Osterhasen im Kerzenschein

Wenn das mit der Wiederauferstehung des gekreuzigten Herrn Jesus stimmt, dann hat er letzte Nacht eine richtige Show hingelegt. Stundenlang polterte und stürmte es auf der Farm, wie ich es noch nie erlebt hatte.

Ich mach’s kurz, ehe der Akku im Handy schlappmacht: Seit Mitternacht sind wir mal wieder ohne Strom. Mit etwas Glück soll er irgendwann im Laufe des Abends wieder zurückkommen. Oder auch nicht.

Wir machen es uns trotzdem gemütlich und achten darauf, dass die Schokohasen unter der Kerze nicht schmelzen. Freunde, die zum Brunch eingeladen waren, müssen sich gedulden. Unter diesen Umständen Schinken und andere Schweinereien aus dem Bratrohr zu servieren, wird schwierig. Nächstes Wochenende vielleicht?

Immerhin gab’s frisch gebrühten Kaffee vom Holzofen. Zu mehr reicht es an diesem Ostermorgen noch nicht.

Das Wasser auf der Farm kommt aus der hauseigenen Quelle. Die funktioniert allerdings nur, wenn Stoff für die Pumpe da ist. Kein Strom, keine Pumpe. Keine Pumpe, kein Wasser. Kein Wasser, Kein WC. So einfach ist das. Oder auch nicht.

Wozu hat der liebe Gott eigentlich den Generator erfunden? Vermutlich, damit man sich darüber ärgern kann, wenn man keinen hat.

Zum Glück gibt’s immer einen „Plan B“.

B wie Bauernweisheit: „Fehlt einmal der Strom im Haus, kommt die gute Laune raus.“ (© H.B.)

NOTEINSATZ AM OSTERMORGEN: Nach dem Sturm kommt der Stromausfall.
Viele Bäume und kein Strom: Sturm in der Nacht zu Ostersonntag. (Foto: Caitlin Wallace)

Matt, Poppy und ganz viel Eis

Es wird: Der Frühling zieht langsam, ganz langsam auch in Montreal ein. Noch ziert sich der Fluss vor unserem Gebäude ein wenig, sein eisiges Kleid abzulegen. Aber mit jedem Tag, jedem Sonnenstrahl wird die Schicht dünner.

Der erste längere Spaziergang des Jahres ging – wohin sonst? – an den Alten Hafen. Noch warten keine fetten Kähne aufs Auslaufen, dafür werden ein paar Passagierschiffe reisefertig gemacht. Die Planken werden gewienert, die Rostflecken mit Farbe übertüncht.

Auch an den Kaimauern wurde gearbeitet. Um Platz für die Arbeiter zu schaffen, mussten vorher riesige Eisplatten entfernt werden. Bis die allerdings weggetaut sind, wird es noch eine Zeitlang dauern.

Und plötzlich stand irgendwann diese Woche Matt vor mir. Einfach so. Matt Holubowski, Cassians Jugendfreund und inzwischen bekannter Singer/Songwriter. Mit einem Stapel Bücher unterm Arm sind wir uns in meinem Stammcafé Indigo begegnet und verplauderten einen halben Nachmittag – so lange, bis wir beide der Meinung waren: Wir haben’s geschafft! Die Welt ist gerettet. Oder doch nicht?

Wenn schon nicht die Welt mit sich im Reinen ist, dann vielleicht das Weltall? Der Mond sogar? Artemis II – die bemannte Mission, die wieder Menschen auf einen Flug um den Mond bringt, ist am 1. April erfolgreich gestartet – sogar mit einem Kanadier an Bord. Poppy durfte bei diesem historischen Ereignis nicht fehlen. Sie war begeistert.

Oder, wie man im Englischen sagt: She was over the moon!