbefeuchter kaufen? Von wegen. Steht nicht auf der Liste lebensnotwendiger Güter.

Wir haben eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens, dürfen seit zehn Monaten keine Freunde mehr empfangen und haben unseren Sohn zum letzten mal vor einem Jahr in den Arm genommen.

Und jetzt noch die Ansage der Gesundheitsbehörden, dass der Abstand zwischen einer ersten (wann denn endlich?) und der zweiten Impfung durchaus auch 90 Tage dauern darf. Dagegen sprechen zwar fast alle Forschungsergebnisse der westlichen Welt. Aber in Quebec weiss man es wieder einmal besser.

„Eine rein politische Entscheidung“, wettert denn auch die Opposition im Landtag. Eine Regierung, die mit dem vorhandenen Kontingent an Impfstoffen einfach durchimpft, weil es zahlenmäßig gut aussieht, auch wenn im Endeffekt die Wirkung fraglich sein könnte, hat sich meine Stimme bei der nächsten Wahl schon mal vergeigt. Optik statt Wirkung? Nein danke.

Der wohl zweithärteste Lockdown der Welt, den wir nun schon seit gefühlten 100 Jahren durchleben, ist gescheitert. Aber anstatt über den Tellerrand hinaus zu schauen – etwa nach Neuseeland -, wird hier weiter mit zweifelhaftem Ergebnis herumgeeiert.

Wenn es nach mir ginge, hätte ich liebend gerne sieben Wochen komplett meiner Bewegungsfreiheit geopfert, um wieder so etwas wie ein Stück Normalität zu erlangen. Schließlich sind wir hier ohnehin schon seit einem Jahr gefangen in diesem Spinnennetz, das Corona heißt.

Vielleicht doch nach Neuseeland auswandern? Eher nicht. Eben habe ich gelesen: Rentner müssen dort mehr als eine halbe Million Dollar investieren, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Dann eben doch den Montrealer Winter aussitzen und warten, bis bessere Zeiten kommen. Wie heißt es so schön? „Wenigstens gesund“.

Ja sicher, klar, schon richtig. Jaja, natürlich, genau, aaaber …

Kamala Harris: Ihre Highschool-Jahre verbrachte sie in Montreal

PARTYTIME IN MONTREAL: Kamala Harris mit FreundInnen. © Screenshot New York Times

Kamala Harris ist seit heute nicht nur eine der mächtigsten Frauen der Welt. Sie ist jetzt auch eine der bekanntesten Ex-Montrealerinnen. Die Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten kam als Zwölfjährige aus Kalifornien in die Stadt meines Herzens und blieb dort bis zum Ende ihrer High-School-Zeit.

Im Villenviertel Westmount besuchte die Tochter einer indischen Mutter und eines jamaikanischen Vaters von 1981 an die „Westmount High School“ bis zu ihrer „Graduation“.

„Ich war zwölf und lebte glücklich im sonnigen Kalifornien“, erzählte die gebürtige Amerikanerin einem Journalisten „da beschloss meine Mutter, mit mir und meiner Schwester Maya nach Kanada zu ziehen“.

Kamalas Mutter, Dr. Shyamala Gopalan Harris, war als Wissenschaftlerin nach Montreal gekommen. An der McGill University und dem „Jewish General Hospital“ arbeitete sie als Forscherin auf dem Gebiet der Brustkrebs-Mutationen.

Als sie mitten im Schuljahr in Kanada eintrafen, hatte es in Montreal gerade einen halben Meter geschneit. „Unsere Mutter kaufte uns erst einmal dicke Winterjacken“, erinnert sich Harris. „Ziemlich uncool und nicht gerade das, was man sich als junges Mädchen wünscht“.

Doch der dunkelhäutige Teenager integrierte sich schnell im schon immer multikulturellen Montreal. Schon kurz nach ihrer Ankunft organisierte sie eine Demo mit anderen Kindern. Der Besitzer eines Apartmentgebäudes in ihrer Nachbarschaft hatte den Kindern verboten, vor dem Haus zu spielen.

Die Protestaktion hatte Erfolg. Ab sofort durften sich die Westmount Kids wieder vor besagtem Haus tummeln.

War sie ein wilder Teenager, der keine Party ausließ? Oder doch eher der Bücherwurm, der es später in Kalifornien zur Senatorin brachte? So richtig festlegen wollen sich ihre früheren WeggenossInnen nicht.

Sie habe Michael Jackson geliebt, heißt es immerhin. Ein paar Fotos sind aufgetaucht, auf denen sie in Partystimmung zu sein scheint. Aber von „wild“ keine Spur.

Wild vielleicht nicht, dafür aber freundlich und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Die Kinder-Demo vor dem Apartmentgebäude war wohl nicht die einzige Aktion, in der sie sich für die Rechte von MitschülerInnen einsetzte.

Es gab da auch ein Mädchen in ihrer Klasse, das Kamala anvertraute, wie es vom Stiefvater missbraucht wurde. Kamala Harris erzählte es ihrer Mutter. Die wiederum sorgte dafür, dass das Mädchen zu ihnen ins Haus zog – weg vom Stiefvater.

Bis heute, so heißt es, seien das Montrealer Missbrauchsopfer und die jetzige Vizepräsidentin noch eng befreundet.

Gut möglich, dass sich Kamala Harris auch mit Leonard Cohen angefreundet hätte. Auch der besuchte die besagte „Westmount High School“. Allerdings schon 30 Jahre früher.