
Wenn an diesem Wochenende in Montreal wieder die besten Rennfahrer der Welt an den Start gehen, fällt mir ein denkwürdiges Interview mit Michael Schumacher ein.
Lange bevor ich das Glück hatte, mit dem ARD-Experten-Team zusammenarbeiten zu dürfen, habe ich als freier Korrespondent bereits über mehrere Formel-1-Rennen in Montreal berichtet. Eines davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Nicht, weil Michael Schumacher wieder einmal gewonnen hatte, sondern weil ich mich ausgerechnet bei ihm mit einer besonders doofen Interviewfrage als F1-Banause blamiert habe.
Ein großer Fan der Formel 1 war ich ohnehin nie: zu laut, schlecht für die Umwelt und hin und wieder tödlich, aus Gründen, die man nicht so richtig nachvollziehen kann. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, üben Autorennen bis heute eine gewisse Faszination auf mich aus.
Als ich das Foto oben vor 23 Jahren aufgenommen habe, hatte Schumi den Großen Preis von Kanada bereits mehrfach gewonnen. Schumacher war damals der König von Ferrari, und jeder Reporter wollte einen O-Ton von ihm. Auf wundersame Weise, vielleicht dank unseres gemeinsamen schwäbischen Dialekts, ermöglichte mir sein Manager tatsächlich ein Interview.
Während ich nervös in Schumis luxuriösem Motorhome saß, Espresso trank und auf den größten Rennfahrer der Welt wartete, zerbrach ich mir den Kopf über die perfekte Frage. Ein deutscher Kumpel, glühender Formel-1-Fan, hatte mir geraten: „Frag ihn doch mal, warum er sich mit der Casino-Kurve immer so schwertut.“
Casino-Kurve? Okay. Gesagt, getan.
Auf den Ratschlag des Kumpels zu hören, war, wie sich schnell herausstellte, ein großer Fehler. Michael Schumacher machte bei meiner Frage eine kurze Pause, musterte mich von oben bis unten und sagte dann ganz ruhig: „Sie verwechseln mich mit jemand anderem. Ich hatte nie Probleme mit der Casino-Kurve.“
Natürlich hatte Schumi recht. Die berüchtigte Casino-Kurve war ein ständiges Problem für den Kanadier Jacques Villeneuve, ganz sicher aber nicht für Schumacher. Gerade in Montreal galt Schumi als außergewöhnlich stark und präzise.
Der Rest des Interviews verlief auch nicht gerade Pulitzerpreis-verdächtig. Der Beitrag wurde trotzdem gesendet, und die Freundschaft mit meinem deutschen Motorsport-„Experten“ hat den miserablen Ratschlag überlebt.
Heute, 23 Jahre später und längst im Ruhestand, muss ich zähneknirschend gestehen: Mit diesem Interview wurde mein Ruf als kompletter Formel-1-Idiot endgültig besiegelt.
Ich habe danach noch über einige weitere Formel-1-Rennen berichtet, aber Michael Schumacher habe ich nie wieder interviewt. Gut so!







