Ein Elch, ein Bär und der Regen

MONTAG, 30. NOVEMBER, 16 UHR: Montréal im Regen.

Regentage können herrlich sein! Du setzt dich ans Fenster, schaust dem Regen zu und bildest dir ein, jeden Tropfen beim Namen zu kennen. Schließlich hast du alle schon mal gesehen und bist mit jedem von ihnen per Du.

Mit Regen verbinden mich vor allem Erinnerungen an den Camino. Immer wenn es regnete, nahmen wir uns vor, die Stimmung nicht in den Keller sinken zu lassen.

Das ist leichter gesagt als getan. Wenn der Camino zum Schlammino wird, fällt dir das Lachen schwer.

Und doch sind es gerade die Regentage, an die du dich am intensivsten erinnerst. Wandern bei Sonnenschein kann jeder. Mit den Hikingboots stundenlang durch den Schlamm stapfen? Das vergisst du nicht so schnell.

Eine andere Regen-Episode werde ich auch nie mehr vergessen:

Cassian war noch klein, als wir ihn auf eine Kanutour in die „Laurentians“ mit uns nahmen. Plötzlich fing es an, in Strömen zu regnen. Wir paddelten ans Ufer und suchten Schutz unter den Bäumen. Das klappte nicht so richtig. Also machten wir das Kanu zur Schutzhütte. Wir drehten das Kanu um, krochen darunter und versteckten uns so lange, bis der Regen endlich nachgelassen hatte.

Auch ein Campingtrip in den Algonquin-Park (Ontario) wird mir stets in Erinnerung bleiben. Irgendwann setzte der Regen ein und wollte einfach nicht aufhören. Erst wurden die Zeltwände nass, irgendwann standen Luftmatratzen und Schlafsäcke im Wasser.

Cassian fand das alles total romantisch. Uns nervte es. Aber irgendwie scheint die Natur einen Payback-Mechanismus zu enthalten.

Am nächsten Morgen – Cassians Begeisterung über den noch immer prasselnden Regen war ungebrochen – beschlossen wir spontan, das inzwischen völlig unter Wasser stehende Camp zu verlassen und nach Hause zu fahren. Genug geregnet.

Und dann das:

Auf der Heimfahrt stapfte aus einem See im Morgengrauen wie aus dem Nichts eine ausgewachsene Elchkuh auf die Fahrbahn zu. Wir mussten anhalten und konnten uns an diesem Ungetüm kaum sattsehen. Und während wir noch immer damit beschäftigt waren, dieses Geschenk der Natur zu bestaunen, lief der große Tierrfilmegisseur da oben zur Höchstform auf: Von rechts trottete jetzt plötzlich ein Bär über die Landstraße.

Ein Elch und ein Bär auf einen Blick? Mehr Kanada geht nicht.

Moment. Wie bin ich denn jetzt nur vom Regen über den Elch beim Bär gelandet?

Achja, es regnet gerade heftig, Und ich fand das Foto, das ich eben durchs Fenster aufgenommen habe, ganz nett.

Da brauchte ich natürtlich einen Grund, es irgendwie zu posten und dachte: Regen geht immer.

Wenn der Camino zum Schlammino wird …

8 Gedanken zu „Ein Elch, ein Bär und der Regen

  1. Eine meiner Lieblings „Regen Stories“: Wir lagen bei ströhmendem Regen Abends irgendwo in einem NP in Ontario im Zelt. Um uns herum kein Mensch (mehr) und meine Freundin liest ein Buch, dass in Ontario spielt. Blöderweise musste der Mord genau in dem Nationalpark passieren, in dem wir uns gerade alleine in unseren Schlafsäcken verkrochen hatten ;-) .

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  2. Wenn es nichts zu erzählen gibt… Wetter geht immer. Herrlich, wie Du hier den Bogen über einen Campingtrip, zu den Überraschungen von Mutter Natur bis zum Camino geschlagen hast.

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