„Dümmer als mein kleiner Zeh!“

Der Präsidenten-Darsteller im Weißen Haus lässt einfach nicht locker. Nachdem der kanadische Premierminister Marc Carney den USA bei den jüngsten Tarif-Gesprächen die kalte Schulter gezeigt hat, tobt der böse Mann in Washington wie ein Derwisch.

Sein bislang billigster Akt: Er ließ per Sofort-Dekret den Lake Ontario in Lake America umtaufen.

Die meisten Kanadier interessiert das weniger als die Schuhgröße von J.D. Vance. „Der Lake Ontario heißt heute so und morgen auch und wird nie anders heißen“, konterte der Ministerpräsident von Ontario, Doug Ford, und schob gleich einen Gruß an den Größenwahnsinnigen in Washington hinterher: „Der kann mich mal.“ Im Übrigen, schloss Doug Ford seine Tirade ab, habe der „weniger Grips im Kopf als ich im kleinen Zeh“.

Dass der Typ im Oval Office daraufhin wie von der Tarantel gestochen reagieren würde, war abzusehen. Wen juckt’s, dass er sich jetzt die Öl-Reserven in Venezuela einverleibt hat, um die Unabhängigkeit seines Landes von kanadischen Öl-Vorräten zu demonstrieren.

Das also ist seine Lesart, wie man mit Freunden umgeht.

Als vor einigen Wochen im Westen Kanadas die Wälder brannten und ein paar Rauchwolken, wie das bei Waldbränden halt mal so ist, auch über die amerikanische Grenze geweht wurden, drohte T. dem Nachbarland Kanada – dümmer geht nimmer – zur Strafe mit neuen Zöllen.

Dass zur gleichen Zeit kanadische Feuerlöschtrupps in den Wäldern an der amerikanischen Westküste ihr Leben riskierten und ihren US-Kollegen bei der Bekämpfung der dortigen Brände halfen, interessierte den Wüterich im Weißen Haus wenig. Erst mal die langjährigen Verbündeten als „Loser“ bezeichnen – und dann wieder zurück in den Blattgold-Palast.

Der kanadische Premierminister Marc Carney ist ein Mann mit Stil und Haltung. Er lässt sich nicht auf das Kleinklein eines sogenannten Präsidenten ein und sucht stattdessen nach zuverlässigen Handelspartnern in anderen Teilen der Welt.

Und die Kanadier? Die stehen wie eine Eins hinter ihrer Regierung. Schließlich lernt man schon auf dem Schulhof, dass man Bullies nicht nachgeben darf.

Wo immer möglich, versuchen Kanadier, amerikanische Produkte zu ignorieren. Dabei scannen sie die Waren im Supermarkt mit eigens entwickelten Apps, um „Made in USA“ zu vermeiden.

Und wenn’s dann schon unbedingt Cola sein muss, dann eben „Made in Mexico“. Das Foto oben habe ich heute Nachmittag auf dem Boulevard St. Laurent aufgenommen.

„Ich glaube“, schreibt mir mein Freund vom Rhein eben, „noch mehr würde es wirken, stattdessen ein kanadisches oder europäisches Getränk zu trinken. Gibt es bei Euch zum Beispiel ‚Fritz-Kola‘?“

Noch nicht. Aber das könnte sich schon bald ändern. Ich sehe schon die Werbung:

„Fritz-Kola. Die koole Alternative aus Germany“

EINGEKNICKT: Bei Google Maps USA wurde der Lake Ontario schon mal in Lake America umbenannt.

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