Mein Durchblick und ich

MEIN SEHVERMÖGEN? Wechselhaft wie das Wetter. Foto: Bopp

Heute geht’s mal wieder – um wen wohl? – um mich. Dafür ist dieser Blog schließlich da. Ursprünglich waren die BLOGHAUSGESCHICHTEN als eine Art Newsletter gedacht, den ich an Freunde, Familie und Bekannte in die Welt hinausschicke. So muss ich nicht jede Frage einzeln beantworten, sondern kann einfach auf den jeweiligen Blogpost verweisen.

Und weil sich in letzter Zeit die Fragen nach meinem aktuellen Sehvermögen häufen, möchte ich heute ein paar Takte dazu schreiben.

Es ist ein bisschen wie mit dem Wetter. Mal ist es besser, mal schlechter. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Hin und wieder gibt’s dicke Nebelwolken. Am Ende des Tages aber bleibt uns nichts anderes übrig, als auch das schlechte Wetter zu akzeptieren. Schließlich leben wir alle nach dem Prinzip Hoffnung. Irgendwann wird’s schon wieder besser werden.

Der aktuelle Stand ist der: Mein Sehvermögen liegt irgendwo zwischen unscharf und schemenhaft. Meistens reicht es aus, um mit hektischen Vor- und Rückwärtsbewegungen den Bildschirm so in Position zu bringen, dass ich kürzere Texte lesen und auch schreiben kann.

Damit ist schon mal ein Großteil meiner Grundbedürfnisse erfüllt. Autofahren und Radeln gehen nicht. Dafür funktioniert das mit dem Essen und Trinken immer noch ganz gut.

Eine auch nur einigermaßen klare Sicht genieße ich seit August 2020 nicht mehr. Damals war mir das Sehvermögen im rechten Auge durch eine Netzhautablösung abhanden gekommen. Da mir bereits viele Jahre zuvor die Netzhaut am linken Auge gerissen war, wurde ich jetzt über Nacht schwer sehbehindert. Man könnte auch sagen: vorübergehend blind.

Inzwischen wurde die Netzhaut bei einer komplizierten Operation wieder repariert. Da jedoch mit der beschädigten Makula auch das Sehzentrum beeinträchtigt wurde, ist an eine klare Sicht nicht mehr zu denken.

Auch im linken Augen hat sich etwas getan: Der Katarakt wurde vor etwa drei Wochen entfernt und eine neue Linse eingesetzt. Aber auch hier: Die frühere Netzhautablösung, ebenfalls mit kaputter Makula, wird ein normales Sehen nie mehr ermöglichen.

Seit einigen Wochen trage ich keine Brille mehr. Die Gläser, die mir für lange Zeit eine gute Sehhilfe waren, funktionieren nicht mehr. Nicht nur haben sich durch die diversen Operationen die Dioptrien total verändert. Auch eine Hornhautverkrümmung („Astigmatismus“) verhindert eine klare Sicht.

Die Hoffnung ruht jetzt auf einer neuen Brille mit komplett unterschiedlichen Gläsern. Die wird der Chirurg jedoch erst verschreiben können, wenn beide Augen zur Ruhe gekommen sind. Denn nach diversen Operationen suchen die inzwischen eingesetzten künstlichen Linsen noch immer so etwas wie ihre Mitte. Eine davon, die rechte, muss durch einen weiteren Eingriff korrigiert werden. Der Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest.

Wenn alles gut geht, werde ich also noch diesen Sommer zumindest etwas besser sehen können. Bis dahin muss ich eben mit vermindertem Durchblick durchs Leben spazieren. Meiner Lebensfreude kann das mangelnde Sehvermögen meistens nur wenig anhaben.

Wenn’s zwischendurch mal wieder ganz dunkel wird, denke ich einfach an den spanischen Herbergsvater auf unserer Camino-Wanderung zurück.

„It is what it is“, hatte der gesagt. „And it’s mostly good“.