Viel Schickimicki in der Wildnis

Das Airbnb-Angebot klang verführerisch: Eine feine Unterkunft mitten im Wald, mit drei komfortablen Schlafzimmern für sechs Leute. In Kanada findet dieses Wohnkonzept unter dem Namen “ChicShack” immer mehr Anhänger. Wir haben den Jahreswechsel in einem dieser Schmuckstücke im Wald verbracht. Unsere Bilanz: Schon schön, aber …

Was macht man nicht alles, um den Corona-Krallen zu entkommen! Weil wegen des Lockdowns in Quebec mehrere Familien nicht zusammen feiern dürfen, liessen Cassian und Partnerin die Korken in der Cottage am Lac Dufresne knallen, während wir uns 45 Autominuten davon entfernt ein ChicShack im Wald gemietet hatten. Die eingeladenen Freunde mussten wegen der Covid-Beschränkungen leider ganz in der Stadt bleiben.

Das Haus selbst ist ein Traum aus Holz und ganz viel Glas. Ausgestattet mit allem, was sich der Kurz-Urlauber nur wünschen kann: Gediegene Küche, geschmackvolles Mobiliar, jede Menge Gadgets, Designerdingens, Ladestation für den Tesla – das volle Programm. Und eine Rundumverglasung, die an einen riesigen Wintergarten erinnert.

Dass der Kaminofen nicht mit Holz sondern mit Gas beheizt ist, fanden wir als Liebhaber des eher rustikalen Blockhaus-Lebens ein wenig schade. Aber die ausgestrahlte wohlige Wärme machte keinen Unterschied. Es war einfach saugemütlich.

Und doch: Trotz des Komforts und des wunderbaren Ambientes werden wir wohl nicht zum zweitenmal von dem “Schöner-Wohnen-in-der-Wildnis”-Konzept Gebrauch machen. Das hat nicht nur mit dem Preis für eine 5-Sterne-Herberge wie diese zu tun. Es fehlte uns auch ein bisschen an Abwechslung.

Während vor unserem Blockhaus am Lac Dufresne um diese Jahreszeit der zugefrorene See zu langen Spaziergängen auf dem Eis einlädt oder auch mal ein Besucher vom anderen Ufer zum Neujahrsschnaps vorbeikommt, gibt es rund um das ChicShack absolut nichts dergleichen zu tun. 

Zwar bietet das Haus einen zauberhaften Blick auf die Skipisten des Mont Tremblant, Spazierwege, wie wir sie vom See gewohnt sind, gibt es hier jedoch nicht. Das heißt doch: Man kann sich zu Fuß andere ChicShacks ansehen, von denen es in der Gegend etwa zwei Dutzend gibt. 

Dass das etwas andere Silvester-Wochenende nicht ganz so abwechslungsreich verlaufen ist wie geplant, lag also wieder einmal an der Pandemie. Wir hatten Freunde eingeladen, mit uns zu feiern. Als sich die Regierung kurz vor dem Jahreswechsel zum Lockdown und der damit verbundenen Ausgangssperre entschied, war Schluss mit lustig: Wir mussten unter uns bleiben.

Schön waren die vier Tage im ChicShack auf jedenfall, sehr schön sogar. Aber halt doch ein bisschen zu geschniegelt für zwei verbuschte Großstädter wie wir.

Das rustikale Blockhausleben ist da schon eher unser Ding.

Good Morning Sunshine!
Frühstück im Glashaus: Eine Art Wintergarten im Busch.
Der etwas andere Spaziergang: ChicShacks unter sich.
In der Ferne der Mont Tremblant, einer der beliebtesten Ski-Orte in Quebec.
Sonnenaufgang in den Bergen der Laurentians.
Zwischendurch Neujahrspost vom Sohn: Schöne Grüsse aus dem Blockhaus am See. Hach!

5 Gedanken zu „Viel Schickimicki in der Wildnis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.