Corona-Horror statt Spanien-Urlaub: Wir sind wieder daheim

Was als zweimonatige Pilgerwanderung auf der Via de la Plata von Sevilla nach Santiago de Compostela geplant war, wurde zu einer Odyssee durch Festland-Spanien, Mallorca und Deutschland: Zu Fuß. Mit dem Bus. Per Bahn. Und immer wieder mit dem Flugzeug.

Seit wenigen Stunden sind wir wieder im heimischen Montréal. Es liegt noch Schnee, aber die Temperaturen lassen auf einen frühen Frühling schließen.

Wir sind froh und dankbar, den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen zu haben – zumindest fürs Erste. Denn jetzt folgt erst einmal eine zweiwöchige Selbst-Quarantäne. Und natürlich denken wir etwas wehmütig an die Zeit im Süden zurück.

Patriotismus ist so gar nicht mein Ding. Aber noch nie hat mich der Anblick des kanadischen Ahornblatts mehr berührt als heute Morgen auf dem Frankfurter Flughafen. Da stand sie auf dem Rollfeld, die Air Canada-Maschine, die uns nach all den Turbulenzen der letzten Tage zurück nach Montréal brachte – zwei Monate eher als geplant und doch auf den allerletzten Drücker.

Gut möglich, dass auch der Airport in Frankfurt schon bald schließt, bzw. seinen Betrieb auf ein Minium zurückfährt. So wie es der Flughafen in Palma für die meisten Flüge getan hat. Wir hatten Glück und haben gerade noch einen der letzten Flüge aufs Festland bekommen..

Die Hektik und Ungewissheit der letzten Tage brachten uns fast an unsere Grenzen. Ein Flug nach dem anderen war storniert worden. Nachdem dann auch noch die Schließung unseres Ferienhotels im Can Pastilla angekündigt worden war, spitzte sich die Situation noch weiter zu.

Bis in die späte Nacht suchten wir fieberhaft nach Flügen, die uns aus der Insel-Falle befreien sollten. Mit Hilfe meines guten Freundes Stefan in Köln und Birgit, einer mir persönlich nicht einmal bekannten Frau aus dem Mallorca Internet-Forum, schnappten wir uns noch den letzten Flug von Palma nach Stuttgart.

Die Weiterfahrt mit der Bahn nach Frankfurt war, wie alles auf dieser Reise, teuer, weil spontan gebucht. Zwei Nächte im Airport-Hotel wurden notwendig, denn ein Weiterflug nach Montréal war erst am heutigen Donnerstag möglich.

Der Aufenthalt im Hotel schenkte uns viel Zeit. Gute Freunde riefen an, schlugen sogar vor, uns von weither im Hotel zu besuchen, um uns die Langeweile zu vertreiben. Aber wir mussten ablehnen. Nur registrierte Gäste wurden ins Hotel und damit ins Restaurant und in die Bar gelassen, wo das Glas Wein übrigens 17 Euro kostete.

Immer mal wieder haben wir uns ein paar Schritte in das Innere des Airports gewagt. Ein deprimierender Anblick: Bis auf einen Schalter, an dem sich ausschließlich asiatische Reisende zum Einchecken versammelten, herrschte gähnende Leere.

Heute früh, gleich nach dem Aufwachen, dann der erste Blick ins Handy: Würde unsere Maschine tatsächlich planmäßig fliegen und nicht wie fast alle anderen storniert werden?

Selbst am Gate traute ich dem Braten noch nicht ganz. Dort herrschte hektisches Treiben. Immer wieder wurden Passagiere ans Desk gerufen. Bei mindestens einem von ihnen habe ich gesehen, wie er abgewiesen wurde.

Das jüngste Dekret der kanadischen Regierung, wonach nur noch kanadische Staatsbürger und „permanent residents“ ausgeflogen werden, aber keine Touristen und Geschäftsreisende, hatte den Mann offensichtlich kalt erwischt. Er wirkte verzweifelt.

Aber dann, kurz nach neun, wurde wahr, was wir schon beinahe nicht mehr zu hoffen gewagt hatten: Wir durften an Bord.

Die paar Fragen nach unserem gesundheitlichen Befinden waren schnell beantwortet. Nein, wir haben weder Schnupfen noch Fieber. Kein Corona-Alarm für uns.

Viele der Fluggäste waren ursprünglich auf andere Zielflughäfen gebucht worden und mussten jetzt mit unserer Maschine mitfliegen. Montréal ist einer der wenigen kanadischen Airports, die für Transatlantikflüge noch nicht geschlossen sind.

Bei der Ankunft im Montréaler Flughafen eben ging alles ganz schnell. Standardfragen: Wo? Wie lange? Kontakte?

Und dann die Aufforderung zur freiwilligen Quarantäne. Machen wir natürlich.

Es gibt da ja noch immer das Blockhaus.

16 Gedanken zu „Corona-Horror statt Spanien-Urlaub: Wir sind wieder daheim

  1. Wir freuen uns einfach mit Euch und rufen dann mal an! Ich nehme an, Deine journalistische Neugier auf Neues ist bis nach dem Time-lag sicher erst mal befriedigt. 😉

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  2. Wunderbar, dass es so unkompliziert geklappt hat!
    Also, ich hätte aktuell nichts dagegen, den Wahnsinn hier gegen 2 Wochen Kanadisches Blockhaus und Schnee zu tauschen.

    Stay safe, stay healthy!

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  3. Schön, dass ihr es geschafft habt. Und hoffentlich endet dieser Albtraum bald.
    Nochmals vielen Dank, dass wir an euren Abenteuern teilhaben durften, den schönen wie auch den weniger schönen.
    Liebe Grüße von Monika (mopest aus dem Mallorca-Forum)

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  4. Heute morgen 09:45 Uhr wurde in ganz Europa zur gleichen Zeit auf WDR 4 im Radio, das Musikstück „You`ll Never walk“ Alon gespielt. es war sehr „Emotional“. Habe an Euch gedacht,
    das ihr es geschafft habt. Ich glaube ein Holländer hatte die Idee, sehr schön.
    Eben kam die Meldung,, das Kabel-Internet könnte langsamer werden, wegen Homeoffice, weil
    viele von zuhause arbeiten (zunehmend digitalisierte Arbeitswelt“.
    Gruß Eifel55

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  5. „Gut möglich, dass auch der Airport in Frankfurt schon bald schließt, bzw. seinen Betrieb auf ein Minimum zurückfährt. So wie es der Flughafen in Palma für die meisten Flüge getan hat. Wir hatten Glück und haben gerade noch einen der letzten Flüge aufs Festland bekommen“.

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  6. Korrektur: Im Gegensatz zu den Veröffentlichungen und deiner Aussage ist der Flughafen Palma nicht geschlossen!

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  7. Bienvenu au Canada!!
    Und wenn sich alles hoffentlich demnächst/bald/irgendwann wieder normalisiert hat, dann müssen wir uns treffen – entweder in der Stadt oder irgendwo zwischen „unseren Seen“!
    Erholt euch und viele Grüsse
    Christa

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  8. Wir sind erleichtert! Den ganzen Tag haben wir auf die erlösende Nachricht gewartet. Herbert, das ist wohl das schönste Geburtstagsgeschenk, das du deiner Gattin machen kannst.
    SOYEZ LES BIENVENUS!
    Peter & Laurette

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  9. Wie gut fuer Euch! Es freut mich, dass Ihr nach all der Unsicherheit doch wieder im sicheren Hafen = zuhause angekommen seid.

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  10. Wer den Jakobsweg geschafft hat, für den ist Blockhaus Quarantäne wirklich
    Zuckerschlecken. Habe mit Euch gelitten, und schaue in Gedanken mit Euch über den See,
    wenn ihr alles Revue passieren lasst. „Danke ihr habt uns teilhaben lassen, und auch an Euren Sohn ein dickes Lob, unbekannterweise.

    Gruß Eifel55

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