Versöhnt mit Gott und der Welt

JAKOBSWEG, Tag 17  28 Kilometer von Calzadilla de la Cueza nach Sahagún

FÜR GERHEIDE

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise einem Menschen, der uns viel bedeutet hat, aber nicht mehr unter uns weilt.


Erst krähte der Hahn. Dann lugte frech der Storch aus seinem Nest. Als uns dann noch ein Kuckuck aus dem Wald heraus begrüßte, war klar: Der gestrige Horrortag ist Geschichte. Und wir sind wieder versöhnt mit Gott und der Welt.

Der Camino, der uns gestern einen eisig-verregneten Tag lang geärgert hatte, war heute ganz lieb:

Strahlend blauer Himmel mit einer super-fotogenen Wolken-Kulisse – das Ganze bei kaum spürbaren Steigungen und einer Landschaft wie gemalt für einen Sonntag.

Dass es schon wieder mehr Kilometer geworden sind, als unseren nicht mehr ganz taufrischen Rentnerknochen recht war, liegt mal wieder an den langen Strecken zwischen den Herbergen.

Sahagún, wo wir eben müde, aber glücklich in einem sauberen Hostel mit Blick auf die Dorfplaza abgestiegen sind, hat uns einen der Pilgerwanderung angemessenen Empfang bereitet:

Die örtlichen Gruppen, die das jährliche „Semana Santa“-Ritual bestreiten, zelebrierten ihre schwermütigen Musikdarbietungen direkt unter unserem Herbergs-Balkon.

Dieses erlesene Verwöhnprogramm gab’s kostenlos und ohne Vorbestellung zu dem ohnehin schon exquisiten Tag. Danke, Jakobus! Gut gemacht.

Neue Pilger-Begegnungen gab es heute nicht. Vielleicht zogen es nach dem anstrengenden Vortag doch ein paar Mitglieder unserer Karawane vor, einen Ruhetag in einer gemütlichen Herberge einzulegen.

Wir haben uns gegen eine Pilgerpause entschieden und sind bisher jeden Tag gewandert.

Wer weiß, ob eine Unterbrechung uns nicht aus dem Rhythmus bringen würde. So lange unsere Kondition reicht und wir von Blasen verschont bleiben, wandern wir einfach weiter.

Morgen haben wir die Hälfte unserer Pilgerwanderung zurückgelegt. Wer hätte das gedacht, als wir vor 17 Tagen in Pamplona los marschiert sind, ohne genau zu wissen, was da auf uns zukommt!

Inzwischen haben wir unser Vagabunden-Dasein längst verinnerlicht. Wann wir wo was essen werden und wo wir die Nacht verbringen, entscheiden wir jeden Tag aufs Neue ganz spontan.

Hungrig zu Bett gegangen ist bisher keiner von uns. Und ein Nachtlager haben wir auch immer gefunden. So gesehen alles gut.

Der Magen knurrt, aber zu unserem Leidwesen servieren die meisten Restaurants in dieser Gegend Spaniens Abendessen nicht vor 20:30 Uhr, also in mehr als einer Stunde.

Ein Glück, dass in diesem eher uncharmanten Flecken sich wenigstens die Bars und Tavernen unserem Biorhythmus angepasst haben.

Füllen wir also die Hohlstunde vor dem Essen mit einem oder mehreren Vinos und wünschen allerseits einen entspannten Sonntagabend.

Buen Camino aus Sahagún!

3 Gedanken zu „Versöhnt mit Gott und der Welt

  1. Das ist in der Tat ein Glück, daß Sahagun seine Karwoche schon früher anfängt. Diese Rituale der Leidenszeit Christi werden Euch sicher noch öfters auf Eurem Weg begleiten. Da es unterschiedliche Abläufe gibt, kann es auch nicht langweilig werden.
    Gute Nacht, guter Start in den nächsten Tag und Buen Camino!

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  2. Da kriege ich richtig kalte Finger, wenn ich euch da am Bibbern sehe in eurer Rotkäppchen-Montur. Ich bewundere täglich aufs Neue euer Stehvermögen und die gute Laune, die immer wieder durchkommt. Ich glaube, die Pilger sind doch irgendwie begnadet, es ist kein Tourismus, sondern so etwas wie die „Suchwanderung“ über die mein Bruder so ausgiebig geschrieben hat.
    Und deine Berichterstattung, Herbert, mit den manchmal winzigen, aber immer unter die Haut gehenden Flashlights entwickelt sich immer mehr zu einer sich ausdehnenden „Comédie Humaine“ (im Sinne Balzacs, entschuldige den Exkurs, aber ich kann leider nicht über meinen literarischen Schatten springen!) – das ist schon jetzt ein Buch. Ich kann keie anderen Camino-Berichte zum Vergleich heranziehen, weil ich nichts weiter gelesen habe, ber euer grosses Abenteuer ist schon jetzt ein Markstein, der nicht mehr in Vergessenheit geraten wird.
    Die wunderbare Momentaufnahme, mit Foto, von der Dorffriseuse, da ist ja auf drei Zeilen ein ganzes Leben drin, dem aber erst du, durch die kurze Erwähnung, einen Sinn gibst. Da ist der Journalist zum Schriftsteller geworden (was vielleicht etwas prätentiös klingt, aber ehrlich und unarrogant gemeint ist).
    Ich brauche euch nicht zu wünschen, dass ihr tapfer durchhaltet, denn alle Stärke, die ihr braucht, die findet ihr nur bei euch selber.

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  3. Your efforts call to mind words from that wonderful Hollies song🎼 „The road is long, with many a winding turn; That leads us to who knows where, who knows where? But, I’m strong, strong enough to carry on…🎶💕

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