Diese Wut, diese Ohnmacht!

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Stell dir vor, es ist Krieg und alle gehen hin. So hatte sich der Mann aus Moskau den brutalen Überfall auf die Ukraine vermutlich nicht vorgestellt. Aber er hat sich verkalkuliert, der Herr der Klinge. 

Es scheint ihm zwar völlig wurscht zu sein, was aus Millionen Menschen, aus Schulen, Krankenhäusern und selbst Atomkraftwerken wird. Aber die Solidarität der westlichen Länder lässt diesen Massenmörder armselig und einsam aussehen.

Umgekehrt verläuft zurzeit kein Telefonat, kein Arzttermin, kein Gespräch in der U-Bahn oder in der Apotheke, ohne die mutigen ukrainischen Flüchtlinge und ihren heroischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyy zu preisen.

So sehen wahre Helden aus!

Das unvorstellbare Leid, das wir von unseren vergleichsweise luxuriösen Behausungen aus Tag für Tag fassungslos vor dem Bildschirm miterleben, mag uns das Blut in den Adern gerinnen lassen. Aber wenigstens sind wir nicht allein mit unserer Wut und der nie zuvor gefühlten Ohnmacht, die der Krieg in der Ukraine in uns zurücklässt.

Die Welle der Hilfsbereitschaft für dieses gebeutelte Volk ist riesig. 

Ein Montrealer Stadtrat, muttersprachlich Englisch, schreibt mir eben auf Deutsch, ob ich eine Idee hätte, was man den Menschen in der Ukraine ausser Geldspenden sonst noch alles Gutes tun könne. 

Als ob ich es wissen müsste, nur weil ich ein paar tausend Kilometer näher an Kiew aufgewachsen bin als er.  

Notiz an mich selbst: Unbedingt wiederwählen, diesen tollen Mann, der mir nicht zum erstenmal als hilfsbereiter, empathischer Politiker aufgefallen ist.

Ärzte, Apotheker, Bauarbeiter, selbst Lehrer und Taxifahrer aus allen Teilen Kanadas lassen alles stehen und liegen, um an die ukrainisch-polnische Grenze zu reisen, um von dort aus ihre Hilfe anzubieten.

Ein guter Freund erzählte mir eben am Telefon, seine Tochter habe in ihrer Berliner Wohnung jetzt schon mehrere Tage hintereinander Flüchtende aufgenommen und dabei herzzerreissende Szenen erlebt. 

Eine der ukrainischen Frauen, die bei ihr übernachten durften, machte ihrer jungen Gastgeberin am nächsten Morgen durch Gesten klar, dass sie “schön” sein möchte. Schön, so schloss die Tochter meines Freundes, bedeutet im internationalen Frauenverständnis auch: geschminkt zu sein. 

Genau darauf wollte die Flüchtende, die kein Deutsch sprach, hinaus. Sie reise von Berlin aus weiter zu einer Bekannten im Süden Deutschlands. Vorher wolle sie sich “schön” machen.

Die Tochter meines Freundes zögerte nicht lange und verschenkte ihre Schmink-Utensilien.

Und mein Freund selbst? Stellt Flüchtenden aus der Ukraine eine Immobilie zur Verfügung. Nicht weil er es kann, sondern weil er es will.

Hilflos. Ohnmächtig. Fassungslos. Wütend. Und viele Worte, die nicht im Duden stehen – all das staut sich in uns jetzt schon seit Tagen auf. Aber auch hier: Wir sind nicht allein.

“Mir geht das Ganze an die Nieren”, schreibt mir mein Freund Peter aus Sherbrooke eben. “Manchmal vergesse ich meinen stadtbekannten Pazifismus.”

Kein Grund zur Entschuldigung, lieber Peter. Anderen geht es genau so. Von mir aus kann dieser schreckliche Despot im Kreml in seinem eigenen Blutbad ertrinken. Zumindest aber möchte ich ihn als Kriegsverbrecher auf der Anklagebank in Den Haag sehen.

Ein ehemaliger Bundeswehr-General drückte es neulich bei „Hart aber fair“ etwas eloquenter aus:

„Ich sehe leider keinen Grafen Stauffenberg“.

Noch nicht.

7 Gedanken zu „Diese Wut, diese Ohnmacht!

  1. Hi,
    Soweit ich weiss brauchen sie in der Ukraine hauptsächlich medizinische Produkte, Hygieneartikel, Powerbanks, etc.
    Liebe Grüsse aus Deutschland,
    Britta

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  2. „70 Jahre und kein bisschen weise. Aus gehabtem Schaden nichts gelernt“. Diese leicht veränderte Anleihe aus einem Song von Curd Jürgens spiegelt die ganze Arroganz Putins wider.
    Hat der verheerende Krieg in Afghanistan wesentlich zum Zusammenbruch der UdSSR geführt, so wird dieser nicht minder verheerende Krieg in der Ukraine das Ende der Ära Putin einleiten. Vorausgesetzt, der Westen bleibt sich einig.

    Gefällt 1 Person

  3. Es macht uns traurig und wütend zugleich. Dieser menschenverachtende Verbrecher, der Möchtegern-Hitler von Moskau. Hoffentlich werden die gesperrten Konten und Gelder für die Reparationen in der Ukraine beschlagnahmt und verwendet. Uns fehlen die Worte – da belügt ein mieser Verbrecher sein eigenes Volk und die ganze Welt. Alles Gute für Dich und Deinem Blogg ! LG Horst

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