Der Camino rächt sich

JAKOBSWEG, Tag 22 –  23 Kilometer von León nach Villadangos del Páramo

FÜR CHRIS

Wir widmen jeden Tag unserer Pilgerreise Menschen, die uns viel bedeutet haben, aber nicht mehr unter uns weilen.


Vorstadt, Industriegebiet, Autobahn – so ging das heute den ganzen Tag. Und weil es kein Hostel weit und breit gab, sind wir in einem Truckstopp an der Autobahn abgestiegen (Foto oben).

Rächt sich der Camino etwa dafür, dass wir gestern einen Tag blau gemacht haben?

Dass der Heilige Jakobus manchmal nimmt und manchmal gibt, wissen wir ja inzwischen. Dass er sich aber für den Schlendrian rächt, den der Pilger hat walten lassen, ist neu.

Dabei haben wir uns in León nur einen einzigen Tag lang ausgeruht. Und es war einfach nur schön.

Bis heute morgen.

Dass wir bei minus 3 Grad den Atem vor uns herbliesen, ging ja noch. Auch dass wir den Camino von unserem Hostel aus nur schwer fanden und zunächst ein stückweit in die falsche Richtung pilgerten, passiert schon mal.

Dass uns aber die bisher unattraktivste Wanderstrecke bevor stand, haken wir jetzt, da wir im Trucker-Hotel liegen, einfach ab. Wie sagte der spanische Herbergs-Vater nochmal neulich im geschwollensten Oxford–Englisch? „It is what it is“.

Ganz bestimmt kommen auch wieder schönere Tage. Niemand hat behauptet, der Jakobsweg sei immer nur ein Sonntagsspaziergang durch den Englischen Garten.

Und weil es sonst nicht viel zu erzählen gibt, will ich mal ein paar Fragen beantworten, die per Mail, WhatsApp oder Blogmail beim Pilgerpaar eingegangen sind:

Womit nimmst du deine Fotos auf?

Zunächst: Wir fotografieren beide unabhängig voneinander und suchen abends ein paar Bilder aus, die den Tag am besten illustrieren. Fotografiert wird ausschließlich mit dem Handy. Lore hat ein iPhone 7-Plus. Ich fotografiere mit dem neuen iPhone-XR, das ich mir kurz vor der Abreise noch gekauft habe. Damit tippe ich auch täglich meine Texte ein. Beide Handys liefern gute bis sehr gute Bildqualität. Wie die meisten Smartphone-Kameras schwächelt allerdings auch das iPhone im Zoom. Deshalb sehen unsere Störche oft ein wenig verpixelt aus. Da wir beim Wandern nicht die Zeit haben, uns minutenlang einer Bildeinstellung zu widmen, schießen wir meistens im Vorbeigehen mehr oder weniger aus der Hüfte.

Strukturiert ihr eigentlich euren Tag?

Eigentlich nicht. Wir stellen nie einen Wecker, sondern stehen auf, wie es sich ergibt. Meistens so um 7:30 Uhr. Danach frühstücken wir kurz in einer Bar und besprechen die möglichen Streckenabschnitte. Wie weit wir dann tatsächlich wandern, hängt vom Wetter und von der Herbergsdichte ab. Heute wären wir zum Beispiel auch lieber in einem hübschen Dorf abgestiegen als an der Autobahn. Aber nochmal 26 Kilometer hätten wir nicht geschafft. Tagsüber setzen wir uns irgendwann auch wieder in eine Bar, essen ein Sandwich oder trinken einen Cortado. Gegen Abend klicken wir dann eine Camino-App an und suchen nach Übernachtungsmöglichkeiten. Wenn wir dann eine Herberge gefunden haben, essen wir dort noch eine Kleinigkeit oder trinken das eine oder andere Glas, oft mit anderen Pilgern zusammen, die wir von früheren Begegnungen her kennen. Und natürlich lernen wir fast täglich neue Leute kennen. Gegen 21 Uhr machen wir die Schotten dicht. So ein Pilgertag kann anstrengend sein.

Wollt ihr zu Ostern in Santiago sein?

Nein! Bitte nicht! An Ostern stapeln sich dort offensichtlich die Pilger und viele Hostels sind ausgebucht. Da wir Ostern mehr oder weniger seit zehn Jahren auf Mallorca verbringen, kennen wir die wirklich schönen spanischen Bräuche schon. Deshalb versuchen wir, erst nach Ostern in Santiago einzutreffen, dann sollte es dort wieder ruhiger zugehen.

Das wär’s für heute.

Aus dem charmanten Truckstopp in Villadangos del Páramo schicken wir schöne Grüße in die weite Welt hinaus.

Und sagen: Buen Camino!

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Ein Highlight! Irgendwo im Industriegebiet steht ein Mann und schenkt O-Saft aus und bietet die Toilette seiner Lagerhalle an. Wer will, kann dafür spenden. Verlangt wird nichts.

Andreas heißt dieser Pilger aus Deutschland. Den Pilgerstab hat er selbst angefertigt. Am Hals hat er sich übrigens eine Jakobsmuschel tätowieren lassen, das Symbol der Camino-Wanderer.

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Ein Gedanke zu „Der Camino rächt sich

  1. I wonder if perhaps St. James allowed you the rest, beauty & enjoyment of yesterday to fill your hearts for what lay ahead today?💖 I love the picture of the storks‘ nests with the alpha-omega symbol on the crucifix!😇

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