Ich wär’ so gerne in Neuseeland

Gefühlt seit Jahren in der Corona-Falle. Hier beim ersten von inzwischen vier Covid-Tests.

Warum klappt bei uns nicht, was in Neuseeland möglich ist? Ein zeitlich überschaubarer, knallharter Lockdown mit einer traumhaften Trefferquote. Gestern gab es mit einer Neuinfektion einen kleinen Ausrutscher, aber ansonsten ist Neuseeland inzwischen frei von Corona.

„So geht Lockdown“, betitelt die Kollegin ihren Beitrag für DIE ZEIT. Darin protokolliert sie minutiös jeden Schritt der neuseeländischen Regierung – von der ersten Infektion bis zum Ende des Lockdowns und damit dem Quasi-Ende der Corona-Pandemie.

Sieben Wochen dauerte einer der härtesten Lockdowns der Welt, dann war Schluss. Der sympathische Staat mit seiner nicht weniger sympathischen Premierministerin namens Jacinda Ardern hatte das geschafft, wovon der Rest der Welt träumt: eine Gesellschaft ohne Covid.

So drastisch verlief der Lockdown, dass während dieser Zeit nicht nur eine rigorose Ausgangssperre galt, sondern sogar Onlinebestellungen und -Lieferungen verboten waren. Man könnte sich ja an der Verpackung infizieren.

Das alles klingt zunächst einmal brutal und auch ein bisschen absurd. Aber was am Ende des Tages zählt, ist der Erfolg. Und den können sich die Neuseeländer ans Revers heften.

Anders in Deutschland und den meisten anderen Ländern der Welt. Während der Staat Kanada ganz gut dasteht, kränkelt es in der Provinz Quebec, in der ich lebe, nach wie vor.

Noch immer infizieren sich täglich mehr als 1200 Menschen in eineem Bundesland, das gerade mal acht Millionen Einwohner hat. Die Ansagen der Regierung sind derart konfus, dass ein Großteil der Bevölkerung nur so viel weiss: So langsam reicht’s!

De facto befinden wir uns seit der Rückkehr aus Mallorca im März 2020 in einem Lockdown. Mit kurzen Intermezzi sind seither sämtliche Restaurants, Kinos und Theater geschlossen, Besuche nicht mehr erlaubt und Spaziergänge selbst in kleinen Gruppen verboten. Luftbefeuchter kaufen? Von wegen. Steht nicht auf der Liste lebensnotwendiger Güter.

Wir haben eine Ausgangssperre von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens, dürfen seit zehn Monaten keine Freunde mehr empfangen und haben unseren Sohn zum letzten mal vor einem Jahr in den Arm genommen.

Und jetzt noch die Ansage der Gesundheitsbehörden, dass der Abstand zwischen einer ersten (wann denn endlich?) und der zweiten Impfung durchaus auch 90 Tage dauern darf. Dagegen sprechen zwar fast alle Forschungsergebnisse der westlichen Welt. Aber in Quebec weiss man es wieder einmal besser.

„Eine rein politische Entscheidung“, wettert denn auch die Opposition im Landtag. Eine Regierung, die mit dem vorhandenen Kontingent an Impfstoffen einfach durchimpft, weil es zahlenmäßig gut aussieht, auch wenn im Endeffekt die Wirkung fraglich sein könnte, hat sich meine Stimme bei der nächsten Wahl schon mal vergeigt. Optik statt Wirkung? Nein danke.

Der wohl zweithärteste Lockdown der Welt, den wir nun schon seit gefühlten 100 Jahren durchleben, ist gescheitert. Aber anstatt über den Tellerrand hinaus zu schauen – etwa nach Neuseeland -, wird hier weiter mit zweifelhaftem Ergebnis herumgeeiert.

Wenn es nach mir ginge, hätte ich liebend gerne sieben Wochen komplett meiner Bewegungsfreiheit geopfert, um wieder so etwas wie ein Stück Normalität zu erlangen. Schließlich sind wir hier ohnehin schon seit einem Jahr gefangen in diesem Spinnennetz, das Corona heißt.

Vielleicht doch nach Neuseeland auswandern? Eher nicht. Eben habe ich gelesen: Rentner müssen dort mehr als eine halbe Million Dollar investieren, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Dann eben doch den Montrealer Winter aussitzen und warten, bis bessere Zeiten kommen. Wie heißt es so schön? „Wenigstens gesund“.

Ja sicher, klar, schon richtig. Jaja, natürlich, genau, aaaber …

3 Gedanken zu „Ich wär’ so gerne in Neuseeland

  1. Da könnten sich kanadische Politiker eine fette Scheibe davon abschneiden, was kurzfristig logisches handeln heisst. Obschon im Westen von Kanada nur ein ‘ueberblickbarer’ Covidausbruch herrscht, kann ich meine Augen nur soweit verdrehen, wie es meine Augenmuskeln zulassen. Nach fast einem Jahr Covid kommt denen ploetzlich die brilliante Idee die Provinzgrenzen damatisch zu kontrollieren oder gar zu schliessen.

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